Neuer Wirkstoff senkt möglicherweise Cholesterol

Der Arzneistoff Bempedoinsäure soll die Cholesterinsynthese der Leber im Stoffwechselweg hemmen und die Serumwerte von LDL-Cholesterin signifikant senken. Eine unlängst publizierte klinische Studie hat diesen Wirkstoff nun bei Patienten mit Hypercholesterinämie untersucht.
Frau nimmt Medikamente zu sichshutterstock.com / fizkes

Hypercholesterinämie:

Hypercholesterinämie ist eine Art der Stoffwechselstörung des Körpers, bei der die Menge an Cholesterin im Blut erhöht ist. Cholesterin ist ein lebenswichtiger Naturstoff der tierischen Zellen und ist für den Aufbau der Zellmembran von großer Bedeutung. Auch für die Produktion von Gallensäure, welche für die Fettverdauung im Darm benötigt wird und für die Synthese von Geschlechtshormonen wie Testosteron und Progesteron ist Cholesterin wichtig. Auch unser Stresshormon Cortisol, sowie Aldosteron, Botenstoff für den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers, sind aus dem wichtigen Naturstoff aufgebaut. 

Cholesterin wird im menschlichen Körper zum größten Teil in der Leber und Darmschleimhaut gebildet (d.h. Cholesterinsynthese). Als Zwischenprodukt dieses Vorgangs entsteht ein Stoff als Vorstufe von Vitamin D (d.h. 7-Dehydrocholesterin). 

Cholesterinwerte im Blut:

Üblicherweise sollte der gesamte Cholesterinwert in unserem Blut unter 200 Milligramm Cholesterin pro Deziliter liegen. Ein leicht erhöhter Wert im Bereich von 200-239mg/dl wird als grenzwertig betrachtet. Bei Werten über dieser Grenze sprechen Ärzte von Hypercholesterinämie.

Zusammensetzung:

Gesamtcholesterin setzt sich zusammen aus

  • HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein),
  • LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein) und 
  • Neutralfetten (d.h. Triglyceride). 

LDL spielt dabei eine besonders wichtige Rolle, da dieses sogenannte „schlechte“ Cholesterin den Naturstoff von der Leber über das Blut zu den übrigen Körperzellen transportiert. Je höher der LDL-Wert ist, desto höher ist auch der Cholesterinwert. Hypercholesterinämie selbst verursacht keine Beschwerden. Hohe Wert auf Dauer können jedoch schwere Folgen verursachen. Ein Übermaß dieses Stoffes kann sich in Blutgefäßen ablagern und zu Arteriosklerose führen. HDL-Cholesterin wird zurück zur Leber transportiert und zeigt dadurch einen entgegenwirkenden Effekt. 

Falls der erhöhte Cholesterinspiegel durch eine Lebens- bzw. Ernährungsumstellung nicht genug gesenkt werden kann, wird in den meisten Fällen nur ein Cholesterinsenker-Präparat, oft sogenannte Statine, für die Behandlung vom Arzt verschrieben. Falls dies nicht ausreichend ist, wird die Dosis erhöht und in weiterer Folge die Therapie um andere Medikamente erweitert.

Wirkung von Bempedoinsäure:

Als Prodrug (d.h. inaktiver pharmakologischer Stoff) wird Bempedoinsäure spezifisch in der Leber in die aktive Form, auch Bempedoyl-CoA genannt, umgewandelt. Dieser Wirkstoff hemmt ein Enzym der Cholesterol-Biosynthese; in weiterer Folge sinkt die Plasmakonzentration des LDL-Cholesterols.

Aktuelle Studie:

Die im März 2019 im New England Journal of Medicine publizierte Studie vergleicht genau dieses Molekül (Bempedoinsäure) bei Patienten, die einen erhöhten LDL-Cholesterol-Spiegel zeigten. In dieser randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten, Phase-3-Untersuchung wurden 2230 Studienteilnehmer 52 Wochen lang untersucht, die eine atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung, eine Hypercholesterinämie oder beides zeigten. Außerdem bekamen die Patienten schon eine maximal tolerierte Dosis Statine und besaßen einen LDL-Cholesterol Wert von mindestens 70mg/dl. 

1488 Teilnehmer bekamen Bempedoinsäure, den restlichen 742 wurde ein Placebo verabreicht. Während der primäre Endpunkt die Sicherheit von Bempedoinsäure war, wurde für den sekundären Hauptendpunkt in der 12. Woche der LDL-Cholesterin-Spiegel gemessen.

Nach diesem Zeitraum sank der LDL-Wert um 19.2 mg/dl (d.h. um 16,5%) gegenüber der Ausgangsbasis zu Beginn (103.2±29.4ml/dl). In der Studiengruppe und Placebogruppe gab es keine signifikanten Unterschiede bezüglich unerwünschter Ereignisse insgesamt (78,5% und 78,7%) und schweren unerwünschten Ereignissen (14,5% und 14,0%). Zu unerwünschten Wirkungen haben Therapieabbruch (10,9% und 7,1%) und erhöhte Inzidenz von Gicht (1,2 und 0,3%) gezählt. Schwere unerwünschte Ereignisse waren zum Beispiel "nicht tödlicher Schlaganfall". 

Fazit:

In dieser 52-wöchigen Studie führte Bempedosäure zu keiner signifikant höheren Inzidenz von unerwünschten Ereignissen als Placebo und, unabhängig von der Statinen-Dosis, zu einem niedrigeren LDL-Cholesterinspiegel. Da Cholesterin wichtig für zahlreiche Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper ist, sollte auf eine adäquate Lebens- und Ernährungsweise geachtet werden und im Falle einer Hypercholesterinämie ein Facharzt zur Beratung für die richtige Behandlungsmethode herangezogen werden. 

Quellen

Danilo Glisic

Danilo Glisic

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Zuletzt aktualisiert am 06.01.2021

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