Colchicin

Colchicin

Grundlagen

Colchicin ist ein Medikament zur Behandlung von Gicht, Morbus Behçet, die Behandlung von Perikarditis und familiÀrem Mittelmeerfieber. Bei der Behandlung der Gicht ist es NSAR oder Steroiden weniger vorzuziehen. Es wird aus einer Pflanze aus der Familie der LiliengewÀchse gewonnen, die als Colchicum autumnale oder Herbstkrokus bekannt ist. Colchicin wird oral eingenommen. 

In Form des Herbstkrokus wurde der Stoff bereits 1500 v. Chr. zur Behandlung von Gelenkschwellungen verwendet. Colchicin wurde erstmals 1820 von den französischen Chemikern Pelletier und Caventou isoliert. Im Jahr 1833 gelang es dem deutschen Chemiker Philipp Lorenz Geiger den Wirkstoff in Reinform zu isolieren, welchen er in der Folge Colchicin nannte. Das Mittel wurde 1961 erstmals offiziell von der FDA zugelassen. Die Wirksamkeit des Stoffes konnte jedoch erst in den frĂŒhen 2000er Jahren, als der Stoff in klinischen Studien erneut ĂŒberprĂŒft wurde, wirklich bewiesen werden. Darauf folgte eine Neuzulassung und Patentierung des Stoffes durch die Firma URL-Pharma.

Medikamente mit Colchicin

Medikament Wirkstoff(e) Zulassungsinhaber
Colchysat BĂŒrger Colchicin Johannes BĂŒrger Ysatfabrik Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung
Colchicin Ysat 0,5 mg Tabletten Colchicin Tiofarma B.V.
Colchicum-Dispert Colchicin Johannes BĂŒrger Ysatfabrik Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung
Colchicin Ysat 1 mg Tabletten Colchicin Tiofarma B.V.

Wirkung

Pharmakodynamik

Der exakte Wirkmechanismus von Colchicin ist noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt, er erfolgt jedoch wahrscheinlich ĂŒber die nachgeschaltete Hemmung von EntzĂŒndungsreaktionen, die durch die Unterbrechung des Strukturproteins Tubulin verursacht wird. Es wird vermutet, dass Colchicin eine Unterbrechung des Inflammasom-Komplexes verursacht, der sowohl in Monozyten als auch in Neutrophilen vorhanden ist, was normalerweise zur Aktivierung von Interleukin-1, einem wichtigen EntzĂŒndungsmediator, fĂŒhrt. ZusĂ€tzlich zu den oben genannten Wirkungen greift Colchicin in verschiedene Signalwege ein, darunter die AdhĂ€sion und Rekrutierung von Neutrophilen, die Superoxidproduktion, den RhoA/Rho-Effektor-Kinase (ROCK)-Signalweg sowie den Nuklearfaktor-ÎșΒ (NF-ÎșΒ)-Signalweg, wodurch die EntzĂŒndungsreaktion abgeschwĂ€cht wird.
Auf molekularer Ebene kann Colchicin als antimitotisches Medikament beschrieben werden, das die mitotische AktivitÀt von Zellen in der Metaphase des Zellzyklus blockiert. Konkret bindet Colchicin an Tubulin und bildet Komplexe, die sich an Mikrotubuli binden. Dadurch wird deren Dehnung gestoppt. Bei niedrigen Konzentrationen stoppt Colchicin das Wachstum der Mikrotubuli, bei höheren Konzentrationen bewirkt Colchicin die Depolymerisation der Mikrotubuli und somit die Zerstörung der Zelle.

Pharmakokinetik

Colchicin wird nach oraler Verabreichung rasch aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die BioverfĂŒgbarkeit von Colchicin betrĂ€gt etwa 45 %. Die Plasmaproteinbindung fĂŒr Colchicin ist mit 39 % realtiv gering, wobei der Hauptanteil an das Plamsaprotein Albumin gebunden vorliegt. Colchicin wird in der Leber verstoffwechselt und mittels Demethylierung in die beiden Hauptmetaboliten 2-O-Demethylcolchicin and 3-O-Demethylcolchicin umgewandelt. Daran ist hauptsĂ€chlich das Enzym CYP3A4 beteiligt. Zwischen 40 - und 65% der gegebenen Dosis werden unverĂ€ndert mit dem Urin ausgeschieden. Ein Anteil wird ebenfalls biliĂ€r ausgeschieden. Die durchschnittliche Eliminationshalbwertszeit von Colchicin liegt zwischen 26 und 31 Stunden.

Wechselwirkungen

Aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite und der Metabolisierung durch das Enzym CYP3A4 ist das Potenzial fĂŒr Wechselwirkungen bei Colchicin relativ groß. Colchicin interagiert ebenfalls mit dem P-Glykoprotein-Transporter. Tödliche Arzneimittelwechselwirkungen sind aufgetreten, wenn Colchicin zusammen mit anderen Arzneimitteln eingenommen wurde, die P-Glykoprotein und CYP3A4 hemmen, wie z. B. Erythromycin oder Clarithromycin.

Personen, die Makrolid-Antibiotika, Ketoconazol oder Cyclosporin einnehmen, oder Personen, die an einer Leber- oder Nierenerkrankung leiden, sollten Colchicin nicht einnehmen, da diese Arzneimittel und Erkrankungen den Colchicin-Stoffwechsel beeintrÀchtigen und den Blutspiegel erhöhen können. Menschen mit HIV/AIDS, die Atazanavir, Darunavir, Fosamprenavir, Indinavir, Lopinavir, Nelfinavir, Ritonavir oder Saquinavir einnehmen, sind einem stark erhöhten Nebenwirkungsrisiko ausgesetzt. Grapefruitsaft und Statine können ebenfalls die Colchicin-Konzentration im Blut erhöhen.

ToxizitÀt

Nebenwirkungen

Eine Überdosierung von Colchicin kann zu schweren Nebenwirkungen und zu Tod fĂŒhren. 

Zu den typischen Nebenwirkungen moderater Dosen gehören:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Durchfall
  • Neutropenie

Hohe Dosen können auch das Knochenmark schĂ€digen, zu AnĂ€mie fĂŒhren und Haarausfall verursachen. Alle diese Nebenwirkungen können auf die Hemmung der Mitose zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Es kann auch neuromuskulĂ€ren ToxizitĂ€tserscheinungen und Rhabdomyolyse kommen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die langfristige (prophylaktische) Einnahme von oralem Colchicin ist bei Menschen mit fortgeschrittenem Nierenversagen (einschließlich Dialysepatienten) absolut kontraindiziert. Außerdem sollte Colchicin nicht bei Patentein mit hĂ€matologischen Erkrankungen, Neutropenie und schweren Lebererkrankungen eingesetzt werden.

Ob Colchicin wÀhrend der Schwangerschaft sicher ist, ist unklar, aber die Anwendung wÀhrend der Stillzeit scheint sicher zu sein. Eine Anwendung in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code M04AC01
Summenformel C22H25NO6
Molare Masse (g·mol−1) 399,43
Aggregatzustand fest
Schmelzpunkt (°C) 155–157
PKS Wert 1.85
CAS-Nummer 64-86-8
PUB-Nummer 6167
Drugbank ID DB01394

Redaktionelle GrundsÀtze

Alle fĂŒr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprĂŒften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter UniversitĂ€ten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Markus FalkenstÀtter, BSc

Markus FalkenstÀtter, BSc
Autor

Markus FalkenstÀtter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der UniversitÀt Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der UniversitÀt Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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