Erektile Dysfunktion

Erektile Dysfunktion
Internationale Klassifikation (ICD) F52.-
Symptome unzufriedenstellende Sexualit√§t, Stress und Angst beim Geschlechtsverkehr, Schamgef√ľhl, Beziehungsprobleme, Zeugungsunf√§higkeit, niedriges Selbstwertgef√ľhl, verminderte Erektionsf√§higkeit
Mögliche Ursachen Störungen der Sexualität
Mögliche Risikofaktoren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, Testosteronmangel, Multiple Sklerose, Parkinson, Adipositas, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, operative Eingriffe
Mögliche Therapien Medikamente, Vakuumpumpen, operativer Eingriff, Hormontherapie, Lebensstilmodifikation, Psychotherapie
Wirkstoffe Sildenafil , Tadalafil , Avanafil , Vardenafil

Grundlagen

Die Erektile Dysfunktion (Impotenz) bezeichnet das Unverm√∂gen, eine Erektion zu bekommen oder auch eine Erektion f√ľr einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu erhalten. Der medizinische Begriff Erektile Dysfunktion stammt dabei aus dem Lateinischen und setzt sich aus den W√∂rtern ‚Äěerigere‚ÄĚ (aufrichten), ‚Äědys‚ÄĚ (mangelnd) und ‚Äěfunctio‚ÄĚ (Funktion) zusammen.¬†

Sporadische Potenzst√∂rungen kommen jedoch √∂fter vor und sind meist nicht besorgniserregend ‚Äď sie k√∂nnen aufgrund von Beziehungsproblemen oder auch in stressigen Lebensphasen auftreten. L√§nger anhaltende Erektionsst√∂rungen sollten jedoch immer medizinisch abgekl√§rt werden, da sich auch k√∂rperliche Ursachen wie etwa Diabetes mellitus oder neurologische Erkrankungen hinter der Symptomatik verbergen k√∂nnen.

Häufigkeit

Die Erektile Dysfunktion (ED) ist weit verbreitet. Die H√§ufigkeit bei den 20- bis 30-j√§hrigen M√§nnern wird mit etwa 2 % angegeben. Bei den 60- bis 70-J√§hrigen sind dagegen schon etwa 50 % der M√§nner von der Problematik betroffen. Da viele Betroffene Hilfe ablehnen oder auch aufgrund von Schamgef√ľhl keinen Arzt aufsuchen, wird nur einer kleiner Teil der Erektilen Dysfunktionen tats√§chlich behandelt. Der Schweregrad der Impotenz schwankt individuell stark. Er reicht von Problemen, die nur ab und zu auftreten, bis hin zum kompletten und dauerhaften Verlust der Erektionsf√§higkeit.

Ursachen

Das Erreichen einer Erektion basiert auf hochkomplexen Abläufen im Gehirn und im Körper. Dabei sind Nerven, Hormone, Muskeln und auch Blutgefäße involviert. Auf jeder dieser Ebenen können Probleme auftreten, die das Erreichen oder auch das Aufrechterhalten einer Erektion erschweren beziehungsweise verhindern können. Physischer sowie psychischer Stress können sich ebenfalls negativ auf die Erektionsfähigkeit auswirken.

Körperliche UrsachenRisikofaktoren
Internistische Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie), Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus
Urologische ErkrankungenDiverse operative Eingriffe (z. B. nach Prostata-OP)
Hormonelle ErkrankungenTestosteronmangel
Neurologische Erkrankungen
Multiple Sklerose, Parkinson
Lifestyle-Faktoren
Rauchen, √úbergewicht, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Verletzungsfolgen


Der männliche Urogenitaltrakt (iStock / peakSTOCK)

Bei etwa 70 % der Betroffenen mit Erektiler Dysfunktion wird heutzutage eine k√∂rperliche Ursache vermutet. Es spielen jedoch auch immer psychologische und interpersonelle Faktoren eine zentrale Rolle bei sexuellen St√∂rungen. Rund ein Viertel der Betroffenen leidet unter einer Erektionsst√∂rung, die rein psychische Ursachen hat. Psychologen sehen als Grund f√ľr Erektile Dysfunktionen meistens Hemmungen oder √Ąngste, sowie Leistungsdruck und Stress. Viele M√§nner betrachten eine Potenzst√∂rung zudem als Schw√§che ihrer M√§nnlichkeit.

Symptome

Symptome, die bei Erektiler Dysfunktion auftreten können sind:

  • verminderte beziehungsweise nicht vorhandene Erektionsf√§higkeit
  • ein unbefriedigendes Sexualleben

  • Stress und Angst beim Geschlechtsverkehr

  • Schamgef√ľhl und ein niedriges Selbstwertgef√ľhl

  • Beziehungsprobleme

  • Zeugungsunf√§higkeit

Diagnose

Die Diagnostik bei Erektionsstörungen gliedert sich in:

  • Anamnese

  • klinische Untersuchung

  • Laboruntersuchungen

  • spezielle diagnostische Ma√ünahmen bei vermuteter vaskul√§rer Genese

Die umfangreiche Anamneseerhebung beim Urologen sollte medizinische Risikofaktoren und auch psychosexuelle Aspekte der Erektilen Dysfunktion abdecken. Zudem ist die Einnahme von Medikamenten wichtig, da auch bestimmte Wirkstoffe eine Impotenz auslösen können.

Blutuntersuchung (iStock / kukhunthod)

Daneben ist auch eine gr√ľndliche urologische Untersuchung wichtig. Diese umfasst die Begutachtung und das Abtasten des √§u√üeren Genitales (z. B. Penisgr√∂√üe, Penisver√§nderungen, Hodengr√∂√üe, Vorhautverengungen, diverse Entz√ľndungen) sowie eine Betrachtung des gesamten K√∂rpers mit einem speziellen Blick auf Zeichen des Testosteronmangels (z. B. Gyn√§komastie, verminderte K√∂rperbehaarung). Zudem sollten Gr√∂√üe, Gewicht und auch der BMI erfasst werden. Liegt die letzte Gef√§√üuntersuchung l√§nger als 6 Monate zur√ľck sollte der behandelnde Urologe auch die peripheren Pulse (F√ľ√üe, Handgelenke) sowie Blutdruck und Herzfrequenz zum Ausschluss einer vaskul√§ren Ursache der Erektilen Dysfunktion untersuchen.

Nach den aktuellen EAU-Leitlinien (Europäische Urologenvereinigung), werden bei Betroffenen mit Erektiler Dysfunktion folgende Laboruntersuchungen empfohlen:

  • Bestimmung des N√ľchtern-Blutzuckerwertes (gegebenenfalls auch des HbA1c als Langzeitzuckerwert)

  • Bestimmung der Blutfettwerte

  • Messung des Testosteronspiegels (z. B. zum Ausschluss von Hypogonadismus)

Spezielle Diagnostische Maßnahmen bei einer vermuteten vaskulären Genese der Impotenz umfassen:

  • Ultraschalluntersuchung mit Duplexsonographie des Penis

  • Schwellk√∂rper-Injektions-Testung (SKIT)

Therapie

Je nach dem Ausl√∂ser f√ľr die Potenzst√∂rung gibt es unterschiedliche Therapieans√§tze. Diese reichen von medikament√∂sen Behandlungen, √ľber Vakuumpumpensysteme, Hormontherapien bis hin zu operativen Eingriffen. Ebenfalls gibt es mit der Implantation eines Schwellk√∂rperersatzes (Penisprothese) eine permanente L√∂sung f√ľr Betroffene, bei denen eine medikament√∂se Therapie nicht ausreicht. Neben diesen Therapieoptionen wirkt sich eine Modifikation des Lebensstils oftmals positiv auf die Erektionsf√§higkeit aus. Hierzu z√§hlen etwa die optimale Blutzuckereinstellung bei Diabetikern, k√∂rperliche Bewegung, Nikotinkarenz oder eine Gewichtsreduktion bei √úbergewicht.

Folgende Therapieoptionen stehen f√ľr die Erektile Dysfunktion zur Verf√ľgung:

  1. Die selektiven Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) sind generell die erste Behandlungsoption. Die vier zugelassenen Phosphodiesterase-5-Hemmer (Avanafil, Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil) haben vergleichbare Wirkeffekte, unterscheiden sich aber bez√ľglich Pharmakokinetik und ihren Nebenwirkungen. Durch die Hemmung des PDE-5-Enzyms kommt es zu einer verbesserten und l√§nger anhaltenden Erektion.
  2. Erzielen die PDE-5-Hemmer keinen Erfolg, kann eine Vakuumpumpe, die Blut in den Penis pumpt, angewendet werden. Hierdurch wird auch der Blutabstrom aus dem Penis vermindert. M√∂gliche unerw√ľnschte Nebenwirkungen sind Schmerzen, Gef√ľhlsst√∂rungen, Blutungen und ein erschwerter Samenerguss.
  3. Andere Therapiem√∂glichkeiten sind Medikamente, die vor dem Geschlechtsverkehr in die Schwellk√∂rper des Penis injiziert werden (SKAT-Therapie) oder Z√§pfchen mit Prostaglandin E1, die vor dem Sex in die Harnr√∂hre eingef√ľhrt werden (MUSE-Therapie). Die Erfolgsrate der SKAT-Therapie liegt bei etwa 70 %. 41‚Äď68 % der Betroffenen brechen die Therapie jedoch ab ‚Äď meist sogar in den ersten 3 Monaten.
  4. Helfen die oben aufgef√ľhrten Therapieoptionen nicht, besteht die M√∂glichkeit eines operativen Eingriffes. Hier kann beispielsweise eine Penisprothese eingesetzt werden. Diese Methode wird jedoch meist als letzte Option angewendet, da sie permanent ist. Die Zufriedenheitsrate bei M√§nnern mit einem Penisimplantat liegt etwa bei 90 %.
  5. Um psychische Ursachen zu beheben, können sexualpsychologische Beratungsgespräche und auch eine Psychotherapie helfen.

Prognose

Je fr√ľher die Erektile Dysfunktion erkannt und je eher eine ad√§quate Therapie eingeleitet wird, desto besser stehen die Chancen auf eine Heilung. Da h√§ufig das Schamgef√ľhl bei Betroffenen √ľberwiegt, vermeiden jedoch viele M√§nner einen Gang zum Arzt. Im Durchschnitt vergehen etwa eineinhalb Jahre, bis M√§nner mit anhaltenden Potenzst√∂rungen einen Spezialisten aufsuchen.

(iStock / Evgeniia Medvedeva)

Erektionsstörungen werden meist durch körperliche Auslöser verursacht und nehmen mit dem Alter zu. Da Potenzstörungen auch durch schwerwiegende Krankheiten verursacht werden können, sollten jedenfalls Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und neurologische Erkrankungen durch spezialisierte Fachärzte, vor einer möglichen Therapie, ausgeschlossen werden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Dr. med. univ. Moritz Wieser

Dr. med. univ. Moritz Wieser
Autor

Moritz Wieser hat das Studium der Humanmedizin in Wien absolviert und studiert derzeit Zahnmedizin. Er verfasst vorrangig Artikel zu den h√§ufigsten Krankheiten. Besonders interessiert er sich f√ľr die Themenbereiche Augenheilkunde, Innere Medizin und Zahnmedizin.

Thomas Hofko

Thomas Hofko
Lektor

Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor f√ľr pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders f√ľr die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

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