Ein- und Durchschlafstörungen

Ein- und Durchschlafstörungen
Internationale Klassifikation (ICD) G47.0

Grundlagen

Schwierigkeiten beim Einschlafen oder Durchschlafen kennt vermutlich jeder von uns. Schlafstörungen gehören mit einer Häufigkeit von 6 bis 10% der Bevölkerung zu den verbreitetsten Gesundheitsproblemen. Während einzelne unruhige Nächte bei fast allen Menschen auftreten können, sollte man bei andauernden Schlafproblemen über einen Monat die Ursachen abklären lassen. Die notwendige Schlafdauer ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich und nimmt in der Regel mit dem Alter zunehmend ab. Während ein Schulkind etwa neun Stunden Schlaf benötigt, sind es beim Erwachsenen im Schnitt nur noch sieben Stunden und bei betagteren Menschen gar nur mehr sechs Stunden. Dabei handelt es sich jedoch um Durchschnittswerte, die individuell stark abweichen können.

In der Fachsprache wird die Schlaflosigkeit „Insomnie“ und der Schlafmangel „Hyposomnie“ bezeichnet. Andere Schlafstörungen, wie etwa Albträume, Schlafwandeln oder nächtliche Atemstörungen (Schlafapnoe) fallen nicht unter diesen Begriff.

Ursachen

Schlaflose Nächte können einige verschiedene Ursachen haben. Psychische Belastungsfaktoren, wie etwa Stress im Beruf oder familiäre Probleme, können zu nächtlichem Grübeln führen. Die Anfälligkeit sich Sorgen zu machen kann etwa bei einem sehr perfektionistischen Charakter erhöht sein. Auf der anderen Seite können selbstverständlich auch körperliche Ursachen wie Schmerz, Harndrang oder chronische Krankheiten den Schlaf beeinträchtigen. Auch die Einnahme von bestimmten Substanzen kann einen Einfluss haben: Neben Koffein, Alkohol und Drogen können auch manche Medikamente die Schlafqualität stören. Nicht zuletzt kann natürlich auch eine laute, helle oder unbequeme Schlafumgebung einer erholsamen Nacht im Wege stehen.

Symptome

Im Vordergrund steht die unzureichende Dauer oder Qualität des nächtlichen Schlafes. Diese Schwierigkeiten können von Mensch zu Mensch unterschiedliche Formen annehmen. Während eine Person sehr lange zum Einschlafen braucht, wacht womöglich eine andere zu früh auf und kann nicht mehr weiterschlafen. Jedoch bei allen ergeben sich am Folgetag Probleme wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und verminderte Leistungsfähigkeit oder Belastbarkeit. 

Diagnose

GRUNDLEGENDE DIAGNOSTIK    

Grundlage für die Diagnose ist die Erhebung der Beschwerden. Ab einer Dauer von einem Monat und einer Häufigkeit von mindestens drei Nächten pro Woche gelten die Symptome als Ausdruck einer Schlafstörung. Dabei kann es hilfreich sein, noch vor einem Besuch in einer Ordination ein Schlaftagebuch zu führen. In diesem sollten folgende Informationen notiert werden:

Erholsamkeit des Schlafes

Koffeinkonsum

Alkoholkonsum

Medikamenteneinnahme

stressige Ereignisse am selben Tag

Schmerzen

In der Arztpraxis können daraufhin die Schwere der Schlafstörung und möglichen Ursachen eingeschätzt werden. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung inklusive Blutabnahme.


SCHLAFLABOR

In manchen Fälle kann eine Überwachung in einem Schlaflabor weitere wichtige Informationen liefern. Dabei kommen folgende Untersuchungen zum Einsatz:

Elektroenzephalogramm (EEG): Dabei werden Elektroden auf den Kopf geklebt oder mittels einer speziellen “Haube” auf die Kopfhaut gebracht. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, kann jedoch etwas kribbeln oder die Haut aufreiben. Die Hirnaktivität sieht man dann in Form von Wellen, welche Aufschlüsse über die Tiefe des Schlafes geben können.

Herzfrequenz: Damit kann man Herzrhythmusstörungen oder Stressreaktionen (z.B. während nächtlichen Atempausen) erkennen.

Atemmuster: Beispielsweise kann man dadurch nächtliche Atempausen (Schlafapnoe) nachweisen, welche insbesondere bei übergewichtigen Menschen auftreten können. Diese beeinträchtigen die nächtliche Erholsamkeit und werden durch die Verengung der Atemwege durch den erhöhten Körperfettanteil bedingt.

Sauerstoffsättigung (Pulsoxymetrie): Dabei wird mit einem Klipp ein Laser durch den Finger gestrahlt. Auch diese Untersuchung ist schmerzlos und dient dem Nachweis nächtlicher Atemstörungen.

Beinbewegungen: Zum einen kommt es bei dem sogenannten Restless-Legs-Syndrom zu unruhigen Beinen, zum anderen sind die Beinbewegung ein Hinweis für die Tiefe des Schlafes.

Therapie

In vielen Fällen kann gute Schlafhygiene schon eine Verbesserung erzielen. Die Schlafumgebung sollte ruhig, dunkel und gemütlich sein. Außerdem sollte man die Zeit im Bett auf die Schlafenszeit begrenzen und etwa Fernsehen im Bett vermeiden. Das Bett sollte nur mit Schlaf und Entspannung in Verbindung gebracht werden. Die einzige Ausnahme davon ist der Geschlechtsverkehr. Sport untertags kann den Schlaf verbessern, jedoch sollten abends körperlich anstrengende, aber auch geistig fordernde Tätigkeiten vermieden werden. Ein entspannendes Abendritual, wie etwa Lesen, ein warmes Bad nehmen oder einen heißen Kräutertee trinken, kann für die richtige Stimmung zum Einschlafen sorgen. Nicht zuletzt sollte der übermäßige Genuss von Alkohol, Koffein und schwerverdaulichen Speisen vermieden werden.

Als nächsten Schritt kann man durch kognitive Verhaltenstherapie wertvolle Hilfsmittel kennenlernen. Die Therapie wird in Einzel-, Gruppen- oder Online-Sitzungen angeboten. Dabei erlernt man mit Hilfe eines Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin neben Entspannungstechniken auch, wie man seine negativen Denkmuster durchbrechen kann. Zu den eingesetzten Entspannungsmethoden gehören etwa Visualisierungen, progressive Muskelentspannung und Atemübungen.

Manche Behandlungen sind zwar nicht wissenschaftlich belegt, werden jedoch von vielen Menschen zusätzlich zu den obengenannten Therapieansätzen eingesetzt. Darunter fallen beispielsweise Akupunktur, Aromatherapie, Homöopathie, Lichttherapie, Musiktherapie und Yoga.

Kurzfristig können auch Schlafmittel eingesetzt werden. Voraussetzung hierfür ist die vollständige Diagnostik, inklusive Ausschluss behandelbarer Grunderkrankungen, und der erfolglose Therapieversuch mit nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten wie Schlafhygiene und Psychotherapie. Die Gruppe der sogenannten Benzodiazepine kann schnell abhängig machen und auch ernstzunehmende Nebenwirkungen verursachen. Daher raten Expertinnen und Experten von einer dauerhaften Behandlung mit Benzodiazepinen ab. 

Auf folgende Probleme sollte man bei der Verwendung von verschreibungspflichtigen Schlafmitteln achten und im Zweifelsfall eine Fachperson konsultieren:

Gewöhnungseffekt: Wenn man ohne das Medikament nicht mehr schlafen kann.

Entzugserscheinungen: Wenn man bei plötzlichem Absetzen des Medikaments unruhig und ängstlich wird. In der Regel wird die Menge der Substanzen langsam über mehrere Tage ausgeschlichen.

Wirkungsverlust: Trotz Einnahme der Substanz Fortbestehen der Schlafstörung

Lebensbedrohliche Überdosierung oder Überempfindlichkeit: Diese äußert sich durch Verwirrtheit, Ausfall der Atmung und Blaufärbung der Fingerspitzen und Lippen. 

Tagesmüdigkeit: Am Tag nach der Einnahme können Konzentration und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein. Vorsicht bei der Bedienung von Fahrzeugen und anderen Maschinen ist geboten!

Wechselwirkung: Insbesondere Alkohol, starke Schmerzmittel (Opioide), Antihistaminika und Antidepressiva können gefährliche Wechselwirkungen mit Benzodiazepinen haben.

Weitere verschreibungspflichtigen Schlafmittel sind die „Z-Substanzen“ (bspw. Zolpidem). Diese werden aufgrund besserer Verträglichkeit häufig bei älteren Patienten eingesetzt.

Schlafmittel auf Melatonin-Basis sind rezeptfrei erhältlich und wirken auf das Gehirn wie das körpereigene Schlafhormon Melatonin, wodurch ein leichter schlafanstoßender Effekt erzielt werden kann. Dies ist vor Allem bei kurzfristigen Schlafstörungen durch Jetlag oder Schichtarbeit hilfreich. Melatonin ist mitverantwortlich für den natürlichen Schlaf-Wach-Zyklus und wird bei Dunkelheit im Gehirn ausgeschüttet. Die äußere Zufuhr des Hormons ist unbedenklich, jedoch ist die langfristige Wirksamkeit nicht nachgewiesen. Da es häufig nicht als Medikament, sondern als Nahrungsergänzungsmittel verkauft wird, obliegt es nicht den strengen rechtlich festgeschriebenen Qualitätsstandards für Arzneimittel. Dennoch handelt sich es um eine Substanz mit möglichen Überwirkungen und unerwünschten Wirkungen, weshalb die ärztliche Beratung vor und während der Verwendung empfohlen werden kann.

Auch beruhigende Antihistaminika sind rezeptfrei erhältlich, sollten jedoch nicht dauerhaft und nicht von älteren Menschen verwendet werden. Ihr Einsatz beschränkt sich auf vereinzelte unruhige Nächte. Bei häufiger oder dauerhafter Schlafmittelverwendung sollte auch bei rezeptfreien Präparaten eine ärztliche Beratung in Anspruch genommen werden.

Pflanzliche Extrakte aus Passionsblume, Melisse, Hopfen oder Baldrian werden von manchen Menschen zusätzlich eingesetzt. Die Wirksamkeit dieser konnte jedoch wissenschaftlich nicht belegt werden, weshalb keine allgemeine Empfehlung ausgesprochen werden kann.

Prognose

Psychisch bedingte Schlafstörungen sind häufig chronisch. Die besten Ergebnisse können jedoch mit einer kognitiven Verhaltenstherapie erreicht werden. Falls eine körperliche Ursache wie Schmerzen oder eine chronische Erkrankung der Auslöser ist, kann durch Behandlung der Grunderkrankung in den meisten Fällen zumindest eine Besserung erreicht werden. 

Unbehandelte Schlaflosigkeit setzt dem Körper großen Stress aus und kann zu Beschwerden wie depressive Verstimmung und Bluthochdruck führen. Durch Letzteres steigt auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Vorbeugen

Es gibt keine Möglichkeit Ein- und Durchschlafstörungen gezielt zu verhindern. Jedoch kann man durch Früherkennung der Symptome unverzüglich intervenieren und somit Beschwerden und Risiken der Schlaflosigkeit minimieren.

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