Long Covid (Post-Covid-Syndrom)

Long Covid (Post-Covid-Syndrom)
Internationale Klassifikation (ICD) U09.-!

Grundlagen

Nach einer akuten COVID-19-Erkrankung k√∂nnen bestimmte Symptome eine l√§ngere zeitliche Periode anhalten. H√§ufig werden diese Beschwerden innerhalb weniger Wochen deutlich gebessert. In manchen F√§llen k√∂nnen bei betroffenen Personen bestimmte gesundheitliche Beeintr√§chtigungen jedoch noch l√§nger nach der akuten COVID-19-Erkrankung vorhanden sein, der Genesungsprozess dauert deutlich l√§nger oder es entstehen neue Symptome in Assoziation mit COVID-19. Solche Symptome nach einer COVID-Erkrankung, welche l√§nger anhalten oder neu entstehen, bezeichnet man als ‚ÄěLong-COVID‚Äú. Betroffene Patienten sind von einer akuten Sars-CoV-2-Infektion genesen und besitzen daher (im Regelfall) keine nachweisbaren Coronaviren mehr im K√∂rper, verzeichnen jedoch Symptome. Dabei wird Long-COVID f√ľr Symptome, welche l√§nger als 4 Wochen nach der akuten Erkrankung bestehen, verwendet. In diesem Zusammenhang wird ein Krankheitsbild ab der 12. Woche nach Infektion mit ‚ÄěPost-COVID‚Äú bezeichnet. Diese beiden Bezeichnungen werden im Folgenden als Post-COVID-Syndrome (kurz: PCS) zusammengefasst.

Ursachen

Zurzeit ist noch nicht konkret erforscht worden, wie sich Long Covid entwickelt und was dessen Ursache(n) sind. Dabei können auch von PCS betroffene Personen innerhalb der Familie unterschiedliche Symptome haben, da dieses Krankheitsbild sehr individuelle Ausprägungen besitzt. Folgende Erklärungen zur Ursache wären:

  • Langdauernde Entz√ľndung bestimmter Organe durch das Virus¬†
  • Erniedrigter Blut-Sauerstoffgehalt und folglich eventuell st√§rkere Ersch√∂pfung und l√§ngere Heilungsdauer
  • Anhaltende starke Reaktion des menschlichen Immunsystems auf die Infektion
  • Keine oder marginale Immun-Abwehr und dadurch keine Viruseliminierung aller Viren.
  • Durchgehende Infektion mit SARS-CoV-2
  • K√∂rperliche Folgen und psychische Belastungen durch einen starken Krankheitsverlauf (d.h. mit Krankenhausaufenthalt und/oder intensivmedizinische Behandlung)
  • Trainingsmangel bzw. ein R√ľckgang der k√∂rperlichen Gesundheit nach einer l√§ngeren Zeit der Bettruhe und Inaktivit√§t
  • Verschlechterung vorbestehender Erkrankungen
  • Folgen von Erlebnissen mit der Erkrankung und des Lockdowns

Symptome

Ungef√§hr 10% der an einer Form von PCS Erkrankten berichtet unter anderem √ľber folgende Beschwerden. Dabei existieren laut Literatur unterschiedliche Formen von Long- bzw. Post-Covid. Bei einer Form √ľberwiegt Fatigue und bei einer zweiten andere bzw. weitere k√∂rperliche Beschwerden.¬†

Bei der H√§ufigkeit von PCS-Beschwerden geben unterschiedliche Studien teilweise widerspr√ľchliche Informationen wieder, weswegen es schwer ist, eine genaue Pr√§valenz zu deuten. Zu Beginn verzeichnen ungef√§hr 10-15% der symptomatisch Erkrankten Beschwerden, wobei nach 8 Wochen die Zahl auf 5 sinkt und nach 12 Wochen 2 von 100 symptomatisch erkrankten Personen.

Die Symptome einer Long- bzw. Post-Covid Erkrankung sind sehr individuell und vielf√§ltig, weshalb es f√ľr √Ąrztinnen und √Ąrzten nicht immer einfach ist, die Symptome richtig zuzuordnen. Die Symptome k√∂nnen einzeln oder jedoch in Kombination auftreten und unterschiedlich lange anhalten, wobei akute Symptome auch entweder anhaltend oder in Wellen nach einer beschwerdefreien Zeit wieder auftreten k√∂nnen (d.h. im Intervall).

Häufigste Beschwerden von PCS sind unter anderem:

  • Fatigue:
    Dabei f√ľhlt man sich sehr m√ľde, ausgelaugt und ersch√∂pft. Schon einfache k√∂rperliche bzw. geistige T√§tigkeiten f√ľhlen sich schwer an und der Schlaf wirkt nicht erholsam und lindert nicht das Symptom. Solch ein Zustand ist auch bei anderen Viruserkrankungen und nach Behandlungen im Krankenhaus, besonders auf der Intensivstation, bekannt. Auch bei Multipler Sklerose bzw. auch anderen bestimmten Autoimmunerkrankungen ist Fatigue ein h√§ufig auftretendes Symptom. H√§ufig bessern sich diese Zust√§nde bei PCS-Patienten von allein (bzw. verschwinden), in manchen F√§llen nach drei Monaten nach der Covid-19 Erkrankung.
  • Post-Exertional Malaise, kurz PEM:
    Hier zeigt sich durch eine geschw√§chte Leistungsf√§higkeit nach einfachen k√∂rperlichen bzw. geistigen Anstrengungen eine Verschlimmerung der Symptome (d.h. Belastungsintoleranz). Dies kann sich entweder sofort oder zeitverz√∂gert nach 1-3 Tagen nach der Belastungsphase zeigen. Dabei f√ľhlen sich die Betroffenen Personen krank, wobei das Symptom Tage oder auch Wochen anhalten kann. Auch hier ist die genaue Ursache unbekannt, es wird jedoch angenommen, dass die Steuerung der Blutverteilung in der Belastungsphase beeintr√§chtigt ist und es hier schnell zur unzureichenden Sauerstoffversorgung im Gehirn und den Muskeln bzw. eine Art ‚ÄěMuskelkater‚Äú kommen kann.
  • Kurzatmigkeit, Atembeschwerde
  • Herzrasen, Herzstolpern, Palpitation (d.h. Herzflattern)
  • Dauernde Geruchs- und Geschmacksst√∂rung
  • Schlafst√∂rung

Eventuell kann es auch zu folgenden Symptomen kommen: 

  • Brustschmerz
  • Husten
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Sensibilit√§tsst√∂rung (z.B.: Taubheitsgef√ľhl)
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel, Kreislaufprobleme (z.B.: orthostatische Dysregulation)
  • vermindertes Appetitgef√ľhl
  • Haarausfall
  • Hautausschlag
  • Fiebersch√ľbe
  • Ged√§chtnis- und Konzentrationsst√∂rung
  • Depressionen, Angstzust√§nden
  • Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes)
  • Durch ein Blutgerinnsel verstopftes Blutgef√§√ü (d.h. Thromboembolie)

Diagnose

Zu Beginn wird von der behandelnden Person eine genaue Anamnese durchgef√ľhrt, wobei alle Beschwerden und Auswirkungen auf den Alltag miteinbezogen werden. Folglich kommt es auch zu einer k√∂rperlichen Untersuchung, wodurch die √Ąrztin bzw. der Arzt die psychische Verfassung und den individuellen Leidensdruck des Patienten erfasst. Dabei sollten andere Erkrankungen mit √§hnlicher Symptomatik ausgeschlossen werden. In weiterer Folge entscheidet dann die behandelnde Person √ľber die Notwendigkeit weiterf√ľhrender Schritte. √Ąrztinnen und √Ąrzte empfehlen eine Untersuchung unmittelbar nach einer Covid-19 Erkrankung ‚Äď besonders wenn man eine k√∂rperlich anstrengende T√§tigkeit im Beruf aus√ľbt. Dadurch k√∂nnen eventuelle Folgesch√§den fr√ľhzeitig entdeckt und dementsprechend behandelt werden.

Untersuchungen zufolge sind Frauen h√§ufiger betroffen als M√§nner, wobei Jugendliche seltener als Erwachsene an PCS erkranken. Kinder sind am wenigsten betroffen. Die gr√∂√üte H√§ufigkeit ist bei der Altersgruppe der 30-50-J√§higren zu finden. J√ľngsten Statistiken zufolge sind Asthmatiker, an Blutdruck Erkrankte Personen, Diabetiker und √ľbergewichtige Menschen etwas h√§ufiger betroffen, wobei anzumerken ist, dass auch Personen ohne diese Merkmale auch betroffen sein k√∂nnen.

Therapie

Bei einer Behandlung von PCS wird versucht, die Symptome gezielt zu bek√§mpfen, wodurch eine chronische Symptomatik verhindert werden soll. Da die Beschwerden vielf√§ltig und individuell sein k√∂nnen, unterscheiden sich die Therapieans√§tze auch. Je nach Notwendigkeit wird der Behandlungsplan an die betroffenen Patienten angepasst. Gew√∂hnlich werden die Personen mit PCS durch die Haus√§rztin bzw. den Hausarzt √ľberwacht, wobei je nach Bedarf auch anderes medizinisches Fachpersonal daran beteiligt sein kann. Folgend sind einige Therapiem√∂glichkeiten genannt:

  • Rehabilitation bzw. Kur: Bei dieser Ma√ünahme sollen betroffene geschw√§chte K√∂rperfunktionen gebessert werden, wodurch die erneute beschwerdefreie Teilnahme im allt√§glichen Leben wieder erm√∂glicht werden soll.¬†
  • Pacing: Falls Betroffene den Zustand von Fatigue bzw. Post-Exertional Malaise zeigen, wird diese Methode empfohlen. Beim Pacing lernen die Betroffenen im Rahmen des Energiemanagements ihre zur Verf√ľgung stehenden Kr√§fte richtig einzuteilen und sich nicht zu √ľberanstrengen. Dies wird unter anderem mit Hilfe von Herzfrequenz- bzw. Aktivit√§tsmonitoring bewerkstelligt, wodurch die individuellen Kraftgrenzen verdeutlicht werden k√∂nnen und so der Alltag eventuell leichter gemeistert wird.
  • Coping: Hier erlernen Betroffene mit belastenden Situation angemessen umzugehen und entwickeln dementsprechend ein Coping-Verhalten.
  • Krankenstand bei Long- bzw. Post-Covid: Falls Covid-19 betroffene Personen nach der Absonderung weiterhin gesundheitliche Beschwerden zeigen und nicht arbeitsf√§hig sind, kann die Haus√§rztin bzw. der Hausarzt eine Krankmeldung schreiben. F√ľr einen schrittweisen Wiedereinstieg in den Beruf nach dem Krankenstand kann auch eventuell eine Wiedereingliederungsteilzeit mit reduzierter Arbeitszeit vereinbart werden.
    In √Ėsterreich finden Sie dazu mehr Informationen unter fit2work.

Prognose

Aktuell ist unklar, wie h√§ufig es zu bleibenden Sch√§den kommen kann. Zurzeit k√∂nnen √Ąrztinnen und √Ąrzte nur schwer deuten, wie lange die betroffenen Personen unter den Symptomen leiden. Auch die Risikofaktoren f√ľr ein PCS sind noch ungekl√§rt, jedoch existieren Unterschiede in der Art der Beschwerden nach einer Covid-19 Erkrankung. Nach einem schweren Covid-19 Verlauf kommt es h√§ufiger zu Organsch√§den (z.B.: Lunge, Herz bzw. Niere) als nach einem milden Verlauf. Dabei k√∂nnten bestimmte gesundheitliche Langzeitfolgen in Verbindung stehen.

Unklar ist noch, wie lange die Symptome anhalten können. Dabei bessert sich in den meisten Fällen die Mehrheit der PCS-Fälle nach vier bis acht Wochen. In wenigen Fällen können die Beschwerden mehr als 12 Monate anhalten. Die Beschwerden können sich auch erst nach 6 Monaten nach einer Covid-19-Erkrankung entwickeln.

Vorbeugen

Aktuell ist zur Vorbeugung von Long- bzw. Post-Covid wenig bekannt. Zurzeit ist laut Experten ein Schutz vor PCS durch Vermeiden des Coronavirus SARS-CoV-2 durch die Impfung und empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen am besten gegeben. 

Falls Sie sich √ľber Ihr Befinden bez√ľglich Covid-19 Sorgen machen, k√∂nnen Sie unabh√§ngig davon, ob Sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden oder nicht, einen Arzt bzw. Ihren Hausarzt aufsuchen. Nach einer ausf√ľhrlichen Befragung k√∂nnen Sie eventuell schon eine erste medizinische Einsch√§tzung Ihrer Beschwerden bekommen.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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