Autor: BAYER


Langinformationen

Was ist es und wofür wird es verwendet?

Androcur ist ein antiandrogen wirksames Hormonpräparat. Es hemmt den Einfluss der männlichen Geschlechtshormone (Androgene), die in geringem Umfang auch vom weiblichen Organismus gebildet werden.

Beim Mann lassen unter der Behandlung mit Androcur der Geschlechtstrieb und die Potenz nach. Die Hodenfunktion wird gehemmt. Diese Veränderungen gehen nach Absetzen der Behandlung wieder zurück. Androcur schirmt androgenabhängige Erfolgsorgane, wie z.B. die Prostata, gegen die Einwirkung der aus den Keimdrüsen und/oder den Nebennierenrinden stammenden Androgene ab.

Bei der Frau werden krankhaft vermehrte Körperbehaarung, aber auch androgenbedingter Ausfall des Kopfhaares reduziert sowie verstärkte Talgdrüsentätigkeit abgeschwächt. Während der Behandlung wird die Eierstockfunktion gehemmt.

Es wird angewendet beim Mann zur Triebdämpfung bei krankhaft verändertem Geschlechtstrieb (Sexualdeviationen) und zur Antiandrogenbehandlung bei inoperablem Prostatakarzinom.

Es wird angewendet bei der Frau im Falle von schweren Androgenisierungserscheinungen, wie krankhaft vermehrter Gesichts- und Körperbehaarung (hochgradiger Hirsutismus) und androgenbedingtem starken Ausfall des Kopfhaares bis zur Glatzenbildung (schwere androgenetische Alopezie), oft verbunden mit schweren Formen von Akne und/oder fettiger Haut sowie fettigem Haar mit Schuppenbildung (Seborrhö).

Das Präparat wird Frauen jedoch nur verschrieben, wenn mit einer Behandlung mit einem niedriger dosierten Präparat kein befriedigender Erfolg erzielt wurde.

Androcur darf nur auf Verschreibung des Arztes bzw. der Ärztin und unter der ständigen Kontrolle eines Arztes bzw. einer Ärztin verwendet werden.

Inhaltsverzeichnis
Was müssen Sie vor dem Gebrauch beachten?
Wie wird es angewendet?
Was sind mögliche Nebenwirkungen?
Wie soll es aufbewahrt werden?
Weitere Informationen

Was müssen Sie vor dem Gebrauch beachten?

Bei Frauen muss vor Beginn der Therapie eine gründliche allgemeine und gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Bei Patientinnen in der Geschlechtsreife muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Androcur ist zusammen mit einem speziellen oralen Em­pfängnisverhütungsmittel (z.B. Diane-35) anzuwenden, um den notwendigen Empfängnisschutz zu erreichen und um unregelmässige Blutungen zu vermeiden.

Falls es unter der Kombinationsbehandlung innerhalb der drei Einnahmewochen zu einer leichten Blutung «ausserhalb der Reihe» kommt, ist die Anwendung nicht zu unterbrechen, bei jeder stärkeren Blutung jedoch ist der Arzt bzw. die Ärztin aufzusuchen.

Während der Behandlung sind die Funktion der Leber, der Nebennierenrinde und das rote Blutbild zu überwachen.

Darüber hinaus sind im Zusammenhang mit der notwendigen zusätzlichen Gabe des verschriebenen Empfängnisverhütungsmittels alle für dieses Präparat geltenden Angaben zu beachten.

Bei der Frau

? Schwangerschaft.

? Stillzeit.

? Lebererkrankungen.

? Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom (bestimmte Aussscheidungsstörungen der Leber).

? Ikterus (Gelbsucht) oder persistierender Pruritus (anhaltender Juckreiz) während einer vorausgegangenen Schwangerschaft.

? Schwangerschaftsherpes in der Vorgeschichte.

? Vorausgegangene oder bestehende Lebertumore.

? Auszehrende Krankheiten.

? Schwere chronische Depression.

? Vorausgegangene oder bestehende thromboembolische Ereignisse (Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefässen).

? Schwerer Diabetes mit Gefässveränderungen.

? Sichelzellanämie (eine angeborene Krankheit der roten Blutkörperchen).

? Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Androcur.

Bei der zyklischen Kombinationsbehandlung von schweren Androgenisierungsanzeichen beachten Sie ausserdem die Angaben zu Kontraindikationen in der Fachinformation von Diane-35 oder von einem anderen Kontrazeptivum, das in Kombination mit Androcur angewendet wird.

Beim Mann

Triebdämpfung bei Sexualdeviationen

? Lebererkrankungen.

? Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom (bestimmte Aussscheidungsstörungen der Leber).

? Vorausgegangene oder bestehende Lebertumore.

? Auszehrende Krankheiten.

? Schwere chronische Depression.

? Vorausgegangene oder bestehende thromboembolische Ereignisse (Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefässen).

? Schwerer Diabetes mit Gefässveränderungen.

? Sichelzellanämie.

? Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Androcur.

Antiandrogen-Behandlung des inoperablen Prostatakarzinoms

? Lebererkrankungen.

? Dubin-Johnson-Syndrom, Rotor-Syndrom (bestimmte Ausscheidungsstörungen der Leber).

? Vorausgegangene oder bestehende Lebertumore (nur bei nicht durch das Prostatakarzinom bedingten Metastasen).

? Auszehrende Krankheiten (mit Ausnahme des inoperablen Prostatakarzinoms).

? Schwere chronische Depression.

? Thromboembolie (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefässen).

? Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Androcur.


Androcur Tabletten dürfen nicht bei Kindern oder Jugendlichen angewendet werden.

In Einzelfällen wurden wie auch bei anderen Sexualsteroi­den über gutartige und bösartige Leberveränderungen unter der Behandlung mit dem Wirkstoff von Androcur berichtet. Lebertumore können vereinzelt zu lebensgefährlichen Blutungen in die Bauchhöhle führen. Deshalb ist unbedingt der Arzt/die Ärztin zu informieren, wenn ungewohnte Oberbauchbeschwerden auftreten, die nicht von selbst bald vorübergehen.

Informieren Sie Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin, wenn Sie an Zuckerkrankheit leiden, da diese Krankheit eine sorgfältige Überwachung erfordert und der Bedarf an Arzneimitteln gegen Zuckerkrankheit sich durch Androcur ändern kann.

Gelegentlich kann Androcur zu einem Gefühl der Kurzatmigkeit führen.

Über das Auftreten thromboembolischer Ereignisse (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefässen) bei Patienten unter Androcur liegen Berichte vor, aber ein Kausalzusammenhang wurde bisher nicht erstellt. Bei Patienten mit vorausgegangenen arteriellen oder venösen thrombotischen/thromboembolischen Ereignissen (z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt), mit zerebrovaskulären Ereignissen (z.B. Schlaganfall) in der Vorgeschichte oder mit fortgeschrittenen bösartigen Erkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für weitere thromboembolische Ereignisse.

Bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol ist wegen seines enthemmenden Einflusses eine Verminderung der triebdämpfenden Wirkung von Androcur möglich.

Patienten mit inoperablem Prostatakarzinom, thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte oder Patienten, die an Sichelzellanämie oder schwerem Diabetes mit Gefässveränderungen leiden, müssen ihren Arzt oder ihre Ärztin informieren. Diese werden vor der Verordnung von Androcur in jedem Einzelfall eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Bewertung durchführen.

Unter höheren Dosen Cyproteronacetat wurde gelegentlich eine Tendenz zu leicht erhöhten Prolaktinspiegeln (auf die Milcherzeugung gerichtetes Hormon) beobachtet.

Bei männlichen Patienten kann Androcur zu einer Vergrösserung der Brust führen. Bei längerer Behandlung kann es zu einer Osteoporose (Knochenschwund) bei Männern kommen.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Der Bedarf an Antidiabetika oder Insulin kann sich durch Verschlechterung der Glukosetoleranz ändern.

Informieren Sie ebenfalls Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin, wenn Sie an anderen Krankheiten leiden, Allergien haben oder andere Arzneimittel (auch selbst gekaufte!) einnehmen oder äusserlich anwenden.

Dazu zählen insbesondere Arzneimittel mit Ketoconazol, Itraconazol, Clotrimazol (gegen Pilzinfektionen), Ritonavir (gegen AIDS), Rifampicin (gegen Krampfanfälle), Phenytoin, Produkte, die Johanniskraut (Pflanzenmittel gegen Depressionen) enthalten, und Produkte, die zur Gruppe der Statine gehören (Medikamente, welche erhöhte Blutfettwerte senken, z.B. Cholesterin und Triglyzeride).

Medikamente zur Blutfettsenkung

Das Risiko von schweren statinbedingten unerwünschten Wirkungen im Muskelgewebe (sogenannte Myopathie oder Rhabdomyolyse) kann erhöht sein, wenn diese zusammen mit hohen therapeutischen Dosen von Androcur verabreicht werden, da die Wirkstoffe dieses Arzneimittels demselben Stoffwechselweg unterliegen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit, die Fähigkeit Werkzeuge oder Maschinen zu bedienen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.


Androcur kann schädliche Wirkungen auf das ungeborene Kind und ? beim Stillen ? auch auf den Säugling haben. Deshalb darf es unter keinen Umständen während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit angewendet werden.

Wie wird es angewendet?

Die Tabletten sind nach den Mahlzeiten mit Flüssigkeit einzunehmen.

Übliche Dosierung beim Mann

Die jeweilige Dosierung bestimmt der Arzt bzw. die Ärztin.

Triebdämpfung bei krankhaft verändertem Geschlechtstrieb (Sexualdeviationen)

Zur Anfangsbehandlung beträgt die Tagesdosis im Allgemeinen 2mal 1 Tablette. Es kann erforderlich sein, die Dosis auf 2mal täglich 2 oder vorübergehend sogar 3mal täglich 2 Tabletten zu erhöhen. Wenn ein befriedigendes Behandlungsergebnis erreicht ist, wird versucht, den Therapieeffekt mit einer möglichst geringen Dosis aufrechtzuerhalten. Oft genügt 2mal täglich ½ Tablette. Bei der Einstellung auf eine Erhaltungsdosis und beim Absetzen wird nie abrupt, sondern ausschleichend reduziert. Dabei ist in Abständen von jeweils einigen Wochen die Tagesdosis um 1

Was sind mögliche Nebenwirkungen?

Folgende Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Androcur auftreten:

Beide Geschlechter

Häufig: Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme, Antriebsminderung, zeitweise Unruhe, Müdigkeit, Gelbsucht, Leberentzündung, Leberinsuffizienz.

Gelegentlich: depressive Verstimmungen, Hautausschläge, Kurzatmigkeit.

Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (allergieähnliche Reaktionen), thromboembolische Reaktionen, thromboembolische Ereignisse (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefässen), Lebertumore.

Männer

Sehr häufig: verminderter Sexualtrieb, erektile Dysfunktion (Impotenz), reversible Hemmung der Spermienbildung (Spermatogenese).

Häufig: Gynäkomastie (Anschwellen der Brustdrüsen) manchmal zusammen mit einer Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen, Hitzewallungen und Schweissausbrüche.

Sehr selten: Osteoporose (Knochenschwund).

Frauen

Sehr häufig: Unterdrückung des Eisprungs.

Häufig: Spannungsgefühl in der Brust.

Gelegentlich: verminderter Sexualtrieb, Galaktorrhö (Milchfluss).

Selten: gesteigerter Sexualtrieb.

Im Zusammenhang mit der Langzeitanwendung (mehrere Jahre) von Androcur in Dosierungen von 25 mg oder höher wurden gutartige Hirntumore (Meningeome) gemeldet.

Im Hinblick auf die notwendige zusätzliche Gabe von einem Kontrazeptivum wie Diane-35 wird auf die besonderen Hinweise zu unerwünschten Wirkungen in der Fachinformation von diesem Präparat verwiesen.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, die hier nicht beschrieben sind, sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin informieren.

Wie soll es aufbewahrt werden?

Androcur ist bei Raumtemperatur (15?25 °C) und ausserhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen Ihr Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin. Diese Personen verfügen über die ausführliche Fachinformation.

Weitere Informationen

1 Tablette enthält als Wirkstoff 50 mg Cyproteronacetat sowie Hilfsstoffe.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK