Wie die Folgen der Klimakrise unsere Gesundheit bedrohen

Mit der beständigen Abhängigkeit von Kohle, Gas und Erdöl nehmen die Erderwärmung, Extremwetterergeinisse und Luftverschmutzung weiterhin weltweit zu. Der dadurch beschleunigte Wandel des Klimas stellt die größte Bedrohung der Gesundheit der Menschen dar. Dies ist eine der Kernaussagen des Reports des Lancet Countdown on Health and Climate Change 2022, welcher jährlich die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit zusammenfasst.
Geteilte Landschaft mit grüner und trockener Wiese leolintang / iStock

Zum siebten Mal in Folge veröffentlicht das medizinische Fachblatt „The Lancet“ einen Report welcher anhand von fünf Schüsselbereichen die Beziehung zwischen Klimakrise und Gesundheit untersucht. Dabei wird zunehmend appelliert, die Gesundheit der Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Zu den gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Klimakrise kommen die aktuellen Folgen der globalen Energiekrise und der anhaltenden Covid19-Pandemie hinzu.
Gleichzeitig sei es noch nicht zu spät, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern um eine gesündere, sichere und gerechtere Zukunft zu schaffen.

Aktuelle Lage und gesundheitsschädliche Folgen

Auf den seit 2015 erscheinenden Lancet-Bericht reagierte der UN-Generalsekretär António Guterres unter der Forderung von stärkeren Maßnahmen mit den Worten „The climate crisis is killing us.“ Diese klaren Worte unterstreichen die eindringliche Warnung der 99 ExpertInnen aus 51 Institutionen und UN-Organisationen, die in ihrem Report auf die verheerenden gesundheitlichen Folgen der Klimakrise verweisen.

Vermehrte Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten

Plastikbecher mit schmutzigem Wasser auf Blätteruntergrund GiovanniSeabra / iStock

Lebensbedrohliche Extremwetterereignisse häufen sich zunehmend. Die sich verändernden Wetterbedingungen werden immer geeigneter für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und die Entstehung neuer Krankheiten und Zoonosen (z.B. Sars-CoV-2). Von 1951-1960 bis 2012-2012 ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Dengue-Fieber um 12% gestiegen und die klimatische Eignung für die Übertragung von Malaria erhöhte sich um ca. 30%.

Erhöhte Mortalität und Morbidität

Durch die weltweite globale Erderwärmung nahmen hitzebedingte Todesfälle bei gefährdeten Altersgruppen in den letzten 20 Jahren um 68% zu. Bei Expositionen gegenüber extremer Hitze wurden akute Nierenschäden, Hitzeschläge, ungünstige Schwangerschaftsverläufe, Verschlechterungen der Schlafgewohnheiten und Auswirkungen auf die mentale Gesundheit beobachtet. Zudem stehen eine grundlegende Verschlimmerung von bestehenden Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen, sowie ein Anstieg an nicht unfall- oder verletzungsbedingen Todesfällen in Verbindung mit den hohen Hitzeexpositionen. Gleichzeitig wirkt sich die Aussetzung gegenüber extremer Hitze auch indirekt auf die Gesundheit aus, indem sie die Arbeits- und Bewegungsfähigkeit der Menschen einschränkt. So führte die Hitzeexposition im vergangenen Jahr weltweit zu 470 Milliarden verlorenen Arbeitsstunden mit damit verbundenen potenziellen Einkommensverlusten in Höhe von insgesamt 669 Milliarden US-Dollar.

Feuerwehrmann geht durch brennende Landschaft durch Олег Копьёв / iStock

In den letzten 10 Jahren waren weltweit 29% mehr Landfläche mindestens einen Monat pro Jahr von extremer Dürre betroffen als von 1951 bis 1960 und führte dazu, dass die Menschen seit der Jahrtausendwende bis in den vergangenen vier Jahren um 61% mehr Tagen mit sehr bis extrem hoher Brandgefahr ausgesetzt waren.

Ernährungssicherheit

Zwei Weizenähren auf trockenem Boden photomaru / iStock

Die Hitze und Dürre verkürzten 2021 auf der ganzen Welt die Erntesaison von Mais, Reis und Getreide. Unzählige Extremwetterereignisse gingen mit einer massiven Zerstörung von Ernten einher. Mit der zunehmenden folgenschweren Dürre der letzten Jahrzehnte sind immer mehr Menschen von Trinkwasserknappheit betroffen und mittlerweile können sich fast hundert Millionen Menschen weniger angemessen mit Nahrung versorgen als im Zeitraum von 1981 bis 2010. Die Anzahl der bereits zwischen 2019 und 2020 geschätzten rund 800 Millionen unterernährter Menschen dürfte dieses Jahr um weitere 7 bis 13 Millionen steigen.
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, welche beide große Anteile des globalen Weizen- und Maisexports ausmachen, verschärft die Ernährungsunsicherheit zusätzlich durch Versorgungsengpässe und weiter steigenden Nahrungsmittelpreise.

Gesundheitsversorgung

Zugleich stehen die Gesundheitssysteme unter Druck durch die Folgen der Coronapandemie. Gesundheitssysteme benötigen mehr Ressourcen für alle Versorgungsbereiche und eine bessere Vorbereitung auf die Folgen des Klimawandels. Es bedarf einen Aus- und Umbau der Gesundheitseinrichtungen, welcher gleichzeitig die Klimaneutralität berücksichtigt.

Abhängigkeit von Kohle, Gas und Öl

Die wichtigste Erkenntnis des diesjährigen Berichts ist, dass die anhaltende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen die gesundheitlichen Auswirkungen der gleichzeitigen Krisen, mit denen die Erdbevölkerung konfrontiert ist, verstärkt.

Person die sich die Hände über einem Heizkörper wärmt Tennessee Witney / iStock

Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sowie die verzögerte Einführung und der ungleiche Zugang zu sauberen Energien belastet Privathaushalte durch ständig steigende Energiepreise, wodurch die Energiearmut stetig zunimmt. Weiterhin sind Millionen Menschen der Luftverschmutzung durch die gesundheitsschädlichen Brennstoffe ausgesetzt.

Trotz dieser Gesundheitsschäden setzen Regierungen und Unternehmen laut dem Lancet Countdown Report weiterhin vorrangig auf fossile Brennstoffe und subventionieren diese in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar jährlich. Diese Beträge seien vergleichbar mit den gesamten Gesundheitsbudgets und sollen diese zum Teil sogar übersteigen. Mit dem steigenden Energieverbrauch erreichten die energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 2021 ein historisches Rekordhoch und Öl- und Gaskonzerne erzielten im vergangenen Jahr Rekordgewinne. Gleichzeitig fehlt jedoch die Finanzierung einer gerechten und gesundheitsfördernden Energiewende.

Wald in Form von Lungen dohtar / iStock

Das Jahr 2022 markiert den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen. In diesem einigten sich die Länder darauf, den Klimawandel und seine schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und das Wohlergehen zu verhindern.
Sinnvolle Maßnahmen, die diese Klimafolgen zum größten Teil verhindern oder minimieren könnten, folgten jedoch kaum, berichten die Autoren des Reports. Im Gegenteil dazu, mutmaßen die Experten, bringt die aktuelle Politik das Weltklima auf einen katastrophalen Anstieg um 2,7 °C bis zum Ende des Jahrhunderts.
Die Kohlenstoffintensität des globalen Energiesystems hat sich seit der Gründung des UN-Rahmenübereinkommen nur um weniger als 1 % verringert, und die weltweite Stromerzeugung wird immer noch von fossilen Brennstoffen dominiert, während erneuerbare Energien nur 8,2 % der globalen Gesamtmenge ausmachen.

Der seit 2015 erscheinende Bericht betonte in diesem Jahr, dass eine Weiterverfolgung dieser Strategien die Welt in eine folgenschwere wärmere Zukunft mit fatalen gesundheitlichen Auswirkungen führt.

Es besteht Hoffnung

Trotz aller sich verschärfenden Krisen besteht eine Chance, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern um eine gesündere, sicherere und gerechtere Zukunft zu ermöglichen.

Windkraftanlage im Sonnenuntergang Bene_A / iStock

Eine bedeutende Rolle spielt hierbei die Abkehr von fossilen Brennstoffen, welche durch eine bessere Luft jährlich 1,2 Millionen Todesfälle verhindern könnte. Von hoher Wichtigkeit ist hierbei der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen zum Aufbau widerstandsfähigerer Energienetze und zur Verringerung der Energiearmut. Trotz der immer noch unzureichenden gesamten sauberen Energieversorgung, war diese in 2020 so hoch wie noch nie und im Jahr 2021 entfielen mehr als 80% der Investitionen in die Stromerzeugung auf kohlenstofffreie Energiequellen.

Durch eine umweltfreundlichere und lebenswertere Umgestaltung von Städten könnte sich die körperliche und geistige Gesundheit der Menschen verbessern und durch eine Anpassung an das Klima könnte es Gesundheitssystemen ermöglicht werden, sich besser auf Extremwetter und klimabedingte Krankheitsausbrüche vorzubereiten.

Pflanzliche Lebensmittel marilyna / iStock

Ein weiterer Fokus sollte auf einer kohlenstoffarmen und pflanzenreichen Ernährung liegen, welche zu mehr Obst- und Gemüsekonsum sowie zu einem niedrigeren Verzehr von rotem Fleisch und Milchprodukten führen würde.

Die Berichterstattung über Gesundheit und Klimawandel in den Medien nimmt jährlich zu, das öffentliche Engagement für die gesundheitlichen Aspekte des Klimawandels verstärkt sich und auch ein Großteil der Staats- und Regierungsoberhäupter der Welt machte 2021 beispielsweise in der UN-Generaldebatte auf den Klimawandel und die Gesundheit aufmerksam.
Dieses gestiegene Bewusstsein soll nun dringend in Maßnahmen umgesetzt werden, damit die Gesundheit und das Überleben der Weltbevölkerung gesichert werden kann.

Fazit

Für den diesjährigen Lancet Countdown Report untersuchten Forschende weltweit die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise und welche Vorteile durch den Klimaschutz für die Gesundheit der Weltbevölkerung erbracht werden könnten. Der diesjährige Bericht zeigt, dass sich die Folgen der Klimakrise gerade rapide verschlimmern.
Die Gesundheit aller ist bedroht durch die anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energien. Laut Lancet treibt diese Abhängigkeit den Klimawandel voran und verstärkt zugleich die anderen Krisen dieser Zeit und während Regierungen weiterhin auf gesundheitsgefährdende fossile Energiequellen setzen und diese subventionieren, verdeutlicht sich die versäumte Priorisierung einer neu gesetzten Finanzierung für eine gesunde Zukunft.
Um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern und eine gesündere, sichere und gerechte Zukunft zu schaffen, bedarf es einer sofortigen Förderung und Umsetzung bestehender und neuer Klimaschutzmaßnahmen.

Olivia Malvani, BSc

Olivia Malvani, BSc

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Zuletzt aktualisiert am 22.12.2022

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