Indapamid

Indapamid
ATC Code C03BA11
Summenformel C16H16ClN3O3S
Molare Masse (g·mol−1) 365,83
Aggregatzustand fest
Schmelzpunkt (°C) 160–162
PKS Wert 8,3
CAS-Nummer 26807-65-8
PUB-Nummer 3702
Drugbank ID DB00808

Grundlagen

Indapamid ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Thiazide, der zur Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) und zum "Ausschwemmen" von Ödemen bei dekompensierter Herzinsuffizienz eingesetzt wird. 

Indikationen und Anwendung

Indapamid wird meistens als Monotherapie oder in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Es kann auch zur Behandlung von Flüssigkeits- und Salzretention im Zusammenhang mit einer Herzinsuffizienz verwendet werden. Im Gegensatz zu anderen Diuretika erwirkt Indapamid nur eine geringe Reduktion der Harnmenge, weshalb es sich gut für Kombinationstherapien mit anderen Blutdrucksenkenden Stoffen eignet.

Indapamid wird meistens oral in Form einer Filmtablette oder als Tablette mit verzögerter Freisetzung (Retardtablette) verabreicht. Die Dosierungen von Indapamid betragen in der Regel 0,625 mg, 1,25 mg oder 1,5 mg.

Indapamid ist nur gegen ärztlichen Verschreibung erhältlich.

Geschichte

Indapamid wurde Ende der 1960er-Jahre erstmals von der Firma Servier Laboratories synthetisiert und patentiert. 1977 wurde es erstmals zugelassen. Indapamid steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO.

Pharmakologie

Pharmakologie und Wirkmechanismus

Indapamid wirkt auf das Nephron (die kleinste Funktionseinheit der Niere), und zwar speziell im proximalen Segment des distalen Tubulus. Dort hemmt es den Na+/Cl-Cotransporter, was zu einer verminderten Natriumrückresorption führt. Infolgedessen werden Natrium und Wasser im Lumen des Nephrons zurückgehalten und über den Urin ausgeschieden. Zu den folgenden Effekten gehören ein verringertes Plasmavolumen, ein verminderter venöser Rückfluss, ein geringeres Herzzeitvolumen und schließlich ein niedriger Blutdruck. 

Es ist wahrscheinlich, dass thiazidähnliche Diuretika wie Indapamid zusätzliche blutdrucksenkende Mechanismen haben, die nicht mit der Diurese zusammenhängen. Der genaue Mechnismus hinter diesem zusätzlichen Wirkmechanismus ist nicht eindeutig geklärt. Einige Studien deuten darauf hin, dass Indapamid die Ansprechbarkeit auf Vasopressoren (Stoffe, die den Blutdruck erhöhen können) verringert. Andere Studien vermuten, dass es Indapamid durch einen ungeklärten Mechanismus den peripheren Widerstand verringern kann.

Pharmakokinetik

Die Bioverfügbarkeit von Indapamid ist nach einer oralen Dosis praktisch vollständig und wird durch Nahrungsmittel oder Antazida nicht beeinträchtigt. Indapamid ist aufgrund seiner Indolin-Einheit sehr lipophil. Diese Eigenschaft erklärt wahrscheinlich, warum die renale Clearance von Indapamid weniger als 10 % der gesamten systemischen Clearance ausmacht. Die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa 2 bis 3 Stunden erreicht. Ungefähr 75-80 % von Indapamid liegen proteingebunden vor. Indapamid bindet in erster Linie an saures-alpha-1-Glykoprotein und weniger stark an Serumalbumin. Im Blut ist Indapamid zusätzlich stark an Erythrozyten gebunden. Infolge des umfangreichen Metabolismus in der Leber wird der größte Teil der gegebenen Dosis verstoffwechselt. Lediglich etwa 7 % bleiben unverändert. Es gibt mehrere Stoffwechselwege, über die Indapamid metabolisiert werden kann. Das wichtigste Enzym, das Indapamid verstoffwechselt, ist das Leberenzym CYP3A4. Indapamid wird zu etwa 60-70 % mit dem Urin und zu 16-23 % mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit liegt meist zwischen 14 und 18 Stunden.

Wechselwirkungen

Bei der Kombination von Indapamid mit Lithium und Medikamenten, die ein verlängertes QT-Intervall oder Arrhythmien verursachen können. 

Zu Stoffen die eine Interaktion mit Indapamid auslösen können zählen beispielsweise:

  • Amiodaron und andere Antiarrhythmika
  • Lithium
  • Digitalis-Präparate
  • Terfenadin
  • Ketoconazol
  • Erythromycin und verwandte Stoffe

Toxizität

Kontraindikationen 

Indapamid ist kontraindiziert, wenn:

  • eine Allergie gegen den Wirkstoff oder anderen Sulfonamide besteht
  • eine schwere Nierenschädigung oder eine Niereninsuffizienz vorliegt
  • eine hepatische Enzephalopathie besteht
  • ein Leberversagem vorliegt
  • der Kaliumspiegel besonders niedrig ist oder eine Hypokaliämie vorliegt

Nebenwirkungen 

Häufige Nebenwirkungen sind: 

  • Schwindel
  • Schwäche und Müdigkeit
  • Rückenschmerzen und Muskelkrämpfe
  • Angstzustände oder Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • laufende Nase
  • Hypokaliämie

Schwangerschaft und Stillzeit

Für die Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es sehr wenige verlässliche Daten über ausreichende Sicherheit. Eine Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Markus Falkenstätter

Markus Falkenstätter
Autor

Markus Falkenstätter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der Universität Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Mag. pharm Stefanie Lehenauer

Mag. pharm Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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