Anti-D(rh)-Immunglobulin

ATC CodeJ06BB01
Drugbank IDDB11597

Grundlagen

Anti-D(rh)-Immunglobulin ist ein menschlicher Antikörper zur Verhinderung einer Immunreaktion bei Patienten ohne Rhesusfaktor (RhD-negativ), die während der Schwangerschaft oder bei Bluttransfusionen Blut mit Rhesusfaktor (RhD-positiv) ausgesetzt waren. Es wird durch intramuskuläre oder intravenöse Injektion verabreicht und dient der Vorbeugung einer immunologischen Erkrankung, die als Rhesus-Inkompatibilität bekannt ist (oder Rhesus-Unverträglichkeit, insbesondere bei Neugeborenen). Unbehandelt führt diese Inkompatibilität zur Zerstörung der roten Blutkörperchen des Kindes. Diese Erkrankung wird auch als Morbus haemolyticus neonatorum bezeichnet.

Anti-D-Immunglobuline werden entweder als Infusionslösung oder direkt als Fertigspritze verabreicht.

Geschichte

Der Rhesusfaktor wurde 1937 von Karl Landsteiner und Alexander Wiener entdeckt und benannt. Etwa seit dieser Zeit ist auch bekannt, dass Menschen ohne Rhesusfaktor eine Immunität gegen Blutzellen mit Rhesusfaktor entwickeln können. In den 1950er Jahren konnten durch Blutaustauschtransfusionen erste Erfolge bei der Behandlung des Morbus haemolyticus neonatorum erzielt werden. Im Jahr 1968 wurde erstmals eine vorbeugende Therapie mit Immunglobulinen (Anti-D-Prophylaxe) zugelassen, die bis heute gängige Praxis ist.

Pharmakologie

Pharmakologie und Wirkmechanismus

Die Rhesusunverträglichkeit ist eine Immunreaktion zwischen dem Blut der Mutter und dem Blut des Fötus. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass das Blut der Mutter RhD-negativ und das des Fötus RhD-positiv ist.

Während der ersten Schwangerschaft ist die Exposition der RhD-negativen Mutter mit fetalen RhD-positiven Erythrozyten äußerst gering, da diese die Plazentaschranke nicht überwinden können. Während der Geburt löst sich jedoch die Plazenta von der Gebärmutterwand, wodurch Nabelschnurblut in den mütterlichen Kreislauf gelangt, was zu einer Immunreaktion der Mutter führt, um die RhD-positiven Blutkörperchen aus ihrem Kreislauf zu entfernen. Einige Zeit nach dieser ersten Immunantwort bildet das Immunsystem der Mutter so genannte Gedächtnis-B-Zellen, die Antikörper (Typ IgG) gegen den Rhesusfaktor bilden können. Bei einer späteren, zweiten Schwangerschaft mit einem RhD-positiven Kind können diese IgG-Antikörper die Plazentaschranke überwinden und in den fetalen Kreislauf gelangen. Dies führt zu einer Auflösung der fetalen Erythrozyten, wodurch die Sauerstoffversorgung des Gewebes erheblich beeinträchtigt wird. Diese Komplikation kann unter Umständen zum Tod des Feten führen.

Anti-D(rh)-Immunglobulin wird als Prophylaxe gegen diesen Prozess eingesetzt. Dabei werden der Mutter während der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt des ersten RhD-positiven Kindes Immunglobuline gespritzt, die die erste Immunisierung gegen den Rhesusfaktor verhindern.

Pharmakokinetik

Nach intravenöser oder intramuskulärer Injektion sind Antikörper im Patienten mindestens 9 Wochen lang nachweisbar. Humanes Immunglobulin und seine Fragmente können in Stuhl und Urin nachgewiesen werden.

Toxizität

Kontraindikationen

Bei den folgenden Patientengruppen ist eine Anwendung der Anti-D(rh)-Immunglobuline nicht indiziert:

  • Frauen, die RhD-positiv sind
  • Frauen, die bereits zuvor eine Immunisierung mit Anti-D-Immunglobulinen erhalten haben
  • Frauen, die RhD-negativ sind und bei denen bekannt ist, dass der Fötus ebenfalls RhD-negativ ist

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen nach einer Anti-D-Prophylaxe können sein:

  • Atembeschwerden (Dyspnoe)
  • Fieber und Schüttelfrost
  • schmerzende Gelenke
  • Hautausschlag, Juckreiz, Hautrötung, Nesselsucht
  • Herzrasen und Tachykardie
  • Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Unwohlsein
  • Kopfschmerzen
Markus Falkenstätter, BSc

Markus Falkenstätter, BSc

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