Hirnhautentzündung (Meningitis), bakteriell

Hirnhautentzündung (Meningitis), bakteriell
Internationale Klassifikation (ICD) G00.9
Symptome Gliederschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Schmerzempfindlichkeit, Erbrechen, Fieber, Kopfschmerzen
Mögliche Ursachen Bakterien
Mögliche Risikofaktoren Tröpfcheninfektion

Grundlagen

Unter Meningitis versteht man eine Entzündung der weichen Hirnhäute und des Rückenmarks, die durch verschiedene Erreger wie etwa Bakterien, Viren und in seltenen Fällen auch Pilze und Parasiten hervorgerufen wird.

Von der bakteriellen Meningitis, die eine sehr gefährliche Art der Meningitis darstellt, sind hauptsächlich Kinder und Jugendliche betroffen. Erfolgt keine entsprechende Behandlung, kann die Erkrankung letal verlaufen.

Besonders bedrohlich ist die Meningokokken- Meningitis, da diese sich epidemisch ausbreiten kann. Auch wenn die Meningokokken- Meningitis weltweit anzutreffen ist, liegt die Zahl der Erkrankungen in den Industrieländern bei 0,5 bis 5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner.

In Deutschland besteht Meldepflicht, falls ein Krankheitsverdacht, sowie eine Erkrankung selbst und Tod durch eine Meningokokken- Infektion bestehen.

Ursachen

Die bakterielle Meningitis wird durch verschiedene Bakterienarten ausgelöst. Zu den häufigsten zählen Meningokokken, Pneumokokken, Listerien, Staphylokokken, Enterobakterien, sowie Hämophilus influenzae.

Meningokokken können den Nasen- Rachen- Raum besiedeln und dort auch völlig symptomlos verweilen. Dennoch können diese Bakterien auf andere Menschen übertreten und bei diesen eine Hirnhautentzündung auslösen. Bislang ist noch nicht geklärt, aus welchem Grund Bakterien bei manchen Menschen Meningitis auslösen, bei anderen wiederum nicht.

Übertragung:

Die Übertragung von Meningokokken erfolgt in erste Linie durch Tröpfchen in der Atemluft (Tröpfcheninfektion), in manchen Fällen jedoch auch durch direkten Kontakt mit infektiösen Menschen. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Meningitis infolge von eingewanderten Bakterien aus infizierten Nasennebenhöhlen oder von Mittelohrentzündungen kommen. Die Inkubationszeit bei dem Großteil der Meningokokken-Infektionen beträgt im Durchschnitt zwei bis fünf Tage, manchmal auch bis zu zehn Tage.

Symptome

Die Symptome einer bakteriellen Meningitis treten schnell zum Vorschein. Anfangs können sie Ähnlichkeit mit den Anzeichen eines grippalen Infekts haben:

  • Hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Starke Lichtempfindlichkeit
  • Hohe Schmerzempfindlichkeit

Wenige Stunden nach Auftreten der ersten Symptome kommt es zu einer Versteifung des Nackens (Meningismus). In extremem Fällen biegt sich die Wirbelsäule zusätzlich noch nach hinten. Schreitet der Verlauf fort, kommt es zu Verwirrtheitszuständen, Bewusstseinsstörungen, epileptischen Anfällen und eventuell Lähmungserscheinungen, falls das Gehirngewebe ebenfalls von der Entzündung betroffen ist (Meningoenzephalitis). Einige Erkrankte leiden zusätzlich noch unter Hörstörungen, da als Begleiterscheinung auch das Innenohr betroffen sein kann (Labyrinthitis).

Als Beweis, dass Meningokokken der Auslöser der Meningitis sind, gelten plötzlich auftretende Veränderungen der Haut. Diese äußern sich als kleine, pünktchenartige Blutungen in der Haut, die auch Petechien genannt werden. Der häufigste Entstehungsort sind die Beine.

Säuglinge und Senioren:

Bei älteren Menschen und Säuglingen äußern sich die Symptome meist nicht so eindeutig. Bei betroffenen Säuglingen ist oft Trinkfaulheit, Schläfrigkeit und Apathie zu beobachten. Ältere Menschen hingegen, die weniger von Fieber betroffen sind, zeigen oft Verwirrtheit als einziges Symptom, weshalb eine Meningitis- Infektion leicht mit einem Schlaganfall verwechselt werden kann.

Diagnose

Die Diagnose einer Meningitis lässt sich oftmals schon anhand der Krankengeschichte, sowie der körperlichen Untersuchung stellen. Charakteristisch für Meningitis ist dabei, dass der Erkrankte in liegender Position den Kopf nicht heben kann und im Sitzen das Kinn nicht bis zur Brust senken kann. Diese Bewegungen sind äußerst schmerzhaft. In der Fachsprache bezeichnet man diese Symptomatik als Meningismus (Nackensteifigkeit).

Lumbalpunktion:

Um eine Meningitis sicher zu diagnostizieren und um den Erreger zu ermitteln, wird Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) aus dem Rückenmarkskanal entnommen (Lumbalpunktion). Anhand dieser Rückenmarksflüssigkeit lässt sich der Erreger mikroskopisch oder durch gezieltes Anzüchten identifizieren (Liquordiagnostik).  

Bluttest und PCR:

Infolge wird eine Blutprobe entnommen, um Art und Menge der Bakterien zu ermitteln. Besteht der Verdacht auf eine Meningokokken-Meningitis, wird bevorzugt die Polymerase- Kettenreaktion (PCR) durchgeführt, da sie eine besonders schnelle Nachweismethode darstellt. Anhand der Blutprobe können auch Entzündungswerte herausgefunden werden, die bei einer Meningitis erhöht sind.

Weitere Untersuchungen:

Weitere Untersuchungsmethoden sind die Kernspin-Tomografie oder die Computertomografie. Mithilfe dieser Untersuchungen können Komplikationen und schwere Verläufe frühzeitig erkannt werden (beispielsweise Hirnschwellungen und Abfluss-Störungen des Gehirnwassers), sowie der Ursprungsort der Infektion herausgefunden werden (z. B.: Nasen- Nebenhöhlen- Entzündungen, Entzündungen des Warzenfortsatzes hinter dem Mittelohr).

Bedingt durch eine bakterielle Hirnhautentzündung kann es auch zu Hör- und Gleichgewichtsstörungen kommen, die mithilfe von audiometrischen Hörprüfungen, akustisch evozierten Potentialen (Hirnstammaudiometrie, AEP) sowie Gleichgewichtsprüfungen überprüft werden können.

Therapie

Eine bakterielle Hirnhautentzündung sollte keinesfalls selbst behandelt werden, weshalb der Betroffene sich sofort in ärztliche Behandlung begeben sollte.

Nach Blut- und Liquorentnahme (d.h. Entnahme von Nervenflüssigkeit) erfolgt sofort eine Behandlung mit Antibiotika. Dies geschieht auch, falls nur ein Verdacht besteht und der eindeutige Erreger noch nicht feststeht. In diesem Fall wird eine Kombination aus mehreren Antibiotika (Cephalosporin und Ampicillin) verabreicht.

Nachdem der Erreger bekannt ist und seine Antibiotika- Empfindlichkeit geprüft wurde, erfolgt die Weiterbehandlung mit nur einem passenden Medikament. Ergänzend dazu wird noch ein Cortisonpräparat (Dexamethason) gegeben, das einer Hirnschwellung entgegenwirken soll. 

Menschen, die von einer bakteriellen Meningitis betroffen sind, sollten unbedingt im Krankenhaus behandelt werden. Oftmals ist sogar eine Aufnahme auf der Intensivstation nötig. Innerhalb der ersten Tage erfolgt eine isolierte Behandlung, um eine weitere Ansteckung zu vermeiden. Zeigt die Antibiotika- Therapie erste Wirkungen, ist die Gefahr der Ansteckung vorbei.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist, insofern sich der Betroffene nicht bei Meningitis- Erkrankten angesteckt hat, den Ausgangsort der Infektion zu beheben. Aus diesem Grund wird zuerst eine Untersuchung durch den HNO-Arzt vorgenommen, später dann noch eine Untersuchung des Brust- und Bauchraums. Wird eine Nebenhöhlen- oder Warzenfortsatzentzündung, oder ein Abszess gefunden, wird dies so schnell wie möglich operativ behoben.

Prognose

Der Allgemeinzustand des Erkrankten, sowie der Zeitpunkt des Therapiebeginns sind ausschlaggebend für den Heilungsprozess. Die beste Prognose verzeichnet die Meningokokken-Infektion. Hier liegt die Letalität im Durchschnitt bei 10%.

Gegensätzlich dazu liegt die Letalität bei einer Pneumokokken-Infektion bei rund 25%, bei Listerien bei etwa 50%.

Bei Säuglingen und älteren Menschen liegt oft eine schlechtere Prognose vor. Der Grund dafür ist, dass die Hirnhautentzündung oft erst später erkannt und behandelt wird. Infolgedessen liegt die Sterblichkeit hier bei rund 70%.

Etwa die Hälfte der betroffenen Personen mit bakterieller Hirnhautentzündung leiden unter Komplikationen wie etwa Hirnnervenlähmungen, Schlaganfällen oder einem Hirnödem (Wasseransammlung im Gehirn).

Ist die Meningitis einmal überstanden, leidet ein Teil der Patienten immer noch unter anhaltenden Folgeerscheinungen, wie etwa Hörstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Lähmungen, sowie epileptischen Anfällen.

Vorbeugen

Um eine bakterielle Meningitis vorzubeugen, hat die Ständige Impfkommission des Robert-Koch- Instituts (STIKO) eine Impfempfehlung für Säuglinge und Kleinkinder herausgebracht. Hierbei stehen Impfungen gegen Hämophilus influenzae, Pneumokokken und Meningokokken zur Verfügung.

Für Erwachsene gilt diese Impfempfehlung nur, wenn ihr Immunsystem durch eine chronische Erkrankung geschwächt ist, sie in einem mikroskopischen Labor mit infektiösem Material in Kontakt kommen, oder eine Reise in ein Land geplant ist, in dem die bakterielle Meningitis häufig auftritt. Dies ist zum Beispiel in Afrika der Fall. Man spricht auch von dem Meningitis- Gürtel, der ein Gebiet bezeichnet, in dem öfter Epidemien von bakteriellen Hirnhautentzündungen durch Meningokokken auftreten.

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