Diese Medikamente und Rezepte zahlt die PKV wirklich

Eine Nahaufnahme einer Frau im Krankenhaus-Schutzkittel, welche ein Stethoskop haltet.

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In Deutschland sind mehr als 8,7 Millionen privat versichert, in √Ėsterreich sind es ca. 3,3 Millionen (sie haben sich zus√§tzlich zur regul√§ren Krankenversicherung √ľber einen privaten Anbieter versichert). Vor allem in Deutschland herrscht das landl√§ufige Vorurteil: Bin ich privat versichert, √ľbernimmt meine Krankenkasse s√§mtliche Kosten f√ľr Medikamente, Rezepte und Behandlungen. Doch das stimmt nicht ganz, denn es gibt tarif- und versicherungsunternehmensabh√§ngig deutliche Unterschiede.

Der Versicherungsvertrag bestimmt die Medikamenten√ľbernahme

Beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung sind viele Medikamente mitversichert, aber nicht alle. Der Blick in die Versicherungsbedingungen zeigt, welche Kosten im Detail √ľbernommen werden. Klar geregelt ist die Kostenerstattung durch die Musterbedingungen (MB/KK 2009, ¬ß4, Abs. 2 und 3).

Wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung auch, werden Medikamente √ľbernommen, die von √Ąrzten (auch Zahn√§rzten) verordnet und √ľber Apotheken bezogen werden k√∂nnen. Einige Tarife haben au√üerdem eine √úbernahme der Heilpraktiker-Verordnungen inkludiert. Die private Krankenversicherung Kosten daf√ľr k√∂nnen jedoch deutlich von den Standardtarifen abweichen und sind durch den h√∂heren Leistungsumfang teurer.

Eine Nahaufnahme einer Frau im Krankenhaus-Schutzkittel, welche ein Stethoskop haltet.

pixabay.com/@ voltamax

Versicherte sollten ihre OKV auf Herz und Nieren pr√ľfen, denn nicht immer werden alle Medikamente und Leistungen √ľbernommen.

Auf das Kleingedruckte achten

Der Blick auf die Musterbedingungen ist auch interessant, wenn es um die Übernahme schulmedizinischer Leistungen geht. So ist im MB/KK 2009, § 4, Abs. 6 beispielsweise Folgendes festgehalten:

Der Versicherer leistet im vertraglichen Umfang f√ľr Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden und Arzneimittel, die von der Schulmedizin √ľberwiegend anerkannt sind. Er leistet dar√ľber hinaus f√ľr Methoden und Arzneimittel, die sich in der Praxis als ebenso erfolgversprechend bew√§hrt haben oder die angewandt werden, weil keine schulmedizinischen Methoden oder Arzneimittel zur Verf√ľgung stehen; der Versicherer kann jedoch seine Leistungen auf den Betrag herabsetzen, der bei der Anwendung vorhandener schulmedizinischer Methoden oder Arzneimittel angefallen w√§re.

W√ľnschen sich Versicherte eine Kosten√ľbernahme alternativer Behandlungsmethoden f√ľr einen erfolgreicheren Heilungsprozess, muss dies meist in einem Tarifzusatz mitversichert werden.

F√ľr gesetzlich Versicherte k√∂nnte die √úbernahme von alternativen Heilm√∂glichkeiten wie beispielsweise der Hom√∂opathie bald der Vergangenheit angeh√∂ren. Urs√§chlich daf√ľr ein Vorsto√ü der KV Bremen, die unl√§ngst entschied, hom√∂opathische Leistungen aus dem √úbernahmekatalog zu entfernen. Die Konsequenz: K√ľnftig m√ľssten sich gesetzlich Versicherte mit einem zus√§tzlichen Tarifbaustein selbst um die Kosten√ľbernahme ihrer Versicherung k√ľmmern.

Tarifliche Raffinessen machen den Kosten√ľbernahme-Unterschied

Die Erfahrungen zeigen, dass die g√ľnstigen privaten Krankenversicherungstarife vor allem mit Generikaklauseln arbeiten. In der Praxis bedeutet das f√ľr Versicherte: Die Kosten f√ľr ein Medikament werden beispielsweise zu 100 % √ľbernommen, wenn es sich um ein sogenanntes Nachahmerprodukt handelt, das den urspr√ľnglichen Wirkstoff abbildet. Eine √úbernahme eines Nicht-Generika-Pr√§parates (etwa Ibuprofen Genericon 600 mg forte Filmtabletten) wird meist nur anteilig gew√§hrt, beispielsweise mit 75 %.

So läuft die Erstattung der Medikamente bei der PKV ab

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung m√ľssen Versicherte bei der privaten Versicherung zun√§chst in Vorleistung gehen. Das bedeutet die Zahlung des Rezeptes bzw. Pr√§parates in der Apotheke. Im weiteren Verlauf k√∂nnen sich Privatversicherte durch die Einreichung der Belege ihre Kosten erstatten lassen. Wichtig hierbei sind vor allem das Originalrezept und die √§rztliche Diagnose. Letztere wird meist am Rezept oder der √§rztlichen Rechnung vermerkt.

Die Diagnose ist deshalb essenziell, da die private Krankenkasse pr√ľft, ob das Medikament tats√§chlich f√ľr die Linderung der diagnostizierten Leiden verschrieben werden musste. Nur dann erfolgt die Kosten√ľbernahme.

Wurde bei privat versicherten Patienten ein chronisches Leiden diagnostiziert, das eine dauerhafte Medikation ben√∂tigt, reicht erfahrungsgem√§√ü die einmalige Darstellung der Diagnose, da diese fortan in den Unterlagen der Krankenkasse gespeichert ist und die Kosten√ľbernahme der Medikamente dadurch vereinfacht wird.

Kosten√ľbernahme ohne √§rztlichen Besuch ‚Äď ist das m√∂glich?

In Deutschland besteht f√ľr Arzneimittel eine Apothekenpflicht. So gibt es einige Pr√§parate, die nur mit einem Rezept erh√§ltlich sind. Zus√§tzlich werden Pr√§parate in Apotheken ver√§u√üert, die keiner Rezeptpflicht unterliegen. √úbernimmt die private Krankenversicherung auch diese Kosten?

Bei der Beantwortung hilft erneut der Blick in die Versicherungsbedingungen. Pr√§parate, die ohne Verordnung durch einen Arzt gekauft werden, lassen sich in der Regel nicht durch die private Krankenversicherung begleichen. Ohne √§rztliche Indikation werden keine Pr√§parate oder Anwendungen √ľbernommen.

Volkskrankheit Erk√§ltung: √úbernimmt die private Krankenkasse Kosten daf√ľr?

Seit einigen Jahren haben gesetzlichen Krankenversicherungen bestimmte Pr√§parate auf ihre Streichliste f√ľr die √úbernahme gesetzt. √Ąrzte d√ľrfen beispielsweise bei Kopfschmerzen oder Erk√§ltungskrankheiten ausgew√§hlte Pr√§parate nicht mehr verordnen.

Deutlich kulanter sind die privaten Krankenversicherungen bei diesem Thema. Sobald ein Arzt ein Pr√§parat verschreibt (auch bei Erk√§ltungserkrankungen), sind die Kosten daf√ľr abh√§ngig von den Details der Tarifkonditionen erstattungsf√§hig.

Nahaufnahme einer Keramik-Herzform in Rot, umgeben von Tabletten in der Farbe Beige..

pixabay.com/@ HeungSoon

Ein Herz f√ľr Versicherte und die Kosten√ľbernahme haben nicht alle PKVs. So werden beispielsweise h√§ufig nur Generika 100 % √ľbernommen.

Bestellung von Medikamenten im Internet: Was √ľbernimmt die private Krankenversicherung?

Onlineapotheken werden auch in Deutschland oder √Ėsterreich immer beliebter. Viele Versicherte nutzen die M√∂glichkeit der Kostenersparnis und reichen ihre Rezepte bei der Onlineapotheke ein. √úbernimmt die private Krankenversicherung die Kosten auch hierf√ľr?

Solange es sich um eine offiziell zugelassene Apotheke handelt, werden die Kosten f√ľr verschreibungspflichtige Pr√§parate auch bei der privaten Krankenversicherung √ľbernommen. Mittlerweile gibt es sogar einzelne Tarife, bei denen Sparanreize geschaffen werden. Entscheiden sich Versicherte daf√ľr, die h√§ufig g√ľnstigeren Angebote der Onlineapotheken zu nutzen, gibt es beispielsweise eine h√∂here Erstattung der Zuzahlungsbetr√§ge.

Vorleistung bei Medikamenten: M√ľssen Privatversicherte immer zuerst in die Tasche greifen?

Auch dieses Vorurteil h√§lt sich hartn√§ckig: Privatversicherte m√ľssen zun√§chst alle Kosten f√ľr ihre Medikamente und Behandlungen √ľbernehmen, die Krankenversicherung zahlt erst sp√§ter. Tats√§chlich zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild. Wann die private Krankenversicherung zahlt, h√§ngt vom Versicherungstarif und dessen Bestimmungen ab.

So ist es m√∂glich, bei der Apotheke seines Vertrauens ein Kundenkonto einzurichten und eine Monatsrechnungsstellung mit Zahlungsziel zu vereinbaren. Angewandt wird dies in der Praxis vor allem bei Dauermedikationen. Wer die Rechnung seiner Apotheke mit einem Zahlungsziel von beispielsweise 14 Tagen erh√§lt, kann diese umgehend bei der Krankenversicherung einreichen. In den meisten F√§llen reagieren private Versicherungsanbieter rasch und √ľberweisen den √úbernahmebetrag. F√ľr Patienten eine Entlastung, denn sie m√ľssen dadurch nicht in Vorkasse gehen.

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Danilo Glisic

Danilo Glisic
Lektor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

Letztes Update

23.06.2022

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