Wie wirken sich Schlafstörungen auf unsere Gesundheit aus?

Untersuchung in einem Schlaflabor

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Schlaf ist ein sehr wichtiger Faktor unserer Gesundheit. Er macht einen beachtlichen Teil unseres Lebens aus. Immerhin brauchen die meisten Menschen t√§glich 7-9 Stunden Schlaf, was gleichzeitig bedeutet, dass wir ein Drittel unseres Lebens verschlafen. Doch genau das ist notwendig, denn in der Nacht ruhen K√∂rper und Geist und erholen sich. Einige Regionen wiederum sind sehr aktiv. Nachts werden Eindr√ľcke des Tages verarbeitet und unser K√∂rper verinnerlicht Gelerntes. Schlaf kann auch als ‚ÄúHausmeister des Gehirns‚ÄĚ bezeichnet werden, da untertags entstandene sch√§dliche Abbauprodukte nachts beseitigt werden. Das verbessert nat√ľrlich unsere Gehirnleistung am n√§chsten Tag. Gen√ľgend Schlaf wirkt sich aber auch positiv auf unsere Gesundheit aus. Er st√§rkt das Immunsystem, beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, √úbergewicht, Depressionen und Diabetes mellitus vor.

Wie sieht ein normales Schlafverhalten aus?

Das normale Schlafverhalten wird von vielen Faktoren beeinflusst, unter anderem den Lichtverhältnissen (Tag und Nacht), kulturellen oder auch sozialen (Schichtarbeit, Kindererziehung) Faktoren. Bei einem sind sich Experten jedoch einig: der Erwachsene braucht im Durchschnitt zwischen 7 und 9 Stunden Schlaf, Frauen brauchen etwas mehr als Männer. 

Im Schlaf durchlaufen wir mehrere Schlafphasen in einer gewissen Abfolge. Diese wiederholen sich durchschnittlich 4-7 mal pro Nacht. Eine Abfolge besteht dabei aus folgenden vier Phasen: 

  • Einschlafphase
  • stabile Schlafphase
  • Tiefschlafphase
  • REM-Schlafphase

Jede einzelne Phase ist wichtig und bedeutend f√ľr unseren K√∂rper und unsere Gesundheit.

In der Tiefschlafphase erholt sich der K√∂rper. Es werden Eindr√ľcke verarbeitet und im Ged√§chtnis gespeichert. Experten vermuten, dass die Tiefschlafphase f√ľr das Lernen sehr wichtig ist.

Die REM-Schlafphase steht f√ľr ‚ÄúRapide Eye Movement‚ÄĚ und zeichnet sich durch ruckartige Augenbewegungen aus. Interessanterweise sind alle anderen Muskeln des K√∂rpers in dieser Phase total entspannt - bis auf die Augenmuskeln. Die REM-Phase ist auch f√ľr unsere Tr√§ume verantwortlich. Da diese Phase die letzte vor dem Aufwachen ist, k√∂nnen wir uns daher an den Traum beim Aufwachen noch erinnern. Weil wir alle diese Schlafphasen √∂fter in der Nacht durchleben, tr√§umen wir nicht nur einmal, sondern mehrmals w√§hrend des Schlafes. Wir k√∂nnen uns aber nur an den letzten Traum vor dem Aufwachen erinnern, weil wir die anderen bereits wieder vergessen haben.¬†

Auch die physiologischen Abl√§ufe im K√∂rper ver√§ndern sich w√§hrend des Schlafes. So verlangsamt sich unser Herzschlag in den ersten drei Schlafphasen und der Blutdruck sinkt. In der letzten Schlafphase wird der Herzschlag jedoch schneller und der Blutdruck steigt wieder. Das Hormonsystem arbeitet ebenfalls auf Hochtouren und sorgt f√ľr die Freisetzung von Wachstumshormonen. So wird die Erholung unserer Organe und Muskeln bewerkstelligt. W√§hrend wir schlafen, zirkulieren auch mehr wei√üe Blutk√∂rperchen durch das Blut. Damit best√§tigt sich die alte Weisheit, dass man im Krankheitsfall viel schlafen sollte. Aber auch der Stoffwechsel arbeitet flei√üig in der Nacht. Geht die Nacht zu Ende und wir wachen auf, werden vermehrt Stresshormone ausgesch√ľttet.¬†

Schlaf-Wach-Rhythmus

Schlaf-Wach-Rhythmus (nambitomo/iStock)

Schlafstörungen und Probleme

In der Medizin sind sechs Schlafstörungen bekannt. Dabei gibt es aber nur wenige Ursachen: entweder ist die Gesamtmenge an Schlafstunden zu niedrig/hoch, oder es handelt sich um schlechte Schlafqualität, wie das zum Beispiel bei der Schlafapnoe der Fall ist, bei der es immer wieder zu Atemaussetzern kommt und wir somit öfter in der Nacht munter werden. Zu den 6 Schlafstörungen zählen:

Schnarchen:

Beim Schnarchen sinkt die Muskelspannung und somit kann es zur Verengung der oberen Atemwege kommen. Das kann durch das Zur√ľcksinken der Zunge beg√ľnstigt werden.¬†

Obstruktive Schlafapnoe:

Kommt es nicht nur zu einer Verengung der oberen Atemwege, sondern sogar zum kurzzeitigen Verschluss (von mehr als 10 Sekunden), so f√§llt der Sauerstoffgehalt im Blut dramatisch ab und der K√∂rper wird in einen Alarmzustand versetzt und die Betroffenen wachen kurzzeitig auf. Dadurch steigt der Muskeltonus wieder und die Atmung normalisiert sich. Solche Atemstillst√§nde k√∂nnen bis zu einige hundert Mal pro Nacht auftreten. Das Problem ist, dass die Betroffenen das Aufwachen nicht bewusst mitbekommen und dann am n√§chsten Tag sehr m√ľde sind und nicht wissen, warum.

Zentrale Atmungsstörung:

Bei Erkrankungen des Nervensystems, sowie beim Aufenthalt in H√∂hen ab 3000 Metern und Atemnot bei schweren Herzerkrankungen kann es zu einer Ver√§nderung des Atemrhythmus bzw. der Atemtiefe kommen. Dadurch kann es ebenfalls zu langen Atempausen kommen, die wie bei der obstruktiven Schlafapnoe zu M√ľdigkeit f√ľhren k√∂nnen.¬†

Schlafwandeln (Somnambulismus):

Beim Schlafwandeln stehen Betroffene oft in der Tiefschlafphase auf und beginnen herumzuwandern. ¬†Das Gef√§hrliche daran ist, dass die Personen auch Fenster und T√ľren √∂ffnen oder weite Wegstrecken zur√ľcklegen und sich dabei schwer verletzen k√∂nnen.

Kampfträume:

Bei Kampftr√§umen kommt es w√§hrend der REM-Schlafphase zu abnormen Muskelaktivit√§ten. Wie oben erw√§hnt, sind in der REM-Schlafphase normalerweise nur die Augenmuskeln aktiv. Bei Kampftr√§umen ist das nicht der Fall. Es kann zum Schimpfen, Boxen oder Treten kommen. Aus dem Bett fallen ist ebenfalls nicht selten. Dadurch kann es zu erheblichen Verletzungen, nicht nur f√ľr Betroffene, sondern auch f√ľr die jeweiligen Bettpartner kommen.¬†

Restless Legs Syndrom:

Das¬†Restless Legs Syndrom zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene einen unangenehmen Bewegungsdrang in den Beinen versp√ľren, der sie nachts wach h√§lt.¬†

Schlafmaske

Schlafmaske (Hope Connolly/iStock)

Schlafstörungen bei Kindern

Kinder und Jugendliche brauchen mehr Schlaf als Erwachsene. Ist die Schlafdauer zu kurz oder die Qualit√§t zu schlecht, kann es zu k√∂rperlichen und geistigen Entwicklungsst√∂rungen kommen. Je nach Alter k√∂nnen dabei verschiedene Probleme urs√§chlich sein. Gerade im 1. Lebensjahr muss sich erst der Tag-Nacht-Rhythmus einstellen. So kann es h√§ufig zum n√§chtlichen Aufwachen kommen. Im Kleinkind- und Vorschulalter sind oft Ein- und Durchschlafprobleme vorrangig. Ab der Schulzeit k√∂nnen auch psychische Faktoren den Schlaf beeinflussen. Dazu z√§hlen Leistungsdruck, √úberforderung und √Ąngste. Bei Jugendlichen sind oftmals kurze Schlafzeiten das Hauptproblem, welche durch die sozialen Medien beg√ľnstigt werden k√∂nnen.¬†

Wichtig ist, dass Schlafprobleme gerade im Kindes- und Jugendlichenalter h√§ufig sein k√∂nnen. Diese Probleme verschwinden meist aber wieder von allein. Sollte dies nicht der Fall sein, ist hier der Facharzt f√ľr Kinder- und Jugendheilkunde der erste Ansprechpartner. Dieser √ľberweist im Bedarfsfall an Schlafspezialisten.¬†

Schlafstörungen bei Kindern

Schlafstörungen bei Kindern (SB Arts Media/iStock)

Gesundheitliche Folgen von Schlafstörungen

Experten sind sich einig, dass Schlafstörungen gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Sowohl zu wenig, als auch zu viel Schlaf, Ein- und Durchschlafprobleme können Depressionen hervorrufen. Am schlimmsten betroffen sind die Altersgruppen 30-44 und 45-59.

Schlafschwierigkeiten k√∂nnen aber auch das Risiko f√ľr √úbergewicht erh√∂hen. Dabei ist zu erw√§hnen, dass Schlafprobleme nicht direkt das Gewicht erh√∂hen, sondern indirekt, indem sie das Appetithormonlevel erh√∂hen und die Auswahl der Speisen beeinflusst. Zwar verbraucht der K√∂rper bei Schlafmangel mehr Kalorien (ca. 100 kcal mehr pro Tag), es kommt aber auch zu einer erh√∂hten Kalorienaufnahme (ca. 250 kcal mehr pro Tag). Das wiederum resultiert in einer positiven Energiebilanz. Schlafprobleme beeinflussen unsere kognitiven F√§higkeiten bei der Essenswahl und der Menge, die wir zu uns nehmen.

Eher umstritten sind die gesundheitlichen Folgen, was kardiovaskul√§re Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2¬†und neurologische Erkrankungen betrifft. Hier kann keine klare Antwort geliefert werden. Allgemein kann aber davon ausgegangen werden, dass Schlafschwierigkeiten jeglicher Art zu gesundheitlichen Problemen f√ľhren k√∂nnen.

√úbergewicht (Adipositas)

√úbergewicht (Adipositas) (peakSTOCK/iStock)

Wann muss ich mit Schlafproblemen zum Arzt?

Schlafprobleme gehören zum alltäglichen Leben dazu. Kommen sie gelegentlich vor, sind sie auch kein Grund zur Sorge. Dass man nach vermehrter Alkoholeinnahme schlecht schläft ist allgemein bekannt, aber per se noch keine Schlafstörung, wenn dies nur hin und wieder vorkommt. Genauso wenig leiden frisch gebackene Eltern an einer Schlafstörung, wenn sie die ersten paar Wochen nach der Geburt ihres Kindes öfter nachts aufgeweckt werden. 

Von einer Schlafst√∂rung spricht man erst dann, wenn diese mindestens 3x pro Woche auftritt und mindestens einen Monat lang andauert. Ein weiteres Kriterium ist, wenn der unbefriedigende Schlaf einen Leidensdruck bewirkt und sich verschlechternd auf die soziale und berufliche Leistungsf√§higkeit auswirkt. Bei mehr als 50% der Patienten, die an einer Schlafst√∂rung leiden, liegt eine psychische oder k√∂rperliche Beeintr√§chtigung zugrunde. Dazu geh√∂ren zum Beispiel Asthma bronchiale, Allergien, Angstst√∂rungen, urologische Beschwerden und einige mehr. Erste Ansprechperson f√ľr Betroffene ist in der Regel der Hausarzt. Dieser beurteilt das Ausma√ü der Schlafst√∂rung und √ľberweist gegebenenfalls an Spezialisten. Hierbei kann eine medikament√∂se Therapie ausreichen, eine weiterf√ľhrende Abkl√§rung im Schlaflabor weiterhelfen oder aber auch eine Behandlung bei einem Psychologen oder Psychiater vonn√∂ten sein.¬†

Ein wesentliches Merkmal von Schlafschwierigkeiten ist die erh√∂hte Schl√§frigkeit untertags. Wenn Sie sich trotz ausreichender Schlafdauer tags√ľber komplett ersch√∂pft und m√ľde f√ľhlen, k√∂nnten n√§chtliche Schlafprobleme die Ursache daf√ľr sein. Oft k√∂nnen aber auch Bettpartner aufschlussreiche Hinweise liefern, welche die Diagnostik von Schlafst√∂rungen erleichtern.¬†

Diagnostik von Schlafstörungen

Diagnostik von Schlafstörungen (nortonrsx/iStock)

Was kann ich selbst bei Schlafschwierigkeiten tun?

Nicht alle Schlafschwierigkeiten m√ľssen sofort √§rztlich abgekl√§rt werden. Manche k√∂nnen sich von alleine wieder legen, andere k√∂nnen selbst durch diverse Tipps ausgemerzt werden.¬†

Hilfreiche Tipps f√ľr gesunden Schlaf

  • Drei Stunden vor dem Schlafengehen sollten keine gr√∂√üeren Mahlzeiten mehr eingenommen und auch kein Alkohol mehr getrunken werden. Hungrig schlafen gehen sollte aber auch vermieden werden.¬†
  • Regelm√§√üigkeiten in Bezug auf Schlafenszeiten und t√§gliche Schlafrituale f√∂rdern einen gesunden Schlaf und k√∂nnen gerne praktiziert werden.¬†
  • Zu langes oder zu kurzes Schlafen k√∂nnen ebenfalls Schlafst√∂rungen hervorrufen.¬†
  • Helles Licht sollte vermieden oder auf ein Minimum reduziert werden. Dazu geh√∂rt auch das Licht von Bildschirmen wie Handys, TV-Ger√§ten und Computern.¬†
  • Ger√§usche und L√§rm k√∂nnen vom Schlafen abhalten. Das Schlafzimmer sollte, wenn m√∂glich, der ruhigste Ort sein.¬†
  • Untersch√§tzt werden auch oft Bett, Lattenrost und Matratze. Sie tragen wesentlich zu einem gesunden und erholsamen Schlaf bei.¬†
  • Mittagsschl√§fchen sollten m√∂glichst ausgelassen werden, oder maximal 30 Minuten dauern.¬†
  • Bewegung und Sport untertags k√∂nnen auch zur Schlafqualit√§t beitragen, sofern sie nicht kurz vor dem Schlafengehen abgehalten werden. In diesem Fall w√§ren sie eher nachteilig.
Gesunder Schlaf

Gesunder Schlaf (Prostock-Studio/iStock)

Fazit

Schlaf ist nicht nur wichtig, sondern notwendig f√ľr die Erhaltung der t√§glichen Funktionen unseres K√∂rpers. W√§hrend des Schlafens tankt unser K√∂rper Energie und regeneriert sich selbst, um am n√§chsten Tag wieder voll funktionsf√§hig zu sein. Schlafprobleme k√∂nnen sich daher sehr negativ auf unsere Gesundheit auswirken und zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen f√ľhren. Aber nicht jede schlaflose Nacht ist gleichzeitig eine Schlafst√∂rung. Oftmals verschwinden die Probleme von selbst, oder k√∂nnen durch die oben genannten Tipps selbst ‚Äútherapiert‚ÄĚ werden. Bei anhaltenden Beschwerden sollte aber ¬†in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, um etwaige Schlafst√∂rungen fr√ľh behandeln zu k√∂nnen und um die Lebensqualit√§t wieder zu erh√∂hen.¬†

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Thomas Hofko

Thomas Hofko
Autor

Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor und Lektor f√ľr pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders f√ľr die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

Letztes Update

12.04.2024

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