Schilddr├╝senunterfunktion (Hypothyreose)

Schilddr├╝senunterfunktion (Hypothyreose)
Internationale Klassifikation (ICD) E00.-
Symptome M├╝digkeit (Fatigue), Antriebslosigkeit, Abgeschlagenheit, Verminderte k├Ârperliche und kognitive Leistungsf├Ąhigkeit, depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme, K├Ąlteempfindlichkeit, Zyklusunregelm├Ą├čigkeiten, Verstopfung, k├╝hle/trockene/teigige Haut, St├Ârungen des Nagelwachstums, Haarverlust, Vergr├Â├čerung der Schilddr├╝se (Kropf bzw. Struma)
M├Âgliche Ursachen Autoimmunerkrankung, Medikamenteneinnahme, Operationen, Mangel an Spurenelementen, St├Ârung der hormonellen Regelkreise, angeborene Fehlbildung

Grundlagen

Bei einer Schilddr├╝senunterfunktion besteht ein Mangel an den Schilddr├╝senhormonen Trijodthyronin und Thyroxin im K├Ârper.

Grafische Darstellung des Kropfs Kropf (Struma) bei einer Schilddr├╝senunterfunktion (Servier Medical Art by Servier / Creative Commons Attribution 3.0 unported license)

Aus verschiedenen Gr├╝nden kommt es zu einer verminderten oder g├Ąnzlich eingeschr├Ąnkten Hormonproduktion der Schilddr├╝se und folgenden Mangel an Schilddr├╝senhormonen, die der K├Ârper zur Aufrechterhaltung seiner Stoffwechselprozesse ben├Âtigt. Ein h├Ąufiges Merkmal ist eine sichtbar vergr├Â├čerte Schilddr├╝se (Kropf bzw. Struma genannt). Folge einer Schilddr├╝senunterfunktion sind Einschr├Ąnkungen des Stoffwechsels und Symptome wie M├╝digkeit und Abgeschlagenheit. Eine Hypothyreose im S├Ąuglings- und Kindesalter kann zu Wachstums- und Entwicklungsst├Ârungen f├╝hren.

Ursachen

Meist liegt eine erworbene prim├Ąre Schilddr├╝senunterfunktion, bei der die Schilddr├╝senfunktion zum Zeitpunkt der Geburt normal ist und sich die Beschwerden erst im Laufe des Lebens ausbilden. Prim├Ąr bedeutet, dass die Hormonproduktion direkt in der Schilddr├╝se gest├Ârt ist. M├Âgliche Ursachen daf├╝r sind:

Hashimoto-Thyreoiditis

Die h├Ąufigste Ursache f├╝r eine Schilddr├╝senunterfunktion ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Im Rahmen dieser Autoimmunerkrankung kommt es aus noch unbekannten Gr├╝nden zur Bildung von Autoantik├Ârper gegen Bestandteile der Schilddr├╝senzellen. Die ausgel├Âste chronische Entz├╝ndung f├╝hrt zu einer Sch├Ądigung der Schilddr├╝se mit Abnahme der Hormonproduktion.

Medizinisch ausgel├Âst (iatrogen)

In einigen F├Ąllen besteht die Schilddr├╝senunterfunktion aufgrund eines medizinischen Handelns. Dies kann beabsichtigt oder auch unbeabsichtigt sein. Beispiele hierf├╝r sind Operationen, in denen die Schilddr├╝se ganz oder teilweise entfernt wurde. Auch die Einnahme von schilddr├╝senhemmenden Medikamenten (Thyreostatika) oder die Nebenwirkung anderer Medikamente (u.A. Amiodaron) k├Ânnen f├╝r die Hypothyreose urs├Ąchlich sein.

Mangel an Spurenelementen

Ein ausgepr├Ągter Mangel an Jod oder Selen kann zu einer Schilddr├╝senunterfunktion f├╝hren.

Sekund├Ąre bzw. terti├Ąre Hypothyreose

In seltenen F├Ąllen ist eine Hypothyreose die Folge einer Problematik in den vorgeschalteten hormonellen Regelungskreisen in der Hirnanhangsdr├╝se (Hypophyse) oder im Gehirn (Hypothalamus). Hierbei spricht man von einer sekund├Ąren bzw. terti├Ąren Hypothyreose.

Angeborene Schilddr├╝senunterfunktion

Selten ist auch eine angeborene Form, bei der beispielsweise eine fehlende oder nur teilweise angelegte Schilddr├╝se oder Rezeptordefekte f├╝r die Hypothyreose verantwortlich sind.

Univ. Doz. Dr. Georg Zettinig im Interview zu Hashimoto-Thyreoiditis

Alles ├╝ber Hashimoto

Unser Experte Univ. Doz. Dr. Georg Zettnig von der Schildr├╝senpraxis Josefstadt im Interview:

  • Was ist Hashimoto?
  • Welche Verlaufsformen gibt es?
  • Welche Symptome sind charakteristisch

Symptome

Ein Mangel an Schilddr├╝senhormonen wirkt sich auf die meisten Organe des menschlichen K├Ârpers aus. Patienten mit einer Schilddr├╝senunterfunktion f├╝hlen sich meist kraftlos und m├╝de. Die Schilddr├╝se versucht die verminderte Hormonproduktion mit vermehrtem Wachstum wieder auszugleichen, weshalb bei Menschen mit Hypothyreose oft eine Schilddr├╝senvergr├Â├čerung (Kropf, Struma) festgestellt wird.

Folgende Krankheitszeichen sind hinweisend f├╝r eine Hypothyreose:

  • M├╝digkeit (Fatigue) und Schw├Ąche
  • Antriebslosigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Verminderte k├Ârperliche und kognitive Leistungsf├Ąhigkeit
  • Depressive Verstimmungen, Traurigkeit
  • Gewichtszunahme (teils trotz ver├Ąnderter Ern├Ąhrungsgewohnheiten)
  • ├ťberm├Ą├čige K├Ąlteempfindlichkeit
  • Zyklusunregelm├Ą├čigkeiten und in weiterer Folge m├Âglicherweise herabgesetzte Fruchtbarkeit
  • Verstopfung (Obstipation)
  • K├╝hle, trockene und/oder teigige Haut
  • St├Ârungen des Nagelwachstums
  • Haarausfall (Effluvium)

Vor allem bei ├Ąlteren Patienten ist die Symptomatik oft unspezifisch und die Diagnose einer Hypothyreose erschwert.

Neugeborene mit einer Hypothyreose werden oft durch ein reduziertes Trinkverhalten, Verdauungsst├Ârrungen und geringere Bewegungsaktivit├Ąt auff├Ąllig. Eine Schilddr├╝senunterfunktion wirkt sich bei Kindern negativ auf die Entwicklung und das Wachstum aus, weshalb Kinder mit Hypothyreose eine verz├Âgerte geistige und k├Ârperliche Entwicklung zeigen k├Ânnen.

Diagnose

Um eine Schilddr├╝senerkrankung bzw. -funktionsst├Ârung zu diagnostizieren, werden nach einem ausf├╝hrlichen Gespr├Ąch inklusive Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) die Schilddr├╝senfunktion (├ťber-, Unter- oder Normalfunktion) via Blutuntersuchung bestimmt und die Schilddr├╝senstruktur (Morphologie) mittels Ultraschalls untersucht. Diese beiden Parameter korrelieren nicht zwingend und m├╝ssen immer in Kombination betrachtet werden, um schlussendlich zu einer Diagnose und in weiterer Folge ad├Ąquaten Therapie zu kommen.

Untersuchung der Schilddr├╝senfunktion

Die gesunde Funktion der Schilddr├╝se basiert auf folgendem Mechanismus: Die Schilddr├╝se sch├╝ttet die f├╝r den Stoffwechsel essenziellen freien Schilddr├╝senhormone Thyroxin (fT4) und eine geringe Menge an Triiodthyronin (fT3) aus, wobei fT3 auch au├čerhalb der Schilddr├╝se in verschiedensten Organen aus fT4 umgewandelt und dem K├Ârper bereitgestellt wird.

Hormone der Schilddr├╝se T3 und T4 Hormone der Schilddr├╝se T3 und T4 (Dr_Microbe / iStock)

Der Spiegel von fT4 und fT3 im Blut wird wiederum durch die Hirnanhangsdr├╝se (Hypophyse) im Gehirn reguliert, die TSH produziert. TSH gilt als empfindlichster Parameter im Hinblick auf eine m├Âgliche Schilddr├╝senfunktionsst├Ârung: Ein steigender TSH-Wert ist das erste Anzeichen einer Schilddr├╝senunterfunktion; ein sinkender TSH-Wert hingegen das erste Anzeichen einer Schilddr├╝sen├╝berfunktion. Die Hirnanhangsdr├╝se ├╝bernimmt dabei eine ├Ąhnliche Funktion wie der Thermostat einer Heizung: Sie erkennt bereits feinste Abweichungen der Schilddr├╝senhormone fT4 und fT3 und passt die Aussch├╝ttung von TSH dementsprechend an. Ist der Schilddr├╝senhormon-Spiegel im Blut zu niedrig, sch├╝ttet die Hirnanhangdr├╝se gr├Â├čere Mengen an TSH aus; ist der Schilddr├╝senhormonspiegel im Blut zu hoch, sorgt die Hirnanhangdr├╝se f├╝r einen Abfall des TSH. Kontinuierlich hohe TSH-Werte liefern dem Arzt demnach Hinweise auf eine Schilddr├╝senunterfunktion.

Die Untersuchung der Schilddr├╝senfunktion erfolgt mittels Blutabnahme. Bei dieser k├Ânnen au├čerdem Antik├Ârper, die sich gegen die Schilddr├╝se richten, untersucht werden.┬á

Babys werden nach der Geburt routinem├Ą├čig beim Neugeborenen-Screening auf das Vorliegen einer Hypothyreose untersucht. F├╝r diese Untersuchung werden dem Neugeborenen am dritten Tag nach der Geburt ein paar Blutstropfen aus dem Fu├č entnommen und analysiert.

Untersuchung der Schilddr├╝senstruktur (Morphologie)

Ultraschall

Auch die Struktur des Schilddr├╝sengewebes gibt Auskunft ├╝ber die Funktion bzw. den Zustand der Schilddr├╝se. Mittels einer Ultraschalluntersuchung k├Ânnen Gr├Â├če, Beschaffenheit und Vorliegen bzw. Grad einer entz├╝ndlichen Infiltration des Schilddr├╝sengewebes bestimmt werden.┬á

Schilddr├╝senszintigrafie

Eine weitere Untersuchungs- und Diagnosemethode ist die Schilddr├╝senszintigrafie. Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung wird dem Patienten entweder intraven├Âs oder oral ein leicht radioaktives Medikament verabreicht. Anschlie├čend muss der Patient etwa 20 Minuten warten, sodass sich das Medikament ÔÇô so wie nat├╝rlich vorkommendes Jod ÔÇô in der Schilddr├╝se anreichern kann. Dadurch l├Ąsst sich der regionale Stoffwechsel der Schilddr├╝se mittels Gammakamera erfassen. Das leicht radioaktive Medikament ist ungef├Ąhrlich; der Patient scheidet es innerhalb eines Tages wieder ├╝ber den Harn aus. Die Schilddr├╝senszintigrafie kommt bei der Schilddr├╝senunterfunktion zur Ursachenforschung und Abgrenzung zu anderen Erkrankungen zum Einsatz.

Therapie

In den seltenen F├Ąllen, in denen eine spezifische Ursache f├╝r eine Hypothyreose vorliegt, sollte diese, beispielsweise durch Absetzen urs├Ąchlicher Medikamente (Thyreostatika, Amiodaron) oder Ausgleich eines Jodmangels, behandelt werden.

Eine Hypothyreose kann normalerweise sehr gut mit einer Hormonersatztherapie behandelt werden. Behandlungsziel ist es, die Schilddr├╝senunterfunktion mittels Schilddr├╝senhormon in Form von Tabletten auszugleichen, sodass sich die dadurch bedingten Beschwerden zur├╝ckbilden. Das Schilddr├╝senhormon, das die Schilddr├╝se eigenst├Ąndig nicht mehr herstellen kann, wird demnach durch eine Hormontablette dauerhaft ersetzt (Hormonsubstitution). Die t├Ągliche Einnahme von Schilddr├╝senhormontabletten ist f├╝r Patienten mit Schilddr├╝senunterfunktion meist lebenslang notwendig. Regelm├Ą├čige Kontrollen und gegebenenfalls Anpassungen der Medikamentendosis ÔÇô vor allem in besonderen Lebensphasen wie bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit ÔÇô sind ├╝beraus wichtig.

Die Behandlung wird mit einer niedrigen Dosierung begonnen und langsam gesteigert bis die angestrebte Wirkungsdosis erzielt ist.

Auch bei Neugeborenen und Kindern mit angeborener Hypothyreose ist eine rechtzeitige Behandlung mit Schilddr├╝senhormonen wichtig, um m├Âgliche Entwicklungsst├Ârrungen zu verhindern und eine gesunde Entwicklung zu erm├Âglichen.

Prognose

Eine Hypothyreose hat in den meisten F├Ąllen eine gute Prognose, da sie mit Hormonpr├Ąparaten suffizient behandelt werden kann. Bestehende Symptome wie M├╝digkeit und Leistungsverminderung bilden sich unter einer Substitution meist zur├╝ck.

Neugeborene mit Hypothyreose haben, wenn die Krankheit fr├╝hzeitig erkannt und therapiert wird, gute Chancen auf eine normale Entwicklung. Wird die Hypothyreose jedoch zu sp├Ąt erkannt, k├Ânnen Wachstums- und Entwicklungsst├Ârungen nicht mehr r├╝ckg├Ąngig gemacht werden.

Vorbeugen

In den meisten F├Ąllen wird eine Hypothyreose durch eine Hashimoto-Thyreodits verursacht, gegen deren Autoimmunreaktion keine vorbeugenden Ma├čnahmen bestehen.

Eine durch Jodmangel entstandene Hypothyreose kann durch eine ausreichende Jodaufnahme verhindert werden. Im deutschsprachigen Raum wird Jod herk├Âmmlichen Speisesalz beigemengt, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.

Bei Hinweisen auf eine Hypothyreose sollte ├Ąrztlichen Vorstellung und Kontrolle erfolgen.

Quellenangaben

  • Herold, G. (2023). Innere Medizin. Gerd Herold Verlag. K├Âln.

Redaktionelle Grunds├Ątze

Alle f├╝r den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr├╝ften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit├Ąten). Dabei legen wir gro├čen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinit├Ąt zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Dr. med. univ. Bernhard Peuker, MSc

Dr. med. univ. Bernhard Peuker, MSc
Lektor

Bernhard Peuker ist Lektor sowie Medical Advisor bei Medikamio und arbeitet als Arzt in Wien. Bei der Arbeit l├Ąsst er sein klinisches Wissen, praktischen Erfahrungen und wissenschaftliche Leidenschaft einflie├čen.

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