Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

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Internationale Klassifikation (ICD) E03.9

Grundlagen

Bei einer Hypothyreose kommt es zu einer verminderten oder ganz eingeschränkten Hormonproduktion der Schilddrüse. Dadurch entsteht ein Mangel an Schilddrüsenhormonen, die der Körper zur Aufrechterhaltung seiner Stoffwechselprozesse benötigt. Als Folge einer Schilddrüsenunterfunktion kommt es zu einer Einschränkung des Stoffwechsels, weswegen sich die Patienten oft sehr kraftlos und müde fühlen. Weiters kann eine Hypothyreose bei Kindern zu Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörrungen führen.

Bei der Hypothyreose ist die angeborene Form von der erworbenen abzugrenzen. Insgesamt ist ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung von dieser Erkrankung betroffen. Bei ungefähr jedem 5000. Neugeborenen ist eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion festzustellen.

Die Aufgabe der Schilddrüse ist vor allem die Produktion der Schilddrüsenhormone (Thyroxin, Trijodthyronin), die einen großen Einfluss auf den menschlichen Stoffwechsel haben. Die Schilddrüse befindet sich an der Vorderseite des Halses unter dem Kehlkopf, wo man sie tasten kann. 

Da Jod ein fixer Bestandteil der Schilddrüsenhormone ist und der Körper dieses nicht selber produzieren kann, ist die Schilddrüse von der täglichen Jodzufuhr abhängig. Weiters wird die Hormonproduktion von einem Hormon namens TSH aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) des Gehirns kontrolliert. So führt ein Abfall von Thyroxin und Trijodthyronin zu einem Anstieg des Hypophysenhormons TSH, das wiederum die Schilddrüse zu einer gesteigerten Hormonproduktion ankurbelt.

Ursachen

Chronische Entzündung

Eine häufige Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist die so genannte Hashimoto-Thyreoditis. Diese Erkrankung der Schilddrüse ist durch eine Autoimmunreaktion bedingt, bei der aus noch unerklärlichen Gründen Antikörper gegen Oberflächenrezeptoren der Schilddrüsenzellen gebildet werden. Durch diese Antikörper wird eine chronische Entzündung ausgelöst, wodurch die Schilddrüse geschädigt wird und ihre Fähigkeit zur Hormonproduktion eingeschränkt wird.

Therapiefolge

Bei der Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann es in manchen Fällen durch übermäßige Einschränkung der Hormonproduktion zu einer Hypothyreose kommen. So kann durch eine Radiojodtherapie oder durch eine Bestrahlung zuviel Schilddrüsengewebe zerstört werden, was zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen kann. Auch eine Behandlung mit Medikamenten, welche die Hormonproduktion bei einer Schilddrüsenüberfunktion einschränken sollen (=Thyreostatika), kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

Des Weiteren kann es nach Schilddrüsenoperationen, bei denen Gewebe oder sogar das gesamte Organ entnommen wird, zu einer Hypothyreose kommen.

Gestörte Regulation

Für die Produktion der Schilddrüsenhormone muss die Schilddrüse ausreichend mit Jod versorgt werden. Hat die Schilddrüse zu wenig Jod zu Verfügung kann eine Unterfunktion entstehen. Die Hormonproduktion der Schilddrüse unterliegt dem Einfluss gewisser Gehirnstrukturen, nämlich des Hypothalamus und der Hypophyse. Kommt es zu einer Schädigung dieser beiden Areale, kann dies in weiterer Folge ebenfalls zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

So entwickelt sich gelegentlich eine Hypothyreose, wenn die Hypophyse geschädigt ist und zu wenig TSH produziert. Dies ist ein Hormon, das die Syntheseleistung der Schilddrüse ankurbelt.

Auch die angeborene Form der Schilddrüsenunterfunktion hat verschiedene Ursachen, wie Fehler in der Organentwicklung, eine Hypothyreose der Mutter während der Schwangerschaft oder mangelhafte Hormonproduktion.

Symptome

Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen wirkt sich auf die meisten Organe des menschlichen Körpers aus. Im Allgemeinen fühlen sich Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion kraftlos und müde, sind sehr empfindlich gegenüber Kälte und haben Verdauungsprobleme. Die Schilddrüse versucht die verminderte Hormonproduktion mit vermehrtem Wachstum wieder auszugleichen, weshalb man bei Menschen mit Hypothyreose oft eine Schilddrüsenvergrößerung (Kropf, Struma) feststellen kann. Folgende Krankheitszeichen sind hinweisend für eine Hypothyreose:

• Antriebslosigkeit

• Zunahme des Körpergewichts

• Verringertes Hungergefühl

• ausgetrocknete und kalte Haut

• tiefe, raue Stimme

• Größenzunahme des Herzens und ein verlangsamter Puls

• Unregelmäßigkeiten des weiblichen Zyklus

• Ausgedünntes, borstiges Haar

• Zunahme der Cholesterinwerte im Blut

Vor allem bei älteren Patienten ist die Symptomatik oft nur auf unspezifische Symptome, wie depressive Stimmungslage, Müdigkeit und erhöhter Kälteempfindlichkeit, beschränkt. Das kann öfters dazu führen, dass diese Symptome dem Alter entsprechend eingestuft werden und eine Hypothyreose nicht diagnostiziert wird.

Neugeborene, die mit einer Hypothyreose auf die Welt kommen, werden oft durch ein reduziertes Trinkverhalten, Verdauungsstörrungen und geringere Bewegungsaktivität auffällig. Eine Schilddrüsenunterfunktion wirkt sich bei Kindern negativ auf die Entwicklung und das Wachstum aus, weshalb Kinder mit Hypothyreose geistig und körperlich zurückentwickelt sein können.

Diagnose

Für die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion wird dem Patienten normalerweise Blut abgenommen und die Hormonspiegel der Schilddrüsenhormone (TSH, fT3, fT4) bestimmt. Bei einer Hypothyreose sind die Schilddrüsenhormonwerte meistens vermindert.

Zusätzlich gibt es noch weitere Untersuchungsmethoden um eine Schilddrüsenunterfunktion abzuklären: So kann man die Schilddrüse mittels Ultraschallgerät sehr gut auf deren Größe und Aufbau untersuchen. Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung kann man auch kleine Gewebeentnahmen durchführen.

Eine weitere Untersuchungsmethode ist die Szintigrafie, bei der dem Patienten radioaktives Kontrastmittel verabreicht wird, dessen Anreicherung mit speziellen bildgebenden Verfahren dargestellt werden kann.

Bei Verdacht auf eine Hashimoto-Thyreoditis ist eine Untersuchung auf spezifische Antikörper, die für diese entzündliche Erkrankung der Schilddrüse typisch sind, sinnvoll. TPO-AK (Thyreoperoxidase Antikörper), MAK (Mikrosomale Antikörper) sowie TG-AK (Thyreoglobulin Antikörper) sind dabei relevant.

Babys werden nach der Geburt routinemäßig beim Neugeborenen-Screening auf das Vorliegen einer Hypothyreose untersucht. Für diese Untersuchung werden dem Neugeborenen am dritten Tag nach der Geburt ein paar Blutstropfen aus dem Fuß entnommen und analysiert.

Therapie

Eine Hypothyreose kann normalerweise sehr gut mit einer Hormonersatztherapie behandelt werden. Das bedeutet, dass sich die Patienten einer lebenslangen Therapie mit synthetisch hergestellten Hormonen unterziehen müssen mit Präparaten wie Euthyrox zum Beispiel.

Die Behandlung wird mit einer niedrigen Dosierung begonnen und langsam gesteigert bis die angestrebte Wirkungsdosis erzielt ist. Wichtig ist es, die Hormonpräparate in der Früh vor dem Frühstück einzunehmen, um die Aufnahme zu verbessern. Nach erfolgreicher Therapieeinstellung wird die laufende Behandlung im Normalfall einmal pro Jahr mittels Blutuntersuchung kontrolliert.

Auch bei Neugeborenen und Kindern mit angeborener Hypothyreose ist eine rechtzeitige Behandlung mit Schilddrüsenhormonen sehr wichtig, weil dadurch mögliche Entwicklungsstörrungen verhindert werden und sich die Kinder gesund entwickeln können. Leider können bereits bestehende Schäden einer Schilddrüsenunterfunktion üblicherweise nicht mehr durch eine Hormontherapie aufgehoben werden.

Prognose

Eine Hypothyreose hat in den meisten Fällen eine gute Prognose, da sie gut mit Hormonpräparaten behandelt werden kann. Wenn die Betroffen auf eine regelmäßige und gewissenhafte Einnahme ihrer Medikamente achten, haben sie normalerweise keine Probleme mit ihrer Erkrankung. Auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit und Leistungsverminderung treten unter eine Behandlung kaum auf, die Patienten haben also Aufsicht auf ein gesundes, normales Leben. Ist eine Frau wegen einer Schilddrüsenunterfunktion unfruchtbar, kann dieses Problem meistens durch eine Therapie behoben und eine Schwangerschaft ermöglicht werden.

Besteht eine Schilddrüsenunterfunktion jedoch über mehrere Jahre, kann sich wegen zu hoher Cholesterinwerte eine Atherosklerose entwickeln, die in weiterer Folge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zeugungsunfähigkeit führen kann.

Neugeborene mit Hypothyreose haben, wenn die Krankheit frühzeitig erkannt und therapiert wird, gute Chancen auf eine normale Entwicklung. Wird die Hypothyreose jedoch zu spät erkannt, können Wachstums- und Entwicklungsstörungen nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Vorbeugen

In den meisten Fällen wird eine Hypothyreose durch eine Hashimoto-Thyreodits verursacht, bei der die Schilddrüse infolge einer Autoimmunreaktion geschädigt wird. Leider kann man gegen diese Form der Schilddrüsenunterfunktion keine vorbeugenden Maßnahmen setzen.

Im Gegensatz dazu lässt sich eine durch Jodmangel entstandene Hypothyreose durch eine ausreichende Jodaufnahme verhindern. Im deutschsprachigen Raum wird zwar Jod herkömmlichen Speisesalz beigemengt, zusätzlich sollte man aber jodhaltige Nahrungsmittel, wie Seefisch, zu sich nehmen.

Bei Hinweisen auf eine Hypothyreose ist es sehr ratsam, sich möglichst bald einer ärztlichen Kontrolle zu unterziehen, um eine Krankheit feststellen beziehungsweise ausschließen zu können. Außerdem kann eine möglichst früh durchgeführte Hormonersatztherapie den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.

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