Disulfiram

Disulfiram

Grundlagen

Disulfiram ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit. Es ist ein Carbamat-Derivat, also ein Abkömmling der Carbamate. Disulfiram hemmt den vollständigen Abbau von Alkohol. Es ist ein weißes kristallines (kristallbildendes) Pulver, welches nicht in Wasser löslich ist. Disulfiram sollte nicht alleine, sondern im Rahmen einer ganzheitlichen Entwöhnungstherapie von Alkoholkranken als Begleittherapie eingesetzt werden. 

Medikamente mit Disulfiram

Medikament Wirkstoff(e) Zulassungsinhaber
Thiuram-Mix 1%, Testsalbe Thiram Disulfiram SmartPractice Europe GmbH
Tetraethylthiuramdisulfid (Disulfiram) 0,25%, Testsalbe Disulfiram SmartPractice Europe GmbH

Wirkung

Disulfiram wird als Begleittherapie zur Entw√∂hnung von alkoholkranken Menschen eingesetzt. Es wird im K√∂rper zu Diethylthiocarbonat umgewandelt, welches in der Leber das Enzym Aldehyd-Dehydrogenase gezielt (selektiv) und nicht umkehrbar (irreversibel) blockiert. Alkohol wird im K√∂rper zuerst durch das Enzym Alkohol-Dehydrogenase zu Acetaldehyd, einen f√ľr den K√∂rper giftigen (toxischen) Stoff umgebaut, und danach durch die Aldehyd-Dehydrogenase zur f√ľr den K√∂rper ungef√§hrlichen Essigs√§ure¬†umgewandelt. Weil aber Disulfiram die Aldehyd-Dehydrogenase unterbindet, kommt es nicht zur Umwandlung in die ungef√§hrliche Essigs√§ure, sondern der giftige (toxische) Acetaldehyd h√§uft sich (akkumuliert) im K√∂rper. Jedes Mal, wenn die alkoholkranke Person nun Alkohol zu sich nimmt, kommt es zu einer Reihe von Unvertr√§glichkeitsreaktionen, weil die Konzentration des giftigen Acetaldehyds steigt.¬†

Folgende Reaktionen werden wahrgenommen:

Durch diese zahlreichen unangenehmen Reaktionen soll eine Abneigung gegen√ľber Alkohol bei den Betroffenen ausgel√∂st werden (Aversionstherapie). Die Wirkung dieser Unvertr√§glichkeitsreaktionen h√§lt solange an, bis der Alkohol vollst√§ndig abgebaut wird.¬†

Zus√§tzlich hemmt Disulfiram auch das Enzym Dopamin-ő≤-Hydroxylase. Dieses Enzym ist f√ľr die Umwandlung von¬†Dopamin in Noradrenalin verantwortlich. Durch die Hemmung wird die R√ľckfallwahrscheinlichkeit gesenkt.¬†

Dosierung

Nehmen Sie Disulfiram immer genau wie in der Packungsbeilage beschrieben bzw. genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.

Die empfohlene Einnahme ist 800 mg/Tag zu Beginn der Behandlung f√ľr 2-3 Tage.¬†

Nach 2-3 Tagen wird eine t√§gliche Dosis von 100-200 mg/Tag empfohlen. Die Dauer der Einnahme sollte mindestens 6 Monate betragen, kann aber unter Umst√§nden auch einige Jahre dauern. Es wird empfohlen, Disulfiram in Gegenwart einer vertrauten Person einzunehmen. Disulfiram sollte am Abend eingenommen werden, da es zu starker M√ľdigkeit kommen kann. Regelm√§√üige Blutabnahmen zur Kontrolle der Leberfunktion sind ebenfalls empfohlen.

Nebenwirkungen

Es kann zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

HäufigkeitNebenwirkungen
Sehr häufig

Verwirrung, Merk- und Konzentrationsst√∂rungen, Unruhe, Manie, Depression, Kopfschmerzen, Schl√§frigkeit, M√ľdigkeit, Mattigkeit

Häufig

Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, veränderte Geschmacksempfindung, Mundgeruch, Anstieg der Leberwerte

Gelegentlich

√úberempfindlichkeit, Schwellungen der Haut und Schleimhaut, Juckreiz, Hautausschlag

Selten

Wahrnehmungsst√∂rungen, Gef√ľhlsst√∂rungen, Erregung, Selbst√ľbersch√§tzung, Wahnvorstellungen und Halluzinationen, Nervenfunktionsst√∂rungen, Zittern, Farbsehst√∂rungen, Muskel- und Gelenkschmerzen

Sehr selten

Impotenz, Ver√§nderung des sexuellen Verlangens,¬†Bluthochdruck, Entz√ľndung des Sehnervs, Krampfanf√§lle, Gangunsicherheit und Bewegungsst√∂rungen, St√∂rungen der Feinmotorik, Sprachprobleme, Leberkoma, akutes Leberversagen, massive Leberentz√ľndung (Hepatitis), Leberzellsch√§den, die in einzelnen F√§llen t√∂dlich verlaufen k√∂nnen, Fieber, Blasenbildung, Anstieg der Ketok√∂rper (Aceton√§mie), Anstieg des Cholesterins

Häufigkeit unbekanntSchmerzen im Oberbauch

Wechselwirkungen

Während der Disulfiramtherapie sollte die Einnahme von Alkohol unbedingt vermieden werden, da es sonst zu tödlichen (letalen) Komplikationen wie z.B. zu einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) oder Angina pectoris kommen kann. Unverträglichkeitsreaktionen treten bereits ab einer Menge von 3 g reinem Alkohol (Ethanol) auf, das entspricht ca. 75 ml Bier oder 32 ml Wein. Zu beachten ist, dass auch in einigen Arznei- oder Lebensmitteln Alkohol enthalten ist (Hustensäfte, Tinkturen, Pralinen mit Alkoholgehalt, etc.). Eine Bereitschaft zum Verzicht auf Alkohol sollte bei Betroffenen auf jeden Fall vorliegen. 

Bei gleichzeitiger Einnahme von folgenden Arzneimitteln können Wechselwirkungen auftreten:

Disulfiram kann die Wirkung von folgenden Arzneimitteln verstärken:

  • Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmittel, angstl√∂sende Medikamente)
  • Phenytoin (Medikamente gegen Epilepsie)
  • Clomipramin (stimmungsaufhellende Medikamente)
  • Pimozid (Medikament bei seelischen Erkrankungen)
  • Rifampicin und Isoniazid (Tuberkulosemedikamente)
  • Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung (‚ÄúBlutverd√ľnner‚ÄĚ)
  • Metronidazol (Medikament bei Infektionen)
  • Theophyllin (Medikament bei Atemwegserkrankungen)

Folgende Medikamente verstärken die Unverträglichkeitsreaktionen:

  • Cyanamid
  • Metronidazol
  • trizyklische Antidepressiva
  • MAO-Hemmer
  • Chlorpromazin
  • Phenothiazinverbindungen
  • blutdrucksenkende Medikamente (Vasodilatantien, Alpha- und Beta-Rezeptorblocker)

Medikamente zur Behandlung von Allergien (Antihistaminika) und Diazepam können die Unverträglichkeitsreaktionen abschwächen.

Disulfiram sollte nicht mit aldehydhältigen Medikamenten eingenommen werden. 

Arzneimittel zur Neutralisierung von Magensäure (Antazida) können die Disulfiramaufnahme abschwächen.

Gegenanzeigen

Disulfiram darf in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:

  • bei einer Allergie gegen Disulfiram
  • bei einer Allergie gegen Nickel, da hier ein erh√∂htes Risiko f√ľr das Entstehen von Leberentz√ľndungen (Hepatitis) vorliegt.¬†
  • bei erniedrigtem Serum-Albumin und einem Serum Bilirubin-Wert von >25 mmol/L
  • bei Angina pectoris
  • bei Herzmuskelerkrankungen
  • bei Herzrhythmusst√∂rungen
  • bei schweren Kreislaufst√∂rungen mit besonders niedrigem Blutdruck (Hypotonie)
  • bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • bei schweren Leber- und Nierenfunktionsst√∂rungen
  • bei Schilddr√ľsenerkrankungen
  • bei Lungen- und Atemwegserkrankungen
  • bei Epilepsie
  • bei Psychosen
  • bei schwerer Pers√∂nlichkeitsst√∂rung
  • bei Alkoholkonsum (w√§hrend und bis zu 14 Tage nach Ende der Therapie)
  • bei akuter Alkoholvergiftung oder bei Restalkohol im Blut

Altersbeschränkung

Disulfiram ist f√ľr Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht freigegeben.¬†

Bei Patienten √ľber 65 Jahren sollte eine m√∂glichst geringe Dosierung¬†verabreicht werden.

Schwangerschaft & Stillzeit

In der Schwangerschaft ist Disulfiram nicht zugelassen.

In der Stillzeit¬†ist Disulfiram nicht zugelassen, weil es in die Muttermilch √ľbergeht.

Geschichte zum Wirkstoff

Disulfiram wurde schon im 19. Jahrhundert verwendet, und zwar zur Vulkanisation von Kautschuk bei der Herstellung von Gummi. Zuf√§lligerweise entdeckte man 1937, dass es bei Fabrikarbeitern zu Unvertr√§glichkeit gegen√ľber alkoholischen Getr√§nken kam. In der Schweiz wurde Disulfiram erstmals 1949 zugelassen. In Deutschland ist Disulfiram seit 2013 nicht mehr zugelassen.

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code N07BB01, P03AA04
Summenformel C10H20N2S4
Molare Masse (g¬∑mol‚ąí1) 296,539
Aggregatzustand fest
Dichte (g¬∑cm‚ąí3) 1,3
Schmelzpunkt (¬įC) 69-72
Siedepunkt (¬įC) 117
CAS-Nummer 97-77-8
PUB-Nummer 3117
Drugbank ID DB00822

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Thomas Hofko

Thomas Hofko
Autor

Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor f√ľr pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders f√ľr die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

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