Vinblastin

Vinblastin

Grundlagen

Vinblastin ist ein Chemotherapeutikum aus der Gruppe der Vinca-Alkaloide. Es ist das bekannteste Medikament aus der Wirkstoffgruppe und kommt natĂŒrlicherweise in der rosafarbenen Catharanthe vor. Eingesetzt wird es unter anderem bei Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen, HaarzellleukĂ€mie, Histiozytose und fortgeschrittenem Brust- oder Hodenkrebs.

Wirkung

Pharmakodynamik
Der Mitosehemmstoff wirkt durch die Bindung und Zerstörung von Tubulin. Dadurch wird die Bildung Ausbildung der Mikrotubuli in der Metaphase gestört und es kommt es zu einem Stillstand der Zellteilung (Mitose) und der zytostatischen Wirkung.

Pharmakokinetik
Im Blut bindet das Zytostatikum mit 13,5 % nur schwach an Proteine, mit 78 % liegt der grĂ¶ĂŸte Anteil an BlutplĂ€ttchen gebunden vor. Weiterhin reichert es sich im Lungengewebe an, hier können bis zu 300-mal höhere Konzentrationen als im Blutplasma erreicht werden. Vinblastin wird in der Leber ĂŒber Cytochrom P450-Enzyme metabolisiert, die Halbwertszeit liegt bei 24,8 Stunden. Die
Ausscheidung erfolgt hauptsĂ€chlich ĂŒber die Galle und zu einem geringeren Anteil ĂŒber die Nieren.

Wechselwirkungen
Als Substrat von CYP3A4 werden Konzentration, Wirkung und Ausmaß der unerwĂŒnschten Effekte von Vinblastin durch Inhibitoren und Induktoren des Enzyms beeinflusst. Bei gleichzeitiger Gelbfieber-Impfung oder anderen attenuierten Lebendimpfungen kann es zu einer tödlich verlaufenden Impfkrankheit kommen.

ToxizitÀt

Nebenwirkungen
Wie bei vielen Chemotherapeutika kommt es sehr hĂ€ufig zu einer Knochenmarksdepression, MundschleimhautentzĂŒndung, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall und Anstieg der Leberwerte. Gelegentlich kann es zu Kreislaufproblemen kommen, selten treten Brustschmerz, Herzinfarkte oder LungenentzĂŒndungen auf. Charakteristisch fĂŒr Vinca-Alkaloide ist deren nervenschĂ€digende Wirkung, die unter anderem zu Reflexverlust, schweren Missempfindungen oder BeinschwĂ€che fĂŒhren kann.

Toxikologische Daten
Die maximale Gesamtdosis pro Gabe liegt bei 60 mg. In Tierexperimenten zeigte sich eine embryotoxische und teratogene Wirkung, weshalb eine Anwendung in der Schwangerschaft nicht erfolgt. Ebenso sollten MĂ€nner nach Behandlung mit Vinblastin bis zu 6 Monate nach Therapieende keine Kinder zeugen.

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code L01CA01
Summenformel C46H58N4O9
Molare Masse (g·mol−1) 810,97
Aggregatzustand fest
Dichte (g·cm−3) 1,4
Schmelzpunkt (°C) 267
PKS Wert 10,87; 8,86
CAS-Nummer 865-21-4
PUB-Nummer 241903
Drugbank ID DB00570

Redaktionelle GrundsÀtze

Alle fĂŒr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprĂŒften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter UniversitĂ€ten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Markus FalkenstÀtter, BSc

Markus FalkenstÀtter, BSc
Autor

Markus FalkenstÀtter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der UniversitÀt Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der UniversitÀt Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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