Ketoconazol

Ketoconazol

Grundlagen

Ketoconazol ist ein Imidazol-Antimykotikum, das zur Vorbeugung und Behandlung einer Reihe von Pilzinfektionen eingesetzt wird. Es zeichnet sich durch ein besonders breites Wirkspektrum aus.

Ketoconazol wurde erstmals 1981 von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA in einer oralen Darreichungsform zur systemischen Anwendung zugelassen. Damals galt es aufgrund seines breiten Spektrums und seiner guten Absorption als eine deutliche Verbesserung gegenĂŒber den frĂŒheren Antimykotika. Wegen hĂ€ufig auftretender gastrointestinaler Nebenwirkungen und dem Risiko einer dosisabhĂ€ngigen Hepatitis wurde der Wirkstoff relativ rasch durch Stoffe aus der Gruppe der Triazole wie Fluconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol ersetzt. Ketoconazol wird weiterhin in topischen Formulierungen verwendet.

Medikamente mit Ketoconazol

Medikament Wirkstoff(e) Zulassungsinhaber
Nizoral 2 % - medizinisches Shampoo Ketoconazol STADA Arzneimittel GmbH
Fungoral 2 % - Creme Ketoconazol KARO Pharma AB
Fungoral 2 % - medizinisches Shampoo Ketoconazol KARO Pharma AB
Ketoconazole HRA 200 mg Tabletten Ketoconazol HRA Pharma Rare Diseases

Wirkung

Pharmakodynamik und Wirkmechanismus

Ketoconazol ist, Àhnlich wie andere Azol-Antimykotika, ein Fungistatikum, das einen Wachstumsstopp in Pilzzellen durch Hemmung der Zellwandsynthese bewirkt und dadurch das Wachstum und die Ausbreitung des Pilzes im Körper verhindert.

Ketoconazol interagiert mit dem Enzym 14-α-Sterol-Demethylase, das fĂŒr die Umwandlung von Lanosterin in Ergosterin erforderlich ist. Dies fĂŒhrt zur Hemmung der Ergosterin-Synthese und einer erhöhten zellulĂ€ren PermeabilitĂ€t des Pilzes aufgrund der geringeren Ergosterin-Menge in der Pilzzellmembran. Diese Stoffwechselhemmung fĂŒhrt zudem zur Akkumulation von toxischen Metaboliten in der Zelle. Dadurch wird der Pilz im Wachstum gehemmt und eine Verbreitung und Vermehrung wird verhindert. 

Pharmakokinetik

Ketoconazol kann nur aus einem sauren Magenmilieu resorbiert werden. Bei pH-Werten ĂŒber 3 wird es zunehmend unlöslich in Wasser und die Aufnahme somit stark reduziert. Bei einem pH-Wert unter 3 ist die Auflösung nach etwa 30 Minuten abgeschlossen. Die BioverfĂŒgbarkeit betrĂ€gt rund 76 %. Ketoconazol wird zu etwa 84 % an Plasmaalbumin und zu weiteren 15 % an Blutzellen gebunden. Ketoconazol wird hauptsĂ€chlich durch die Enzyme CYP3A4 und CYP2D6 verstoffwechselt, wobei der Hauptanteil auf CYP3A4 entfĂ€llt. Nur 2-4 % der Ketoconazol-Dosis werden unverĂ€ndert mit dem Urin ausgeschieden. Über 95 % werden ĂŒber den hepatischen Stoffwechsel ausgeschieden.

Wechselwirkungen

Ketoconazol ist ein Hemmer der Cytochrome in der Leber. Diese sind maßgeblich am Metabolismus von vielen Arzneistoffen beteiligt. Dadurch ergibt sich ein großes Risiko fĂŒr Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Dieses Risiko ist besonders bei Arzneistoffen, die durch das Enzym CYP3A4 verstoffwechselt werden, erhöht. Ebenfalls kann die Einnahme von Antacida die Resorption von Ketoconazol stark verringern, sodass eine Wirkung ausbleibt.

Da jedoch die Anwendung von Ketoconazol mittlerweile weitgehend auf die topische Zubereitungen begrenzt ist, ist das Risiko fĂŒr Nebenwirkungen insgesamt sehr gering.

ToxizitÀt

Nebenwirkungen

  • Übelkeit
  • Diarrhöe
  • Magenschmerzen
  • Anschwellen der Brust
  • Kopfschmerzen
  • SchwindelgefĂŒhl
  • Abnormale Leberenzymwerte

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Ketoconazol sollte nicht angewandt werden, wenn eine Allergie gegen den Stoff oder eine schwere Lebererkrankung besteht.

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code D01AC08, G01AF11, H02CA03, J02AB02
Summenformel C26H28Cl2N4O4
Molare Masse (g·mol−1) 531,43
Aggregatzustand fest
Schmelzpunkt (°C) 146
PKS Wert 3.96
CAS-Nummer 65277-42-1
PUB-Nummer 456201
Drugbank ID DB01026

Redaktionelle GrundsÀtze

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Markus FalkenstÀtter, BSc

Markus FalkenstÀtter, BSc
Autor

Markus FalkenstÀtter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der UniversitÀt Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der UniversitÀt Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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