Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Internationale Klassifikation (ICD) E05.9

Grundlagen

Von einer Schilddrüsenüberfunktion spricht man, wenn die Schilddrüse aus verschiedensten Gründen zu viele Schilddrüsenhormone (Thyroxin, Trijodthyronin) produziert. Da diese Hormone den Metabolismus des Körpers ankurbeln, kommt es bei einer Hyperthyreose vor allem zu Ruhelosigkeit, Schlafstörungen, Nervosität und vermehrten Schweißausbrüchen. Diese Erkrankung der Schilddrüse ist aber in den meisten Fällen gut behandelbar und hat eine gute Prognose.

Die Häufigkeit der Schilddrüsenerkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Weiters weist die Hyperthyreose regional unterschiedliche Erkrankungsraten auf.

Folgende Erkrankungen führen am häufigsten zu einer Hyperthyreose:

Morbus Basedow: Diese Erkrankung ist auf eine Autoimmunreaktion zurückzuführen und verursacht den Großteil der Schilddrüsenüberfunktionen. Das Risiko an Morbus Basedow zu erkranken ist für Frauen höher als für Männer. Im Rahmen dieser Krankheit kommt es oft zu einer diffusen Vergrößerung der Schilddrüse.

Autonome Hyperthyreose: Bei dieser Form der Schilddrüsenüberfunktion bilden sich eigenständige (autonome) Knoten in der Schilddrüse, die eine gesteigerte Hormonproduktion aufweisen. Von der autonomen Hyperthyreose sind vor allem Menschen im höherem Alter betroffen.

Ursachen

Da verschiedene Krankheiten der Schilddrüse zu einer Hyperthyreose führen können, gibt es auch unterschiedliche Ursachen dafür.

Morbus Basedow

Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunreaktion, bei der Antikörper gegen Proteine an der Oberfläche von Schilddrüsenzellen produziert werden. Die Ursachen für die Reaktion kennt man noch nicht, allerdings wird Morbus Basedow mit gewissen Genen assoziiert, weshalb Verwandte von Erkrankten ein höheres Risiko haben, ebenfalls eine Schilddrüsenüberfunktion zu bekommen. Weltweit sind mehr Frauen als Männer von dieser Krankheit betroffen. Neben der Schilddrüse sind bei Morbus Basedow auch die Augen bei ungefähr fünfzig Prozent der Erkrankten betroffen.

Diese Veränderungen werden auch endokrine Orbitopathie genannt und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. So kann es zu einer milden Bindehautentzündung kommen, aber auch hervorstehende Augen (Exopthalmus) und Doppelsehen (Diplopie) sind möglich.

Schilddrüsenautonomie

Eine Hyperthyreose kann auch durch eine Schilddrüsenautonomie entstehen. Die häufigste Ursache für diese Erkrankung der Schilddrüse ist ein chronischer Jodmangel, der in weiterer Folge zu einer Vergrößerung (Kropf) und zu einem knotigen Umbau des Organs führen kann. Die Schilddrüse benötigt zur Produktion der Schilddrüsenhormone Jod. Wenn sie nicht mit genügend Jod versorgt wird, versucht sie den Mangel durch vermehrtes Wachstum zu kompensieren.

Dabei kann es innerhalb der Schilddrüse zur Knotenbildung kommen. Normalerweise wird die Produktion der Schilddrüsenhormone von anderen, im Gehirn gebildeten Hormonen reguliert. Diese Knoten können allerdings auch unabhängig von diesem Regelkreis Hormone ausschütten. Sobald die Schilddrüse wieder genug mit Jod versorgt wird und die Knoten eine gewisse Größe erreicht haben, kommt es zu einer vermehrten Hormonausschüttung.

Seltene Ursachen

Weitere seltene Gründe für eine Hyperthyreose sind die übermäßige Einnahme von Schilddrüsenhormonpräparaten, Infektionen und entzündliche Veränderungen der Schilddrüse, sowie Tumore der Schilddrüse oder der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Des Weiteren können auch jodhaltige Medikamente, wie zum Beispiel Röntgenkontrastmittel zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.

Symptome

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann in einer sehr unterschiedlichen Symptomatik auftreten, vor allem aber bei sehr hohen Hormonspiegeln werden die Symptome durch die starke Belastung des Stoffwechsels verursacht.

Es gibt einige Krankheitszeichen, die sehr typisch für eine Schilddrüsenüberfunktion sind:

• Bei dem Großteil der Betroffenen ist bei einer Hyperthyreose eine Vergrößerung, auch Kropf oder Struma genannt, zu finden.

• Durch die Anregung des Stoffwechsels kann es auch oft zu Nervosität, Unruhe und Schlaflosigkeit, sowie häufigen Stimmungsschwankungen, kommen. Weiters wird durch die erhöhte Stoffwechsellage vermehrt Wärme frei, was zu Hitzewallungen und häufigeren Schweißausbrüchen führen kann. Dadurch sind die meisten Betroffenen auch weniger kälteempfindlich.

• Eine Erhöhung der Schilddrüsenhormone hat auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem: Eine beschleunigte Herzfrequenz (Tachykardie) kann sich durch einen erhöhten Puls äußern. Auch ein erhöhter Blutdruck kommt häufig vor.

• Bei manchen Patienten kann ein Händezittern beobachtet werden.

• Die Haut ist meist warm und feucht.

• Häufig ist auch ein Gewichtsverlust trotz genügender oder sogar übermäßiger Nahrungszufuhr zu beobachten.

• Des Weiteren können Muskelschwäche oder Muskelschmerzen auftreten.

• Eine erhöhte Darmbewegung kann zu Durchfall führen.

• Bei Frauen kann es zu Zyklusunregelmäßigkeiten kommen.

• Manchmal tritt vermehrt Haarausfall auf.

Zusätzlich sind beim Morbus Basedow bei etwa der Hälfte der Patienten die Augen im Rahmen einer endokrinen Orbitopathie betroffen. Mögliche Symptome dabei sind Lichtempfindlichkeit, das Sehen von Doppelbildern (Diplopie) oder eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Ein sehr markantes Zeichen ist der so genannte Exophthalmus, wobei es sich um aus der Augenhöhle hervorstehende Augen handelt. Jedoch ist der Grad der Augenschädigung nicht vom Grad der Schilddrüsenüberfunktion abhängig. Vor allem bei älteren Menschen kann die Symptomatik sehr variieren und im milderen Ausmaß auftreten. In diesen Fällen kann ein beschleunigter, ungleichmäßiger Puls der einzige Hinweis für das Vorliegen einer Schilddrüsenüberfunktion sein.

Vereinzelt kann eine Hyperthyreose eine thyreotoxische Krise auslösen, bei der es zu hohem Fieber, einen stark beschleunigten Puls, einem Beunruhigungsgefühl, sowie zu Erbrechen und vermehrten Stuhlgang kommt. In noch extremeren Fällen können sogar Bewusstseinsstörrungen auftreten oder die Patienten ins Koma fallen. Eine thyreotoxische Krise ist also eine lebensgefährliche Situation.

Diagnose

Ein ausführliches Krankengespräch zum Erheben von Symptomen oder von eventueller Einnahme jodhaltiger Medikamente ist als Grundlage äußerst wichtig um eine Schilddrüsenüberfunktion feststellen zu können.

Ergeben sich durch dieses Anamnesegespräch und durch eine genau körperliche Untersuchung Hinweise auf eine Schilddrüsenüberfunktion, wird normalerweise eine Blutprobe zum Messen der Schilddrüsenhormonkonzentrationen entnommen. So ist eine Erhöhung der Hormonspiegel oft beweisend für eine Hyperthyreose. 

Besteht der Verdacht auf Morbus Basedow, kann das Blut auf spezifische Antikörper untersucht werden. Des Weiteren ist eine Ultraschalluntersuchung zum Bestimmen der Größe und der Konsistenz der Schilddrüse hilfreich. In manchen Fällen muss auch Schilddrüsengewebe entnommen und untersucht werden.

Wird eine Schilddrüsenautonomie vermutet, so wird üblicherweise eine Szintigraphie durchgeführt. Dem Patienten wird dann ein Kontrastmittel verabreicht, das vor allem von der Schilddrüse aufgenommen wird. Durch eine anschließende Aufnahme mit speziellen bildgebenden Verfahren kann die Anreicherung dargestellt werden. Bei einer Autonomie ist meistens eine starke Anreicherung in den autonomen Knoten zu sehen.

Therapie

Die Therapie der Hyperthyreose wird durch die zugrunde liegende Krankheit bestimmt. Generell sind die meisten Therapieansätze recht erfolgreich und werden von den meisten Patienten gut vertragen. Man kann folgende Behandlungsansätze unterscheiden:

Therapie mit Thyreostatika

Diese Medikamente greifen in die Hormonproduktion ein und hemmen diese auf verschiedenen Ebenen. Dadurch wird innerhalb von 1-2 Monaten die Hormonkonzentration in den Normalbereich gebracht und die Stoffwechsellage beruhigt. Da eine thyreostatische Therapie auch zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen kann, sollte die laufende Behandlung auch weiterhin durch einen Arzt überprüft werden.

Therapie mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie)

Bei dieser Behandlungsform wird den Betroffenen radioaktives Jod verabreicht, das sich in der Schilddrüse anreichert. Durch das angereicherte, radioaktive Jod werden viele hormonproduzierende Zellen der Schilddrüse zerstört und dadurch eine Normalisierung der Schilddrüsenfunktion erreicht. In manchen Fällen kann es durch eine überschießende Zerstörung von Schilddrüsengewebe zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kommen. In diesen Fällen muss der Patient normalerweise Schilddrüsenhormone (Thyroxin, Trijodthyronin) einnehmen. Trotz der Befürchtungen mancher Patienten, Radiojodtherapie könne die Entstehung verschiedener Krebsarten, wie zum Beispiel von Leukämie fördern, gibt es derzeit keine Hinweise dafür. Ebenso konnte bis jetzt keine Schädigung der DNA durch radioaktives Jod nachgewiesen werden.

Operationsmöglichkeiten

Eine Operation zur Behandlung einer Hyperthyreose sollte nicht vor einer Normalisierung der Hormonkonzentrationen mit Medikamenten durchgeführt werden. Bei diesem operativen Eingriff können entweder Knoten der Schilddrüse, oder sogar das ganze Organ, entfernt werden. Ein Nachteil dieser Behandlungsform ist eine Schilddrüsenunterfunktion, die mit einer Einnahme von Schilddrüsenhormonen behandelt werden muss.

Prognose

Eine Schilddrüsenüberfunktion lässt sich mit der richtigen Therapie gut behandeln und hat in den meisten Fällen eine gute Prognose. Meistens kommt er sehr bald zu einem Abklingen der Symptomatik. So verschwinden meistens auch die körperlichen Symptome, wie Gewichtsverlust und Haarausfall.

Die meisten Menschen, die von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen sind, haben unter und nach einer Therapie im Normalfall keine Beschwerden mehr.

Vorbeugen

Um einer Schilddrüsenfunktion im Rahmen einer Schilddrüsenautonomie vorzubeugen ist eine ausreichende Jodaufnahme wichtig. Gegen eine durch Morbus Basedow verursachte Hyperthyreose sind derzeit leider noch keine Präventionsmaßnahmen bekannt.

Um einem Jodmangel vorzubeugen, wird Erwachsenen eine tägliche Aufnahme von 200 Mikrogramm Jod empfohlen. Während einer Schwangerschaft oder während der Stillzeit wird Frauen eine tägliche Jodaufnahme von 260 Mikrogramm geraten. Obwohl das Salz in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit Jod angereichert ist, wird zusätzlich eine Ernährung mit jodhaltigen Nahrungsmitteln, wie Fisch, empfohlen.

Schwangere und stillende Frauen sollten eventuell nach Besprechung mit ihrem Arzt an eine Verwendung von Jodidtabletten denken.

Auch vor der Gabe von Röntgenkontrastmittel sollte an eine Schilddrüsenüberfunktion gedacht werden. In diesen Fällen ist eine Verschlechterung der Erkrankung durch die gleichzeitige Gabe von Medikamenten, die eine Jodanreicherung in der Schilddrüse blockieren, vermeidbar. Patienten, die mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden, sollten auf eine regelmäßig Kontrolle der Hormonspiegel durch ihren Arzt achten, um zu hohe Hormonkonzentrationen zu vermeiden.

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