Restless Legs Syndrom

Restless Legs Syndrom
Internationale Klassifikation (ICD) G25.-
Symptome Bewegungsdrang in den Beinen, Kribbeln, Elektrisieren, Ziehen, Stechen, Brennen, Ameisenlaufen, Druckgef√ľhl, Kr√§mpfe, Hei√ü- oder Kaltgef√ľhl, unwillk√ľrliche Beinbewegungen, Schmerzen
Mögliche Ursachen genetische Veranlagung, Störung im Eisenstoffwechsel, Störungen im Dopaminstoffwechsel, Mangel an Nährstoffen, Medikamente
Wirkstoffe Levodopa , Pramipexol , Ropinirol , Rotigotin , Oxycodon , Naloxon , Codein , Gabapentin , Clonazepam , Carbamazepin , Valproinsäure , Clonidin , Eisen(II)-sulfat

Grundlagen

Das Restless Legs Syndrom, kurz RLS, ist eine neurologische Erkrankung und äußert sich durch einen meist nachts oder in Ruhesituationen auftretenden unbeherrschbaren Bewegungsdrang der Beine, welcher häufig mit Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen verbunden ist.  Charakteristisch ist eine Besserung der Beschwerden durch Bewegung oder körperliche Aktivität. Die Symptome sind oftmals Ursache von Schlafstörungen und verminderter Schlafqualität.

In den westlichen Industrieländern beträgt die altersabhängige Prävalenz 7-10% und die RLS zählt somit neben der Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Die genauen Ursachen der RLS sind bislang nicht ausreichend gekl√§rt. Es wird von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen, in der St√∂rungen des Eisenstoffwechsels und Ver√§nderungen von Botenstoffsysteme (Neurotransmitter) im Gehirn eine Rolle spielen. Zus√§tzlich besteht in vielen F√§llen eine genetische Veranlagung, welche die Erkrankung beg√ľnstigt.

Laut der 2022 erschienenen Leitlinie zum Restless-Legs Syndrom entsteht das Krankheitsbild durch ein Zusammenspiel genetischer, sozioökonomischer und Umweltfaktoren sowie Komorbiditäten (Begleiterkrankungen).

Bereits im 17. Jahrhundert wurde durch Thomas Willis eine Form der Ruhelosigkeit mit Bewegungsdrang beschrieben. Die Bezeichnung ‚ÄěRestless Legs Syndrom‚Äú ist seit 1945 in Gebrauch und bedeutet w√∂rtlich √ľbersetzt ‚ÄěSyndrom der unruhigen Beine‚Äú.

Abbildung von unruhigen Beinen

AndreyPopov / iStock

Ursachen

Die genauen Ursachen des Syndroms sind noch nicht ausreichend geklärt und Thema aktueller Forschung. Als Faktoren in der Entstehung werden folgende Mechanismen diskutiert:

  • St√∂rung im Eisenstoffwechsel & im Dopaminstoffwechsel des Gehirns:
    Eisen stellt einen wichtigen Cofaktor bei der endogenen Bildung von Dopamin dar. Mithilfe der Aminos√§ure Tyrosin wird die Dopamin-Vorstufe L-Dopa gebildet. Dieser Vorgang folgt einem tageszeitlichen Rhythmus, welcher die Verschlimmerung der Symptome in der Nacht begr√ľnden k√∂nnte.
    Die St√∂rung des Eisenstoffwechsel ist beim RLS meist auf das Gehirn beschr√§nkt kann jedoch auch mit einem Eisenmangel im gesamten K√∂rper verbunden sein. Es wird davon ausgegangen, dass der lokale Eisenmangel die Sauerstoffbereitstellung im Gehirn st√∂rt. Dieser f√ľhrt zu Abweichungen in Neurotransmittersysteme wie Dopamin, Adenosin und Glutamat und folglich zu St√∂rungen in wichtigen Nervenbahnen im Gehirn (Basalganglien).
  • Genetische Veranlagung:
    Aufgrund einer H√§ufung von RLS-Erkrankungen innerhalb von Familien wird eine genetische Pr√§disposition angenommen. Es wurden bereits eine Vielzahl von Genvariationen entdeckt, die das Risiko f√ľr eine RLS-Erkrankung deutlich erh√∂hen.
  • Andere Erkrankungen:
    Eine Reihe anderer Erkrankungen treten geh√§uft in Kombination mit einem RLS auf. Dazu geh√∂ren Niereninsuffizienz, Hyperurik√§mie, Polyneuropathien, Lebererkrankungen, Angstst√∂rungen, Depression, Demenz, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Migr√§ne, Schilddr√ľsenerkrankungen sowie Lungenerkrankungen. Eine Beleg ob die Erkrankungen eine kausale Ursache f√ľr die RLS ist oder ob die Erkrankungen zuf√§llig nebeneinander auftreten ist oft schwierig.
  • Mangel an N√§hrstoffen:
    Neben dem Mangel an Eisen k√∂nnen auch ein Mangel an Vitamin B12, Vitamin D oder Fols√§ure zu einem Restless-Legs-Syndrom oder RLS-√§hnliche Beschwerden f√ľhren.
  • Medikamente:
    u.a. kann die Einnahme von Antidepressiva, Neuroleptika, Antiemetika oder Schilddr√ľsenmedikamenten RLS oder RLS-√§hnliche Beschwerden als Nebenwirkung ausl√∂sen.

Symptome

Die am häufigsten vorkommenden Symptome sind:

  • Bewegungsdrang und Unruhe der Gliedma√üen (haupts√§chlich der Beine).
  • Missempfindungen wie Kribbeln, Elektrisieren, Ziehen, Stechen, Brennen, Ameisenlaufen, Druckgef√ľhl, Kr√§mpfe, W√§rme- oder K√§ltegef√ľhl
  • Unwillk√ľrliche Beinbewegungen
  • Schmerzen

Die Symptomatik zeigt sich typischerweise nachts bzw. in den Phasen k√∂rperlicher Ruhe und beim Liegen. √úblicherweise f√ľhrt das Nachgeben des Bewegungsdranges zu einer sofortigen Linderung der Missempfindungen.

Bild von einem schmerzenden Bein

AndreyPopov / iStock

Folgen der Symptome:

  • Verminderte Schlafqualit√§t
  • Schlafst√∂rungen
  • Tagesm√ľdigkeit
  • Chronische Ersch√∂pfung
  • Konzentrationsst√∂rungen
  • Schwindel, Kopfschmerzen
  • Depressionen

Diagnose

Das RLS wird in erster Linie anhand der typischen Symptomatik diagnostiziert. F√ľr die Diagnose m√ľssen alle f√ľnf Kriterien erf√ľllt werden:

  1. Bewegungsdrang in den Beinen der meist von Schmerzen oder Missempfindungen begleitet wird
  2. Der Bewegungsdrang in den Beinen und die begleitenden Schmerzen oder Missempfindungen verschlimmern sich bei körperlicher Ruhe oder im Liegen/Sitzen
  3. Der Bewegungsdrang in den Beinen und die begleitenden Schmerzen oder Missempfindungen bessern sich durch körperliche Bewegung
  4. Der Bewegungsdrang in den Beinen und die begleitenden Schmerzen oder Missempfindungen treten ausschließlich abends oder nachts auf oder verschlimmern sich abends oder nachts
  5. Die Symptome sind nicht durch andere medizinische Diagnosen oder Behandlungen erklärbar

Weitere Untersuchungen sind f√ľr die Diagnose nicht notwendig, k√∂nnen jedoch hilfreich sein. Zur Beschreibung der Auspr√§gung und Schwere der Erkrankung werden meist Kriterienkataloge (Assessments) herangezogen.

Zusatzkriterien zur Diagnose, die nicht zwingend erf√ľllt werden m√ľssen, sind:

  • Ansprechen (bzw. Besserung der Symptomatik) auf dopaminerge Medikamente (z.B. Gabe von L-Dopa, auch L-Dopa-Test genannt)
  • Positive Familienanamnese
  • Periodische Beinbewegungen beim Schlafen in einem Schlaflabor
  • Schlafst√∂rungen und daraus resultierende Folgen
Knieuntersuchung beim Arzt sasirin pamai / iStock

Bevor eine endg√ľltige Diagnose gestellt wird, sollten auch eine Eisenmangelerkrankungen oder eine Niereninsuffizienz ausgeschlossen werden. Eine Bestimmung der Eisenwerte und des Blutbilds sollte am Zeitpunkt der Diagnosestellung, zu Therapiebeginn und bei jeder Verschlechterung der Symptomatik erfolgen. Die Polysomnographie (Untersuchung im Schlaflabor) ist zur Diagnostik nicht dringend notwendig, kann jedoch oftmals hilfreich sein.

Therapie

Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms orientiert sich am individuellen Leidensdruck des Patienten. Die Therapie von Begleiterkrankungen kann die RLS-Beschwerden lindern oder gänzlich beseitigen. Bisher ist nur eine symptomatische Behandlung möglich.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze:

  • √Ąnderungen der Lebensgewohnheiten
  • Gute Schlafhygiene
  • Ausgewogene Ern√§hrung und Vermeidung von Alkohol und Kaffee
  • Moderate k√∂rperliche Aktivit√§t

Akute Linderung:

  • Massagen
  • K√ľhlende Gele
  • B√§der
  • Gedankliche Ablenkung

Medikamentöse Behandlung:

Die Einnahme von Medikamenten zur Linderung der RLS-Symptomatik muss mit einem Arzt abgesprochen werden und sollte auf die individuellen Symptome des Patienten angepasst werden. Möglichkeiten sind:

Eine Behandlung mit dopaminergen Medikamenten kann zu einer sogenannten Augmentation f√ľhren. Darunter versteht man die Verst√§rkung der Symptome durch die Medikation. Bei einer Augmentation durch L-Dopa wird die Therapie auf Dopaminagonisten umgestellt. Wird im Anschluss auch bei dieser Medikation eine Augmentation festgestellt, k√∂nnen Opioide eingesetzt werden.

Prognose

Da das Syndrom selbst nicht heilbar ist, k√∂nnen lediglich die Symptome durch unterschiedliche Therapieans√§tze behandelt werden. Die Symptome sind anfangs meist mild und ben√∂tigen oft keine Therapie. Eine Verschlechterung √ľber die Zeit ist m√∂glich. Da RLS eine chronische Erkrankung ist, ben√∂tigt sie meist eine lebenslange Behandlung.

Vorbeugen

Bei genetischer Veranlagung ist die direkte Vorbeugung des Restless-Legs-Syndroms kaum bzw. nicht möglich. Eine Lebensweise bestehend aus ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und moderater körperlicher Aktivität kann sich präventiv auf die RLS-Symptome auswirken.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Olivia Malvani, BSc

Olivia Malvani, BSc
Autor

Als Studentin der Ern√§hrungswissenschaften verfasst sie Magazinartikel zu aktuellen medizinisch-pharmazeutischen Themen und verbindet diese mit ihrem pers√∂nlichen Interesse f√ľr pr√§ventive Ern√§hrung und Gesundheitsf√∂rderung.

Dr. med. univ. Bernhard Peuker, MSc

Dr. med. univ. Bernhard Peuker, MSc
Lektor

Bernhard Peuker ist Lektor sowie Medical Advisor bei Medikamio und arbeitet als Arzt in Wien. Bei der Arbeit lässt er sein klinisches Wissen, praktischen Erfahrungen und wissenschaftliche Leidenschaft einfließen.

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