Verstopfung (Obstipation)

Verstopfung (Obstipation)
Internationale Klassifikation (ICD) K59.-
Symptome Bl√§hungen, V√∂llegef√ľhl, Unwohlsein, Schmerzen beim Stuhlgang
Mögliche Ursachen ungesunde Lebensweise, Bewegungsmangel, Reizdarmsyndrom
Mögliche Risikofaktoren ballaststoffarme Ernährung

Grundlagen

Unter Obstipation (Verstopfung, Darmträgheit) versteht man keine Krankheit im klassischen Sinne, sondern lediglich das Symptom einer Krankheit. Die normale Stuhlfrequenz ist von Person zu Person unterschiedlich und bewegt sich im Rahmen von dreimal täglich bis hin zu dreimal wöchentlich. Tritt der Stuhlgang jedoch weniger als dreimal pro Woche auf und kommen noch weitere Symptome hinzu wie starkes Pressen, um Kot auszuscheiden, kann man von Verstopfungen ausgehen. In diesem Fall ist der Stuhl von der Konsistenz meist hart und die Darmentleerung fällt zunehmend schwer.

Meistens stellt Darmträgheit keine Bedrohung dar. In den meisten Fällen kann man davon ausgehen, dass es sich um eine habituelle Obstipation handelt (hervorgerufen zum Beispiel durch ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel, Stress), oder dass der Betroffene unter einem Reizdarmsyndrom leidet. Ab und zu kann es jedoch auch vorkommen, dass hinter der Darmträgheit eine andere Krankheit als Ursache steckt (beispielsweise Multiple Sklerose, Diabetes, Schlaganfall).

Verstopfungen sind in der Bev√∂lkerung h√§ufig anzutreffen. In der Gruppe der √ľber 60-J√§hrigen leiden etwa 20 bis 30 Prozent an Problemen beim Stuhlgang. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen, wobei Frauen etwa doppelt so oft betroffen sind wie M√§nner.

Ursachen

Die Ursachen f√ľr Verstopfungen k√∂nnen stark variieren. Meistens ist jedoch eine ungesunde Lebensweise (chronisch habituelle Obstipation) mit einer ballaststoffarmen Ern√§hrung und Bewegungsmangel Grund f√ľr die Beschwerden. Gelegentlich kann auch ein Reizdarmsyndrom als Ursache vorliegen.

  • Chronisch habituelle Verstopfung:

Die meisten Betroffenen leiden an dieser Form der Verstopfung. In den Industrienationen tritt die chronisch habituelle Verstopfung mit 10-prozentiger H√§ufigkeit in der Bev√∂lkerung auf. Die Funktion des Darms ist infolge von zu geringer Fl√ľssigkeitszufuhr in Kombination mit einer ballaststoffarmen Ern√§hrungsweise, Bewegungsmangel und einer Unterdr√ľckung des Stuhlreizes (oft aus Zeitmangel), gest√∂rt.

  • Reizdarmsyndrom:

Bei Menschen, die unter Reizdarmsyndrom leiden, wechseln sich Verstopfungsphasen mit Durchfall ab.

  • Vor√ľbergehende oder situative Verstopfung:

Kann in bestimmten Situationen auftreten, wie zum Beispiel bei Erkrankungen mit Fieber, Bettlägerigkeit, Umstellung der Ernährung während Reisen, Schichtarbeit

  • Verstopfungen, ausgel√∂st durch Medikamenteneinnahme:

Zu diesen Medikamenten zählen: Kalzium- und Aluminiumhaltige Mittel gegen Sodbrennen, Antidepressiva, Anticholinergika (gegen Inkontinenz), Psychopharmaka, Mittel gegen Parkinson, Opiate (in Schmerzmitteln), Codein, Bluthochdruck- Medikamente 

  • Elektrolytst√∂rungen:

Beispielsweise Kaliummangel (kann oft vorkommen infolge von h√§ufigem Gebrauch von Abf√ľhrmitteln), Kalzium√ľberschuss

  • Verstopfungen durch organische Darmerkrankungen:

z.B.: Darmausst√ľlpungen (Divertikel), entz√ľndete Darmausst√ľlpungen (Divertikulitis), Darmpolypen, Analfissuren- und Abszesse, schmerzhafte H√§morrhoiden, Morbus Crohn, Darmkrebs

  • Verstopfungen, bedingt durch Nervenst√∂rungen:

Bei Diabetes, Parkinson, Multipler Sklerose

  • Verstopfung durch Hormonst√∂rungen:¬†

z.B.: Schilddr√ľsenunterfunktion (Hypothyreose), Diabetes, Schwangerschaft

Symptome

Die Symptome der Verstopfung k√∂nnen sich vielseitig √§u√üern. Meistens leiden die Betroffenen in der Anfangsphase unter V√∂llegef√ľhl und Unwohlsein im Allgemeinen. Mitunter kann auch der Bauch aufgebl√§ht sein. Die Darmentleerung verl√§uft meist schwierig und schmerzhaft und hinterher √§u√üert sich oft das Gef√ľhl, dass der Darm nicht vollst√§ndig entleert wurde.

Hinzu kommt noch, dass weitere Missempfindungen wie Kopfschmerzen, M√ľdigkeit, Abgeschlagenheit, Druckgef√ľhl oder Appetitlosigkeit auftreten k√∂nnen.

Diagnose

Am Anfang der Diagnose steht eine ausf√ľhrliche Befragung des Patienten nach Beschwerden, Lebensgewohnheiten und Krankengeschichte (Anamnese). Folgende Informationen sind besonders wichtig, um auf die Ursache der Beschwerden zu schlie√üen:

  • H√§ufigkeit des Stuhlgangs
  • Beschaffenheit des Stuhls (Farbe, Konsistenz)
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Wann die Probleme beim Stuhlgang das erste Mal aufgetreten sind
  • Einnahme von Medikamenten, die zu Stuhlbeschwerden f√ľhren k√∂nnen (Mittel gegen Sodbrennen, Antidepressiva, opiathaltige Schmerzmittel)

Kommt es zu akuten Verstopfungen, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl, muss die Ursache umgehend vom Arzt abgeklärt werden. Mithilfe von ärztlichen Untersuchungen, lässt sich herausfinden, ob eine Erkrankung als Ursache hinter der Verstopfung steckt.

  • Tastuntersuchung des Bauchs und Rektum
  • Blutuntersuchung mit Untersuchung der Elektrolyt-Werte (besonders Kalium), TSH, Test auf okkultes Blut (nicht sichtbares Blut)
  • ¬†Ultraschalluntersuchung des Bauchs, sowie Darmspiegelung (Koloskopie)

Therapie

Die Therapie richtet sich je nach Ursache. Ist etwa eine Erkrankung wie Divertikulitis, Morbus Crohn oder H√§morrhoiden Ausl√∂ser f√ľr die Verstopfung, muss in erster Linie die Krankheit behandelt werden. Geht die Darmtr√§gheit auf die Einnahme bestimmte Medikamente zur√ľck, sollte eine Dosis√§nderung oder ein Wechsel des Pr√§parats in Erw√§gung gezogen werden.

Die chronisch funktionelle Obstipation, die am häufigsten vorkommt, wird mithilfe eines Stufenplans behandelt:

Aufklärung und allgemeine Maßnahmen

Als erstes sollte man sich vor Augen f√ľhren, dass jeder Mensch eine andere Stuhlfrequenz hat. Um Darmtr√§gheit zu vermeiden, kann man oft schon zu einfachen und hilfreichen Tricks greifen, die jedoch konsequent umgesetzt werden sollten:

  • Eine ballaststoffreiche Ern√§hrung und 1,5 bis 3 Liter Fl√ľssigkeit pro Tag k√∂nnen Darmtr√§gheit entgegenwirken
  • Regelm√§√üige Bewegung
  • Der Stuhlgang sollte nicht aus Zeitmangel unterdr√ľckt werden
  • Eine Bauchmassage am Morgen vor dem Aufstehen kann hilfreich sein. Dabei wird die Bauchdecke etwa 10 Minuten entlang des Dickdarmverlaufs massiert
  • Ein Glas Wasser oder Fruchtsaft auf leeren Magen kann den Stuhldrang ausl√∂sen

Ballaststoffe (F√ľll- und Quellmittel)

Erzielen die allgemeinen Ma√ünahmen keinen Erfolg, k√∂nnen Ballaststoffe (Leinsamen, Flohsamen, Kleie) mitunter hilfreich sein. Diese wirken regulierend auf den Stuhlgang, insofern sie regelm√§√üig eingenommen werden, ohne dabei eine abf√ľhrende Wirkung zu haben.

Ballaststoffe quellen und saugen dabei Wasser auf, wodurch der Speisebrei an Volumen zunimmt. Durch diese Volumenzunahme, wird Druck auf die Darmwand ausge√ľbt, wodurch die Darmt√§tigkeit aktiviert wird.

Da Ballaststoffe jedoch in Fl√ľssigkeit quellen m√ľssen, ist eine ausreichende Wasserzufuhr von etwa 2,5 Liter pro Tag wichtig. Da sich der Darm erst an eine ballaststoffreiche Ern√§hrungsweise gew√∂hnen muss, k√∂nnen in der ersten Zeit nach der Umstellung Bl√§hungen auftreten.

Leidet der Betroffene ausschließlich an einer milden Form der chronischen Darmträgheit, können Quellmittel oft als alleinige Therapie eingesetzt werden.

Osmotische Abf√ľhrmittel & lokale Wirkstoffe

Der Sinn dieser Abf√ľhrmittel ist, Wasser aus dem K√∂rper in den Darm zu ziehen und somit den Stuhl zu erweichen:

Macrogol (Polyethylenglykol= PEG) ist ein Laxans, das sanft in seiner Wirkungsweise ist. In Pulverform vorkommend, wird es in Wasser aufgelöst und getrunken. Mitunter können als Begleiterscheinungen Bauchschmerzen und Blähungen auftreten.

Verstopfungen k√∂nnen auch durch Milchzucker (Lactose) und die synthetischen Formen Lactulose und Lactitol ausgel√∂st werden. √Ąhnlich wie Macrogol k√∂nnen sie zu Bl√§hungen und Bauchschmerzen f√ľhren. Kommt es zu einer dauerhaften Anwendung, kann die abf√ľhrende Wirkung nachlassen.

Andere osmotische Abf√ľhrmittel wie Glaubersalz (Natriumsulfat) und Bittersalz (Magnesiumsulfat) sind zu vermeiden, da sie sehr radikal auf die Darmentleerung wirken und der K√∂rper dadurch viele N√§hr- und Mineralstoffe verliert. Aus diesem Grund finden sie haupts√§chlich zur Reinigung vor Darmuntersuchungen oder ‚Äď Operationen oder zur Ausscheidung von Giften Verwendung.

Lokale Wirkstoffe, zu denen Zäpfchen und kleine Klistiere (d.h. Einlauf) zählen, werden hauptsächlich dann angewendet, wenn der Stuhlgang aufgrund von harten Kotballen im Enddarm erschwert ist. Ihr Inhaltsstoff ist oft Glyzerin, das ähnlich einem Schmiermittel den Stuhl aufweicht. Bei empfindlichen Menschen kann es infolge der Anwendung zu Reizungen der Schleimhaut kommen.

Neben Glyzerin kam fr√ľher auch h√§ufig Paraffin als Gleitmittel zum Einsatz, das heutzutage jedoch keine Anwendung mehr findet, da es bei einer √úberdosis zu Stuhlinkontinenz und Hautsch√§den im Analbereich kommen kann. Au√üerdem kann sich Paraffin nach l√§ngerem Gebrauch im K√∂rper ablagern.

Darmstimulierende Abf√ľhrmittel¬†

Diese Abf√ľhrmittel reizen die Darmw√§nde und f√ľhren zu einer Verst√§rkung der Bewegungen, sodass infolge ein Weitertransport des Speisebreis schneller erfolgt und die Verstopfung gelindert wird. Ein weiteres Ziel ist die Abgabe von Fl√ľssigkeit und Mineralsalzen (Elektrolyten) in das Darminnere zu erh√∂hen.

Zu dieser Gruppe von Abf√ľhrmitteln rechnet man die synthetisch hergestellten Wirkstoffe Biscodyl und Natriumpicosulfat und die pflanzlichen Stoffe aus Sennesbl√§ttern, Faulbaumrinde oder Aloe, die in Form von Tee oder Fr√ľchtew√ľrfeln eingenommen werden k√∂nnen.

Abf√ľhrmittel, die den Darm reizen, sollten √ľber eine m√∂glichst kurze Dauer eingenommen werden, da es zu einem Wasser- und Elektrolytmangel kommen kann und nicht selten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten k√∂nnen.

Generell gilt die Regel, dass man Abf√ľhrmittel nur solange es n√∂tig ist einnehmen sollte, da es sonst leicht zu einem Teufelskreis ‚ÄěVerstopfung-Abf√ľhrmittel-Verstopfung‚Äú kommen kann. Bei einer l√§ngeren Einnahme bzw. erh√∂hter Dosis von sogenannten Anthrachinonen , also Abf√ľhrmittel mit pflanzlichen Inhaltsstoffen (in Faulbaumrinde, Aloe, Sennesbl√§ttern), Diphenole, Gallens√§ure und Rizinus√∂l k√∂nnen dem K√∂rper viel Wasser und Mineralsalze verlorengehen. Dadurch wird der Darm noch tr√§ger und es kommt zu einer Gew√∂hnung an diese Laxantien.

Treten jedoch schwere chronische Beschwerden (wie etwa Mukoviszidose, Darml√§hmung, Divertikel, H√§morrhoiden) auf, kommt man mitunter nicht ohne eine langfristige Einnahme aus. Hier sollten jedoch Pausen eingeplant werden, in denen keine Einnahme erfolgt und wo √ľberpr√ľft wird, ob die Verstopfung immer noch besteht.

Prognose

In den meisten Fällen sind die Prognosen bei Verstopfungen gut, da oft nur Stress, Bewegungsmangel und/oder falsche Ernährung (zum Beispiel zu viel Weißbrot) hinter der Darmträgheit stecken, und keine organische Ursache vorliegt. Mit entsprechenden Gegenmaßnahmen kann daher der Darm in Schwund gebracht werden.

Kommt es jedoch zu Verstopfungen, die √ľber einen l√§ngeren Zeitraum andauern, k√∂nnen folgende Ursachen Grund f√ľr die Beschwerden sein:

  • H√§morrhoiden
  • Analfissuren
  • Divertikel (Ausst√ľlpungen der Darmwand) mit nachfolgender Divertikelentz√ľndung (Divertikulitis)
  • Eventuell Darmkrebs

Vorbeugen

Um einer Verstopfung von Anfang an vorzubeugen, gen√ľgt es, einige Ratschl√§ge zu beherzigen:

  • Ballaststoffreiche Ern√§hrung (Vollkornprodukte, rohes Gem√ľse, frisches Obst mit Schale)
  • Bewegung in allen Formen (angefangen bei regelm√§√üigen Spazierg√§ngen bis hin zu Sport)
  • Gen√ľgend trinken
  • Ausreichend Zeit zum Entspannen
  • Stuhlgang nicht unterdr√ľcken
  • Ausreichend Zeit f√ľr den Toilettengang. Hierbei kann eine regelm√§√üige Uhrzeit helfen, die antrainiert werden kann.

Redaktionelle Grundsätze

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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