Verhaltensgebundene Suchterkrankungen: Wie sie entstehen und wie sie behandelt werden

Externe Redaktion
Suchterkrankungen

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Suchterkrankungen sind nicht nur in Deutschland weit verbreitet. Sie können verschiedene Formen sowie Ausprägungen annehmen. Im Fall einer verhaltensgebundenen Sucht sind die Betroffenen zum Beispiel nicht von einer bestimmten Substanz wie Nikotin oder Alkohol abhängig, sondern von einem bestimmten Verhalten. Es handelt sich somit um eine andere Art von Sucht, die einer Zwangsstörung ähnelt, aber ebenso problematisch werden kann, wenn sie nicht behandelt wird. Welche Suchterkrankungen zählen also zu dieser Kategorie und wie lassen sie sich therapieren? Hier kommt ein schneller Überblick.

Was ist eine verhaltensgebundene Sucht?

Jeder Mensch kommt im Alltag mit potenziellen Suchtmitteln wie Alkohol, Online-Games oder Medikamenten in Ber√ľhrung. Kein Wunder, dass Suchterkrankungen laut Deutschem √Ąrzteblatt mittlerweile weltweit zu einem der gr√∂√üten Risikofaktoren f√ľr Morbidit√§t und Mortalit√§t geworden sind. Dennoch entwickelt nicht jeder Mensch eine Sucht, der regelm√§√üig mit potenziellen Suchtmitteln zu tun hat und auch die Art von Suchtmittel und die St√§rke der Sucht k√∂nnen je nach individuellem Fall schwanken. Es gibt beispielsweise eine Alkoholsucht, Einkaufssucht oder Sexsucht. Menschen k√∂nnen demnach nicht nur nach Substanzen wie Zigaretten s√ľchtig sein, sondern auch nach einem gewissen Verhalten. In diesen F√§llen wird von einer verhaltensgebundenen Sucht gesprochen. Im Gegensatz zur substanzgebundenen Sucht wiederholen die Betroffenen also ein Verhalten, das f√ľr die meisten Menschen in einem gesunden Ausma√ü zum Alltag geh√∂rt. Bei ihnen findet dieses Verhalten jedoch exzessiv, sprich suchtartig statt. Das kann es schwierig machen, eine verhaltensgebundene Sucht fr√ľhzeitig zu erkennen und zwischen normalem sowie suchtartigem Verhalten zu unterscheiden.

Verhaltensgebundene Suchterkrankungen werden auch als Verhaltenss√ľchte, nicht stoffgebundene oder nicht substanzgebundene S√ľchte bezeichnet. Wie der Name bereits vermuten l√§sst, sind es dabei allt√§gliche Verhaltensweisen, nach denen die Betroffenen eine Sucht entwickeln. Das Arbeiten, Essen oder Spielen kann dabei zum Problem werden. Dinge, die f√ľr andere Personen normal sind und auch von ihnen ausge√ľbt werden. Der Unterschied besteht darin, dass bei S√ľchtigen dieses Verhalten exzessiv sowie unkontrolliert stattfindet, bis es zu seelischen, finanziellen, sozialen oder auch k√∂rperlichen Folgen kommt. Offiziell geh√∂ren solche Verhaltenss√ľchte trotzdem nicht zu den S√ľchten, sondern sie z√§hlen im internationalen Krankheits-Klassifikationssystem zum St√∂rungsbild: Abnorme Gewohnheit und St√∂rung der Impulskontrolle.

Worin liegt der Unterschied zur substanzgebundenen Sucht?

Suchterkrankungen, die als solche anerkannt und klassifiziert sind, sind die sogenannten substanzgebundenen S√ľchte. Hierbei besteht also eine seelische sowie vor allem k√∂rperliche Abh√§ngigkeit nach gewissen Substanzen. Das gilt beispielsweise f√ľr Alkohol, Drogen oder Medikamente. Diese k√∂rperliche Abh√§ngigkeit besteht bei Verhaltenss√ľchten nicht und ist somit das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Menschen mit einer Substanzabh√§ngigkeit erleben daher auch k√∂rperliche Entzugserscheinungen, wenn ihnen der Zugang zu ihrem Suchtmittel unm√∂glich ist. Psychische Entzugserscheinungen wie ein starkes Verlangen treten hingegen bei substanzgebundenen und nicht substanzgebundenen S√ľchten gleicherma√üen auf.

Worin liegt der Unterschied zur Zwangsstörung?

Frau mit Verhaltenssucht

Frau mit Verhaltenssucht (Antonioguillem/Adobe Stock)

Eine Verhaltenssucht von einer Zwangsst√∂rung zu unterscheiden, ist nicht immer einfach. Es besteht eine gro√üe √Ąhnlichkeit zwischen diesen St√∂rbildern, weshalb verhaltensgebundene S√ľchte in die Gruppe der sogenannten Zwangsspektrumsst√∂rungen eingeordnet werden. Trotzdem ist es wichtig, diese voneinander abzugrenzen, um im Einzelfall die richtige Diagnose zu stellen und eine wirkungsvolle Therapie einzuleiten. Diese Diagnose muss durch einen Facharzt gestellt werden, der sich mit den St√∂rbildern im Detail auskennt. Prinzipiell l√§sst sich aber sagen, dass bei einer Zwangsst√∂rung eine Handlung zwanghaft wiederholt wird, um Angst oder Unbehagen zu lindern, w√§hrend bei einer verhaltensgebundenen Suchterkrankung das Verhalten andere Beweggr√ľnde hat. Sie erleben es oft als angenehm, sozusagen als Belohnung ‚Äď haben aber Schwierigkeiten damit, es zu kontrollieren. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen Verhaltenss√ľchten und Zwangshandlungen ist demnach die zugrunde liegende Motivation.

Entstehung einer nicht substanzgebundenen Sucht

Wie bei der substanzgebundenen Sucht, entsteht auch eine Verhaltenssucht schleichend und ist daher f√ľr die Betroffenen sowie ihr soziales Umfeld oft schwierig zu erkennen. Im Nachhinein l√§sst sich meist kaum noch sagen, wann das normale in ein suchtartiges Verhalten √ľberging. Wie dieser Prozess abl√§uft, in welcher Geschwindigkeit und aus welchen Gr√ľnden, ist dabei h√∂chst individuell. Damit es zu einer nicht stoffgebundenen Sucht kommt, sind aber stets mehrere Faktoren beteiligt. Diese k√∂nnen je nach Einzelfall in verschiedener Anzahl und Kombination zusammenspielen. Dazu geh√∂ren zum Beispiel:

  • Negative Verst√§rkung, sprich eine Verhaltensweise beendet einen als unangenehm empfundenen Zustand oder reduziert negative Gef√ľhle wie Angst, Langeweile oder Traurigkeit. Deshalb wiederholen sie diese Verhaltensweise mit hoher Wahrscheinlichkeit.
  • Psychologische Faktoren, die in der Pers√∂nlichkeit verankert liegen. Gewisse Charakterz√ľge wie Impulsivit√§t, eine geringe Stressresistenz oder ein mangelndes Selbstwertgef√ľhl k√∂nnen die Entwicklung von Suchterkrankungen demnach beg√ľnstigen.
  • Selbstmedikation, sprich die Person leidet eigentlich an einer Depression oder Angstst√∂rung, die jedoch durch die Verhaltenssucht unterdr√ľckt wird. Die Betroffenen behandeln sich damit sozusagen selbst.
  • Genetik, denn es gibt mittlerweile Hinweise darauf, dass auch eine genetische Veranlagung bei der Entwicklung von S√ľchten jeder Art eine Rolle spielen kann. Das gilt ebenfalls f√ľr verhaltensgebundene S√ľchte, die in manchen Familien geh√§uft auftreten.
  • Bew√§ltigungsstrategie, die oft in der Kindheit erworben wurde, um beispielsweise Frust abzubauen, weil die emotionalen Grundbed√ľrfnisse nicht erf√ľllt werden. Das Verhalten dient dann als eine Art ‚ÄěSelbststimulierer‚Äú beziehungsweise ‚ÄěSelbstberuhiger‚Äú.
  • Soziale Faktoren wie Gruppendruck oder eine Umgebung, in der das problematische Verhalten (zu lange) akzeptiert, vielleicht sogar gef√∂rdert wird, sind ein weiterer Risikofaktor f√ľr die Entwicklung von Verhaltenss√ľchten.
  • Kindliche Modi, sprich die Person hat in der Kindheit nicht gelernt, sich l√§ngerfristige Ziele zu setzen und diese diszipliniert zu verfolgen. Es fehlt ein St√ľck weit an der Impulskontrolle. Dies ist eine h√§ufige Folge eines zu hedonistischen Erziehungsstils.
  • Neurobiologische Faktoren, die das Belohnungssystem im Gehirn ansprechen, wenn das jeweilige Verhalten ausge√ľbt wird. Dadurch wird es als befriedigend empfunden und das Gehirn strebt danach, es zu wiederholen. Manchmal ist dies die Folge einer Dysregulation des Belohnungssystems.

Nachdem eine verhaltensgebundene Sucht diagnostiziert wurde, sollte demnach stets die Frage nach den individuellen Ursachen im Vordergrund stehen. Dann kann das Problem sozusagen an der Wurzel gepackt und optimal behandelt werden, wodurch die Heilungschancen steigen. Bleibt nur die Frage offen, wann und wie eine Verhaltenssucht diagnostiziert wird. Wie vorab erwähnt, entwickelt sie sich oft schleichend aus einem einst normalen Verhalten, sodass sie meist erst erkannt wird, wenn sie bereits stark ausgeprägt ist und gegebenenfalls schon größere Schäden verursacht hat, beispielsweise in finanzieller Hinsicht.

Wie kann eine Verhaltenssucht diagnostiziert werden?

Gespräch mit Psychotherapeutin

Gespräch mit Psychotherapeutin (pressmaster/Adboe Stock)

Bleibt nur die Frage offen, wie in solchen F√§llen eine Diagnose gestellt wird. Schlie√ülich ist sie die Grundvoraussetzung f√ľr eine wirkungsvolle Therapie. Wird eine verhaltensgebundene Sucht vermutet, so ist es wichtig, sich an einen Experten im Bereich der Psychiatrie und Psychologie zu wenden. Solche Psychiater, Psychotherapeuten & Co k√∂nnen die Diagnose nach folgenden Kriterien stellen:

  • Diagnostische Kriterien, basierend auf dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer St√∂rungen oder anderen Leitlinien, die f√ľr die Diagnostik anerkannt sind. Diese helfen dabei, Suchterkrankungen zu erkennen und ihre Art festzustellen. Daf√ľr m√ľssen beispielsweise bei einer Gl√ľcksspielsucht mindestens vier von neun Kriterien erf√ľllt sein.
  • Klinische Beurteilung, begonnen mit einer Anamnese, bei der die Patienten nach ihren Lebensumst√§nden, ihren Symptomen sowie Verhaltensweisen gefragt werden, um sich einen allgemeinen √úberblick zu verschaffen, basierend auf der Erfahrung als Facharzt f√ľr verhaltensgebundene Suchterkrankungen.
  • Ausschluss anderer Ursachen, um voreilige oder falsche Schlussfolgerungen zu verhindern. Dementsprechend m√ľssen beispielsweise andere potenzielle psychische St√∂rungen, der Missbrauch von Substanzen oder medizinische Probleme ausgeschlossen werden, gegebenenfalls anhand von Tests und Untersuchungen.
  • Feststellung des zeitlichen Ablaufs, beispielsweise der Dauer und des Verlaufs, in denen das Suchtverhalten auftritt. Dies hilft bei der Bewertung, ob es sich bereits um ein suchtartiges Verhalten handelt und wie ausgepr√§gt die Verhaltenssucht ist.
  • Funktionsbeeintr√§chtigung, sprich es wird gepr√ľft, ob das Suchtverhalten schon zu Konsequenzen im Leben der Betroffenen gef√ľhrt hat, beispielsweise bei der Arbeit, im Sozialleben oder auch bei der k√∂rperlichen Gesundheit.
  • Selbstberichte, sprich die Betroffenen, berichten selbst√§ndig dar√ľber, wie sie ihr Verhalten erleben und wie sie sich dieses erkl√§ren. Dies gibt auch Aufschluss dar√ľber, ob sie sich der Problematik ihrer Sucht bewusst sind und wo potenzielle Ursachen liegen.
  • Psychosoziale Folgen, sprich es wird ermittelt, ob auch psychosoziale Probleme bereits durch die Sucht entstanden sind oder diese beg√ľnstigt haben, wie Beziehungs-, rechtliche oder finanzielle Probleme.

Eine fachkundige Diagnose zu stellen, ist demnach ein komplexer und unter Umst√§nden langwieriger Prozess. Deshalb ist es f√ľr Angeh√∂rige oder Betroffene selbst nicht m√∂glich, eine Diagnose eigenst√§ndig zu stellen. Sie k√∂nnen aber als Initiatoren fungieren, damit sich die S√ľchtigen professionelle Hilfe suchen. Manchmal muss es dann erst einmal zu einer Einsicht auf der Seite der Betroffenen kommen, um √ľberhaupt eine erfolgreiche Therapie einleiten zu k√∂nnen. In der Regel haben sie zu diesem Zeitpunkt also bereits einen hohen Leidensdruck mit gro√üen Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche erreicht. Dazu sp√§ter mehr.

Welche Suchterkrankungen sind verhaltensgebunden?

Mann mit Spielsucht

Mann mit Spielsucht (didiksputra/Adobe Stock)

Prinzipiell k√∂nnen Menschen nach jeglichem Verhalten s√ľchtig werden. Wie vorab erw√§hnt, geht es um Handlungen, die zum ganz normalen Alltag geh√∂ren, sofern sie in einem gesunden Ma√ü ausge√ľbt werden. Prinzipiell wird aber vor allem jenes Verhalten zur Sucht, das als Belohnung empfunden wird und die entsprechenden Areale im Gehirn triggert ‚Äď oder das als Ablenkung von √Ąngsten, Wut oder anderen negativen Emotionen dient. Typische Beispiele sind:

  1. Spielsucht, beispielsweise nach Gl√ľcksspiel oder Online-Games, die √ľber einen langen Zeitraum ausge√ľbt werden oder zu Wutausbr√ľchen, einer Verschuldung und anderen negativen Konsequenzen f√ľhren.
  2. Sportsucht, da beim Sport Gl√ľckshormone ausgesch√ľttet werden, aber auch Anerkennung f√ľr den sch√∂nen K√∂rper oder andere obsessive Ziele k√∂nnen im Vordergrund stehen.
  3. Sexsucht, einerseits als Ablenkung und andererseits aufgrund der Gl√ľckshormone. Dabei kann es sich um sexuelle Aktivit√§ten verschiedenster Art handeln.
  4. Mediensucht, sei es nach Fernsehen, Streaming, sozialen Medien oder dem Internet. Auch das Streben nach Anerkennung, beispielsweise durch Follower, kann suchtartige Strukturen annehmen.
  5. Kaufsucht, bei der exzessiv eingekauft wird, beispielsweise online. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betroffenen das Gekaufte tats√§chlich ben√∂tigen und es sich √ľberhaupt leisten k√∂nnen.
  6. Arbeitssucht, entweder als Ablenkung oder f√ľr Anerkennung, Wertsch√§tzung beziehungsweise andere positive Resultate.
  7. Esssucht, was sich im sogenannten ‚ÄěBinge-Eating‚Äú widerspiegeln kann, ohne Kontrolle √ľber die Art oder Menge der aufgenommenen Nahrung.
  8. Handysucht, die √ľber die normale Nutzung im Alltag hinausgeht ‚Äď und schon diese ist bei vielen Menschen exzessiv. Bei einer handfesten Sucht haben die Betroffenen aber die Kontrolle √ľber ihre Handynutzung verloren und reagieren heftig, wenn ihnen der Zugang verwehrt ist.
  9. N√§gelkauen, das ebenfalls suchtartige Auspr√§gungen annehmen kann. Dasselbe gilt f√ľr die sogenannte Trichotillomanie, bei denen sich eine Person selbst die Haare ausrei√üt. Bei solchen Formen der Verhaltenss√ľchte verschwimmen die Grenzen zur Zwangsst√∂rung besonders stark.

Damit ist die Liste noch lange nicht zu Ende. Ebenso individuell wie die Art und Ausprägung der Sucht können außerdem ihre Auswirkungen sein.

Welche Auswirkungen haben Verhaltenss√ľchte?

Eine Sucht hat stets negative Folgen. Nur deshalb wird sie als Sucht wahrgenommen und es ist dieser Leidensdruck, der viele Betroffene fr√ľher oder sp√§ter in die Einsicht zwingt, dass sie professionelle Hilfe brauchen. Bei substanzgebundenen S√ľchten sind diese Folgen oft k√∂rperlicher Art, weil beispielsweise durch den Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch gesundheitliche Folgen entstehen. Aber es drohen noch vielf√§ltige weitere Konsequenzen, die auch bei verhaltensgebundenen S√ľchten eintreten k√∂nnen:

  • Psychische Folgen, wie Depressionen oder Angstzust√§nde. Diese k√∂nnen sowohl Ursache als auch Folge der (nicht) stoffgebundenen Sucht sein. So kann beispielsweise exzessives Spielen zu Schlafmangel, Stress und Angstzust√§nden f√ľhren.
  • Physische Folgen, die ebenfalls durch Schlafmangel und Stress entstehen k√∂nnen. Aber auch Verletzungen durch eine Sportsucht oder andere Gesundheitsprobleme sind m√∂glich ‚Äď und k√∂nnen schlimmstenfalls t√∂dlich enden.
  • Berufliche Folgen, denn viele Betroffene k√∂nnen fr√ľher oder sp√§ter keine zufriedenstellenden Leistungen im Job mehr erbringen, bleiben der Arbeit vielleicht g√§nzlich fern oder gehen ihrer Sucht w√§hrend der Arbeitszeit nach, wodurch ein Jobverlust droht.
  • Soziale Folgen, wie ein sozialer R√ľckzug, die Vernachl√§ssigung von Freunden sowie Familie oder st√§ndiger Streit, weil das Umfeld die Sucht bereits bemerkt hat ‚Äď aber es noch zu keiner Einsicht kam.
  • Rechtliche Probleme, die durch illegale Verhaltensweisen wie Gl√ľcksspielkriminalit√§t oder den Konsum von Kinderpornografie entstehen k√∂nnen, um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen.
  • Finanzielle Probleme, da das Suchtverhalten zu einer Verschuldung f√ľhren kann, beispielsweise bei einer Kauf- oder Spielsucht. Auch diese finanziellen Probleme k√∂nnen rechtliche Konflikte nach sich ziehen.

Schlimmstenfalls drohen durch S√ľchte sogar Lebensgefahren, sei es durch Suizid aufgrund von Depressionen, durch Essst√∂rungen, durch den Umgang mit den falschen Personen oder andere Ursachen. Deshalb ist es f√ľr Angeh√∂rige sowie Betroffene gleicherma√üen wichtig, das Thema nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und genau zu beobachten, wann ein normales Verhalten zu einem Suchtverhalten wird. Gegebenenfalls lohnt sich die R√ľcksprache mit einem Experten.

Präventions- und Therapiemaßnahmen

Bestenfalls wird ein kritisches Verhalten also fr√ľhzeitig bemerkt und pr√§ventiv verhindert, sodass es gar nicht erst zur Entwicklung einer Sucht kommt. Die Pr√§vention ist deshalb ein wichtiges Thema, wann immer es um Verhaltenss√ľchte geht. Werden diese hingegen zu sp√§t erkannt, so ist eine professionelle Therapie notwendig, um das Verhalten schnellstm√∂glich und langfristig zu √§ndern. Auch f√ľr die Pr√§vention sowie Therapie stehen verschiedene M√∂glichkeiten zur Verf√ľgung, abh√§ngig von individuellen Faktoren: Um welche Art von Sucht handelt es sich? Wie √§u√üert sie sich? Wie stark ist sie ausgepr√§gt? Seit wann besteht sie? Welche Folgen hat sie bereits nach sich gezogen? Welche Ursachen liegen ihr zugrunde? Diese und viele weitere Fragen gilt es f√ľr die behandelnden √Ąrzte zu beantworten, um ein individuelles sowie erfolgreiches Therapiekonzept zu entwickeln.

Welche Möglichkeiten zur Prävention gibt es?

Da eine Verhaltenssucht so viele verschiedene Ursachen und Auspr√§gungen haben kann, ist es schwierig, generelle Ma√ünahmen zur Pr√§vention zu ergreifen. Stattdessen ist es wichtig, f√ľr jede Art der Sucht eigene Ma√ünahmen zu entwickeln und umzusetzen. Das gilt f√ľr √∂ffentliche Ma√ünahmen ebenso wie f√ľr individuelle Ma√ünahmen, die jeder Einzelne ergreifen kann und sollte, wenn er eine potenzielle Sucht entdeckt. So wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise immer mehr Vorkehrungen getroffen, um einer Spielsucht entgegenzuwirken, bevor sie durch das zunehmende Online-(Gl√ľcks-)Spiel zum Massenproblem wird. Dazu geh√∂ren zum Beispiel die im Gl√ľcksspielstaatsvertrag festgehaltenen Spielerschutzma√ünahmen, aber auch freiwillige Selbstlimitierungsstrategien. Viele Anbieter sch√ľtzen beispielsweise Minderj√§hrige, indem sie ihnen den Zugang zu ihren Angeboten verweigern, oder sie ergreifen weitere Ma√ünahmen, um problematisches Spielen zu erkennen und zu verhindern. Ebenso helfen sie den Spielern hierbei, indem sie Funktionen wie pers√∂nliche Limits integrieren.

Solche Ma√ünahmen sind jedoch nicht bei jeder Art von Sucht m√∂glich und selbst, wenn es solche gibt, so liegt die gr√∂√üte Verantwortung doch bei jedem selbst. Denn ob jemand normal oder suchtartig einkauft, normal oder suchtartig spielt, normal oder suchtartig Sex hat ‚Äď all das l√§sst sich oft nur selbst oder als √§u√üerst nahestehende Person einsch√§tzen. Viele S√ľchtige sind wahre Meister darin, ihre Erkrankung vor dem sozialen Umfeld zu verbergen. Pr√§vention ist daher vor allem eine Frage der Eigenverantwortung, sprich jeder Mensch sollte sein eigenes Verhalten beobachten, reflektieren und objektiv bewerten. In der Praxis ist dies allerdings schwierig, denn die wenigsten Betroffenen wollen sich ihre Problematik eingestehen. Oft wird sie daher erst erkannt, wenn bereits eine Therapie zur Behandlung notwendig ist.

Gruppentherapie

Gruppentherapie (New Africa/Adobe Stock)

Therapiemöglichkeiten bei verhaltensgebundenen Suchterkrankungen

Ob eine Therapie notwendig ist und wie diese am besten aussieht, muss eine fachkundige Person wie ein Psychiater, Neurologe oder Psychotherapeut entscheiden. Prinzipiell stehen jedoch viele M√∂glichkeiten zur Verf√ľgung, um einer verhaltensgebundenen Sucht entgegenzuwirken. F√ľr schnelle sowie langanhaltende Erfolge ist daf√ľr oft die Kombination mehrerer Ma√ünahmen notwendig. Hier einige Beispiele:

  1. Verhaltenstherapie, um schädliche Verhaltensmuster zu ändern.
  2. Medikament√∂se Therapie, die jedoch meist f√ľr Begleiterkrankungen eingesetzt wird.
  3. Selbsthilfegruppen, f√ľr den Austausch und die gegenseitige Unterst√ľtzung.
  4. Station√§re Behandlung, die sich in besonders schweren F√§llen empfiehlt, beispielsweise f√ľr eine tempor√§re Abstinenz.
  5. Familientherapie, falls auch die Familie stark belastet oder eine der Hauptursachen ist.
  6. Kognitive Verhaltenstherapie, um dysfunktionale Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern.
  7. Bio- oder Neurofeedback, um körperliche Reaktionen auf die Sucht besser zu verstehen.
  8. Online-Suchttherapie, die einzeln oder als Begleitung zur klassischen Therapie genutzt werden kann.
  9. R√ľckfallpr√§vention, damit Therapieerfolge langfristig gesichert werden.
  10. Entspannungstechniken, um potenzielle Ausl√∂ser wie √Ąngste zu reduzieren.

Ein wichtiger Faktor f√ľr eine erfolgreiche Therapie ist bei verhaltensgebundenen Suchterkrankungen au√üerdem die soziale Unterst√ľtzung. Es ist deshalb sinnvoll, das soziale Umfeld einzubeziehen, um das R√ľckfallrisiko zu minimieren, die Folgen der Sucht gemeinsam zu bew√§ltigen und den Betroffenen dabei zu helfen, ihre Problematik motiviert zu bek√§mpfen. Mit der richtigen Auswahl sowie Durchf√ľhrung der Therapiema√ünahmen sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung dann durchaus hoch. In besonders schweren F√§llen muss die Therapie jedoch manchmal langfristig stattfinden oder mehrfach wiederholt werden. Das gilt auch, wenn die Betroffenen noch keine (ausreichende) Einsicht in ihre Verhaltenssucht haben.

Quellenangaben

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Gastartikel k√∂nnen auch Links zu Webseiten von Dritten enthalten, die keine Quellen darstellen.

Sebastian Kleinschmidt
Autor

Sebastian Kleinschmidt hat Psychologie und P√§dagogik studiert und ist im Bereich der Familienhilfe t√§tig. Nebenbei arbeitet er als freier Redakteur und verfasst Fachartikel f√ľr die Bereiche Psychologie, Elternbildung und Gesundheitspr√§vention.

Letztes Update

03.10.2023

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