Verbessern Multivitaminpräparate und Kakaoextrakte die kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen?

Nahaufname von Früchten und Vitaminkapseln

Weltweit sind mehr als 46 Millionen Menschen von der Alzheimer-Krankheit und der damit verbundenen Demenz betroffen. Die Therapie der Demenz ist schwierig, weshalb die Sicherstellung kostengünstiger und zugänglicher Strategien zum Erhalt der kognitiven Funktion für die öffentliche Gesundheit von hoher Relevanz ist. Die unlängst publizierte COSMOS-Mind-Studie untersucht Multivitaminpräparate und Kakaoextrakte hinsichtlich ihrer Wirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten.

Nahaufname von Früchten und Vitaminkapseln

Marina Tikhonova / iStock

Was versteht man unter Demenz?

Demenz ist der Überbegriff für diverse Krankheitsbilder des Gehirns, welche durch den Rückgang geistiger Leistungsfähigkeit und einem fortschreitenden Gedächnisverlust gekennzeichnet sind. Die Merkfähigkeit und Konzentration vermindern sich und besonders das Langzeitgedächtnis und erworbene Fähigkeiten schwinden mit dem Verlauf der Erkrankung.

Zur Unterteilung der Ursachen wird zwischen primärer und sekundärer Demenz unterschieden:

  • Bei der primären Demenz ist das Gehirn das hauptsächlich erkrankte Organ. Die Symptome entstehen durch eine Schädigung der Nervenzellen. Die am häufigsten verbreitete Art der Demenz ist die Alzheimer-Demenz. Auch eine Durchblutungsstörung des Gehirns kann eine Ursache der Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit sein, in dem Fall spricht man von einer vaskulären Demenz.
  • Die sekundäre Demenz entsteht als Folge einer anderen vorliegenden Erkrankung. Dies kann beispielsweise bei Suchterkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma der Fall sein. Ebenso können Medikamente und ein Mangel an Nährstoffen und Vitaminen dazu führen, dass sich eine sekundäre Demenz ausbildet. Diese Form der Demenz kann sich auch zurückbilden, wenn die Ursache behoben wird, wie beispielsweise der Mangel an Nährstoffen oder die Behandlung der Grunderkrankung.

Therapie der Demenz ist schwierig

Je nach Stadium der Demenz kann es durchaus kompliziert sein, die Symptome zu lindern. Besteht eine Grunderkrankung, sollte diese grundsätzlich umfassend therapiert werden. Die einzelnen Fachabteilungen, sollten, falls nötig, koordiniert zusammenarbeiten.
Besonders bei sozialem Rückzug oder Veränderungen des Charakters können verhaltenstherapeutische Maßnahmen genutzt werden. Oft können hierdurch die Symptome noch entsprechend gelindert werden. Gegen depressive Verstimmungen können, nach ärztlichem Rat, Medikamente sinnvoll sein. Um die vorhandenen kognitiven Fähigkeiten zu erhalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die genutzt werden sollten, um diese zu trainieren und auszubauen. Geeignet sind hierfür Gedächtnisübungen (z.B. Puzzles, Sprichwörter oder Lieder erraten), Achtsamkeitsübungen oder Koordinationsübungen (Gymnastik, Tanzen). Durch die körperliche Bewegung können sich neuronale Verbindungen verknüpfen.

Weiters werden unzählige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zur Therapie eingesetzt. Da vor allem der Mangel an Mikronährstoffen ein erhöhtes Risiko zur Entstehung der Demenz darstellt, sind diese immer wieder Anlass zur Untersuchung ihrer Wirkung auf den Erhalt der kognitiven Funktionen.

Multivitamin verbessert kognitive Fähigkeiten

Das Fachmagazin Alzheimer’s & Dementia veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer von Forschern der Wake Forest University School of Medicine in North Carolina durchgeführten Studie. Die COSMOS-Mind-Studie (COcoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study of the Mind) untersuchte, ob Kakaoextrakt im Vergleich zu einem handelsüblichen Multivitamin-Mineral (MVM) die kognitiven Fähigkeiten älterer Erwachsene verbessert.

Die Kakaobohne ist in ihrer unverarbeiteten Form reich an Flavanolen. Deren kognitionsfördernde Wirkungen wurden in der Vergangenheit schon von mehreren epidemiologischen und kleineren klinischen Studien gestützt.
Versuche mit einzelnen Mikronährstoffen, wie Folsäure und Vitamin D, hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Kognition zeigten gemischte Ergebnisse, metaanalytische Übersichten schlussfolgerten jedoch, dass die Evidenz für eine Empfehlung nicht ausreiche.

Nahaufnahme von Kakaobohnen und Kakaopulver

Milan Krasula / iStock

Studiendesign

An der COSMOS-Mind-Studie nahmen 2262 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren teil, wovon rund 60% weiblich waren. Ungefähr 92 Prozent unterzogen sich der Erstuntersuchung und den danach jährlich stattfindenden Folgeuntersuchungen. Die Teilnehmer litten unter altersüblichen Risikofaktoren wie Hypertonie, Typ 2-Diabetes und Übergewicht. Inkludiert wurden sie aber nur, wenn sie in der Vorgeschichte keine Herzinfarkte oder Schlaganfälle vorweisen konnten, andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Transitorische ischämische Attacke, dekompensierte Herzinsuffizienz, Koronararterien-Bypass-Transplantation, Angioplastie und Stent) wurden hingegen zugelassen. Eine weiteres Auswahlkriterium war, keine Krebserkrankungen in den letzten zwei Jahren durchlebt zu haben.

Die Probanden wurden in Gruppen eingeteilt, in welchen sie entweder ein Multivitamin-Mineralstoff-Präparat (MVM), ein Kakaopräparat mit 500 mg Flavanolen oder ein Placebo erhielten. Die Zuteilung erfolgte im 2x2 randomisierten Design, das heißt, alle Faktoren (MVM, Kakaopräparat, MVM-Placebo und Kakao-Placebo) wurden miteinander kombiniert. Die insgesamt vier Gruppen wurden untersucht und miteinander verglichen.



Im Zuge dessen wurden über 3 Jahre hinweg die die kognitiven Fähigkeiten der Probanden zu Studienbeginn, einmal jährlich und zu Studienende telefonisch bewertet. Dabei wurde die verbale Gewandtheit, das Erinnern an Geschichten und der Umgang mit Zahlen überprüft.

Ältere Frau telefoniert mit Zettel in der Hand, im Hintergrund älterer Mann

Wavebreakmedia / iStock

Resultate der Studie

Die tägliche Einnahme von 500 mg Flavanolen zeigte keinen positiven Zusammenhang mit den kognitiven Leistungen der Probanden.
Im Gegensatz dazu erwies sich die tägliche Einnahme von MVM als effektiv wirksam auf die kognitiven Fähigkeiten der Probanden.
Besonders die globale Kognition und das episodische Gedächtnis verbesserten sich stark, aber auch die exekutiven Funktionen (geistige Funktionen, mit denen Menschen ihr eigenes Verhalten unter Berücksichtigung der Umwelt steuern) entwickelten sich positiv.
Der signifikante Nutzen wurde im Vergleich zum Placebo statistisch trotz einem niedrigen z-Score von 0,07 mit einem 95%-Konfidenzintervall von 0,02 bis 0,12 bei der Einnahme von Multivitaminpräparaten belegt.
Bei Teilnehmern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte sich dieser Effekt noch ausgeprägter mit einem z-Score von 0,14, jedoch mit einem breiteren Konfidenzintervall von -0,02 bis 0,31. Dieses Ergebnis ist von hoher Bedeutsamkeit, da diese Patienten ohnehin für einen schnelleren Verfall der kognitiven Leistungen prädisponiert sind.

Laut der Forscherin Laura D. Baker ließ sich durch die tägliche Multivitaminpräparat-Einnahme dennoch die allgemeine kognitive Degeneration um 60% verringern, was in etwa einer Verlangsamung von 1,8 Jahren entspricht.

Fazit

Die Demenz ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die oftmals erst spät diagnostiziert wird. Nicht nur die Krankheitsverläufe und Symptomatik, sondern auch die Ursachen einer Demenzerkrankung sind so vielfältig, dass sie bei jedem Patienten individuell diagnostiziert und interdisziplinär behandelt werden sollte. Der soziale Rückzug sollte auf jeden Fall vermieden werden, um weitere Probleme zu verhindern. Die kognitiven Fähigkeiten können allerdings in jedem Alter trainiert und unterstützt werden, beispielsweise mit dem regelmäßigen Durchführen von Gedächtnisübungen, um die neuronalen Verbindungen zu stärken. Auch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind wichtig, um die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten.

Die COSMOS-Mind-Studie war die erste, groß angelegte, placebokontrollierte Langzeitstudie mit positiven Ergebnissen, welche darauf hindeuten, dass die tägliche Supplementierung eines Multivitamin-Mineralstoffes die kognitiven Fähigkeiten von Senioren durchaus verbessern kann. Kakaoextrakt hingegen zeigte auch nach drei Jahren keine Besserung der geistigen Kognition.
Um den Nutzen dieser Resultate zu bestätigen und um gesicherte Empfehlungen aussprechen zu können, ist weitere Forschung nötig.
Nichtsdestotrotz ist diese Studie von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit um Standards zum Schutz und zur Verbesserung der kognitiven Funktionen älterer Menschen zu setzen.

Redaktionelle Grundsätze

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Olivia Malvani

Olivia Malvani
Autor

Als Studentin der Ernährungswissenschaften verfasst sie Magazinartikel zu aktuellen medizinisch-pharmazeutischen Themen und verbindet diese mit ihrem persönlichen Interesse für präventive Ernährung und Gesundheitsförderung.

Letztes Update

15.11.2022

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