Cannabidiol

ATC CodeN03AX24
CAS-Nummer13956-29-1
PUB-Nummer644019
Drugbank IDDB09061
SummenformelC21H30O2
Molare Masse (g·mol−1)314,46 g/mol
Aggregatzustandfest
Schmelzpunkt (°C)66–67 °C
Siedepunkt (°C)130 °C

Grundlagen

Cannabidiol, auch unter der Abkürzung CBD bekannt, ist ein nicht-psychoaktiver Inhaltsstoff der weiblichen Hanfpflanze (Cannabis sativa). Er kommt vor allem in der Blüte, aber auch teilweise in den Blättern dieser Pflanze vor. CBD zählt zu den Cannabinoiden, einer großen, heterogenen Stoffgruppe aus Inhaltsstoffen der Hanfpflanze, zu der mehr als 100 unterschiedliche in Form von Harz zählen. Cannabidiol zählt dabei neben dem psychoaktiven Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC) zu den bekanntesten Cannabinoiden. 

Im Gegensatz zu THC hat Cannabidiol aber keinen Einfluss auf das Zentralnervensystem und ist somit nicht berauschend.
Medizinisch werden immer mehr die entkrampfenden, entzündungshemmenden und angstlösenden Eigenschaften dieses Wirkstoffs ausgenutzt. Des Weiteren wirkt es gegen Übelkeit. Man geht davon aus, dass noch weitere pharmakologische Effekte im Cannabidiol stecken, weshalb die Forschungen bis zum heutigen Zeitpunkt noch am Laufenden sind.

Cannabidiol ist in Sativex® gemeinsam mit THC in einem Verhältnis von 1:1 als Mundspray enthalten und dient zur Linderung der Muskelkrämpfe bei Multipler Sklerose

Als Monopräparat ist Cannabidiol in Epidyolex® 100mg/ml als Lösung zum Einnehmen enthalten. Es wird zur Behandlung von Anfällen im Zusammenhang mit zwei seltenen Formen von Epilepsie, dem Lennox-Gastaut-Syndrom und dem Dravet-Syndrom bei Kindern ab einem Alter von mindestens 2 Jahren und Erwachsenen verwendet. 

Ebenso findet es Anwendung bei einer genetischen Störung namens Tuberöse-Sklerose (TSC). 

Es kann alleine oder in Kombination mit anderen antiepileptischen Arzneimitteln angewendet werden. 

Epidyolex® ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, welches nach genauer Absprache mit dem Arzt und seinen Anweisungen folgend anzuwenden ist. Die Dosis wird vom Arzt/ Apotheker festgelegt und ist individuell abhängig von dem Alter, Gewicht sowie der Schwere der Erkrankung des Patienten. Die Lösung wird zwei Mal täglich eingenommen, wenn möglich immer unter denselben Umständen (mit oder ohne Mahlzeit). 

Cannabidiol wird aber mittlerweile auch in allen möglichen Formen wie Tropfen, Öle, Tees sowie Kosmetik-Produkten verarbeitet und kann im Körper u.a. beruhigende, schmerzstillende, entzündungshemmende, angstlösende und stresslindernde Effekte ausüben. 

Geschichte

Cannabidiol wurde erstmals im Jahre 1940 von dem amerikanischen Chemiker Roger Adams entdeckt. Er isolierte das Cannabinoid aus Hanfextrakt und klärte seine chemische Struktur auf. In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Forschungen bezüglich der pharmakologischen Eigenschaften des CBD durchgeführt. 

In den 1960er Jahren wurde von den israelischen Wissenschaftlern Yehiel Gaoni und Raphael Mechoulam THC (Tetrahydrocannabinol) identifiziert, was zu einem besseren Verständnis der Wirkung dieser beiden Cannabinoide auf den menschlichen Körper führte. 

Seitdem wurden und werden zahlreiche Studien durchgeführt, um mit jedem Tag neue Erkenntnisse zu gewinnen und das Potential dieser Wirkstoffe auszuschöpfen. 

Pharmakologie

Pharmakodynamik/ Wirkmechanismus 

Wie THC ist auch Cannabidiol imstande an den CB1 und CB2 Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems zu binden und so seine Effekte auszulösen. Die CB1-Rezeptoren befinden sich überwiegend im Gehirn, während die CB2-Rezeptoren sich über den gesamten Körper verteilen, vorrangig aber in den Bestandteilen des Immunsystems zu finden sind. 

Die natürlichen Liganden sind körpereigene Stoffe wie das Anandamid, ein Arachidonsäure-Analogon, dessen Struktur denen des THC und Cannabidiol ähnelt und dieselben Effekte im Körper in einem bestimmten Gleichgewicht auslöst.

Cannabidiol kann jedoch nicht nur an diese Rezeptoren binden und positive Effekte auslösen, sondern er kann sie auch über einen unbekannten Mechanismus blockieren und so die Ausübung ihrer Effekte verhindern. 

Cannabidiol hemmt die Wirkungen des G-Protein gekoppelten Rezeptors GPR55, indem er die Bindungsstelle blockiert, ohne dabei selbst einen Effekt auszulösen. Die physiologische Funktion dieses Rezeptors im Körper ist noch nicht vollständig geklärt. 

Es gibt ebenso Hinweise darauf, dass Cannabidiol mit den Opioid-Rezeptoren interagiert und durch Abschwächung der Nervensignale stresslindernd wirken kann. 

Cannabidiol interagiert ebenso mit Vanilloid-1-Rezeptoren, wodurch eine Abschwächung des Schmerzes im Körper bewirkt wird. 

Die genauen Wirkmechanismen des Cannabidiol werden jedoch noch erforscht und sind weitestgehend noch nicht geklärt. 

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Cannabidiol, also der Prozess von der Aufnahme bis zur Ausscheidung aus dem Körper, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst wie Dosierung, Art der Verabreichung sowie Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand des Patienten. 

Cannabidiol wird am besten nach oraler Einnahme zu einer fetthaltigen Mahlzeit vom Körper aufgenommen. Die Bioverfügbarkeit beträgt in etwa 6-20%, das heißt nur dieser Teil gelangt schlussendlich aufgrund des hohen First-Pass-Effekts, bei dem der Wirkstoff in der Leber teils metabolisiert wird, tatsächlich in den Blutkreislauf. 

Aufgrund seiner lipophilen Struktur reichert sich Cannabidiol wie THC in fettreichen Geweben wie Gehirn oder Leber an. 

Cannabidiol wird hauptsächlich in der Leber durch beispielsweise CYP450-, CYP3A4- und CYP2C19-Enzyme metabolisiert. Cannabidiol und seine Metaboliten werden dann hauptsächlich über den Stuhl, zu einem kleineren Teil über den Urin ausgeschieden – die Halbwertszeit beträgt etwa 9 Stunden, das heißt nach diesen 9 Stunden ist Cannabidiol zur Hälfte aus dem Körper ausgeschieden. 

Wechselwirkungen

Cannabidiol als Wirkstoff kann mit folgenden Arzneimitteln/ Arzneimittelgruppen in Wechselwirkung geraten: 

  • CYP3A4-/ CYP2C19-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin, Enzulatamid, Mitotan und Johanniskraut können die Wirksamkeit von Cannabidiol verringern.
  • Antiepileptika können mit Cannabidiol zu einer verstärkten Wirkung und Nebenwirkungen führen, daher ist eine Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung erforderlich.
  • UGT-Inhibitoren können die Wirksamkeit des Cannabidiol verstärken, daher ist eventuell bei gleichzeitiger Einnahme eine Dosisverringerung anzuordnen.
  • Clobazam erhöht bei gleichzeitiger Einnahme mit Cannabidiol Effekte wie Benommenheit. In dem Fall sollte die Dosis des Clobazam verringert werden.
  • Valproat erhöht bei gleichzeitiger Einnahme mit Cannabidiol die Transaminase-Enzymwerte; außerdem wird das Risiko einer Diarrhö (Durchfall) sowie Appetitminderung erhöht.
  • Stiripentol kann in Kombination mit Cannabidiol zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.
  • Lamotrigin kann bei gleichzeitiger Anwendung mit Cannabidiol einen erhöhten Spiegel aufweisen.
  • Basierend auf in-vitro Daten können Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Anwendung von CBD mit CYP1A2-Substraten (z.B. Theophyllin, Coffein, Tizanidin), CYP2B6-Substraten (z.B. Bupropion, Efavirenz), CYP2C8-Substraten (Repaglinid), CYP2C9 (z.B. Warfarin), UGT1A9-Substraten (z.B. Propofol, Fenofibrat) und UGT2B7-Substraten (z.B. Gemfibrozil, Morphin, Lorazepam) auftreten.
  • In-vitro Daten haben ebenso ergeben, dass Cannabidiol CYP2C19-Substrate hemmt, was zu einer erhöhten Konzentration der Arzneimittel führen kann, die von diesem Enzym metabolisiert werden.

Toxizität

Kontraindikationen & Vorsichtsmaßnahmen 

  • Epidyolex darf bei einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Cannabidiol oder einem anderen Bestandteil der Formulierung nicht eingenommen werden.
  • Phenytoin hat eine geringe therapeutische Breite, daher ist bei Kombination mit Cannabidiol Vorsicht geboten.
  • Es wurde nachgewiesen, dass Epidyolex zu erhöhten Leberenzymwerten führt, was in weiterer Folge eine Leberschädigung bedeuten kann. Erhöhte Transaminase-Werte sind dabei ein Hinweis darauf und sollten daher während der Behandlung im Auge behalten werden. 
  • Im Rahmen einer Behandlung mit Epidyolex können Suizidgedanken sowie Verletzungsgefahren auftreten. In diesem Fall sollte der Arzt umgehend konsultiert werden.

Nebenwirkungen 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Cannabidiol zählen: 

  • Somnolenz
  • verminderter Appetit
  • Diarrhö
  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Erbrechen

Weitere Nebenwirkungen, die u.a. häufig vorkommen können sind: 

  • Pneumonie
  • Harnwegsinfektionen
  • Reizbarkeit, Aggressionen
  • Lethargie (Teilnahmslosigkeit), Krampfanfälle
  • Husten

Schwangerschaft und Stillzeit

Aufgrund unzureichender Studien und Daten ist die genaue Wirkung von Cannabidiol auf schwangere Frauen nicht bekannt. Aus Sicherheitsgründen wird daher von einer Anwendung während der Schwangerschaft abgeraten. Ebenso ist nicht bekannt, ob Cannabidiol und seine Metabolite in die Muttermilch übergehen können beziehungsweise welche Auswirkungen sie auf den Säugling haben könnte. Daher wird ebenso davon abgeraten, Cannabidiol während der Stillzeit einzunehmen, außer wenn es unbedingt erforderlich ist und vom Arzt verschrieben wurde.

Susann Osmen

Susann Osmen

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