Tetrazepam

Tetrazepam

Grundlagen

Tetrazepam geh√∂rt zu der Gruppe der Benzodiazepine und hat eine muskelentspannende, d√§mpfende, angstl√∂sende, schlaff√∂rdernde und krampfl√∂sende Wirkung. Im April 2013 empfahl die Europ√§ische Arzneimittelbeh√∂rde (EMA) das Arzneimittel vom Markt zu nehmen, weil es zu schweren Hautreaktionen kommen kann und somit das Risiko des Arzneimittels den Nutzen √ľberwiegt. Tetrazepam ist laut EMA in der Europ√§ischen Union nicht mehr verf√ľgbar. Tetrazepam sollte nicht pl√∂tzlich abgesetzt werden, √§rztlicher Rat ist daher einzuholen. Wie auch bei anderen Arzneimitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine besteht bei Tetrazepam ebenfalls das Risiko einer Abh√§ngigkeit.

Wirkung

Tetrazepam wird als muskelentspannendes Medikament eingesetzt, speziell bei Krampfanfällen oder bei durch Muskelverspannungen hervorgerufenen chronischen Schmerzen. Als dämpfendes, angstlösendes oder schlafförderndes Medikament gibt es besser geeignete Arzneimittel aus der Gruppe der Benzodiazepine. 

Tetrazepam wirkt an den GABA-A-Rezeptoren und verst√§rkt den Effekt des Botenstoffes (Neurotransmitters) GABA bei dessen Anwesenheit. Durch diese Rezeptorbindung kommt es zu einem vermehrten Chlorid-Ionen-Einstrom, was wiederum zu einer erh√∂hten elektrischen Spannung in der Zelle f√ľhrt (Hyperpolarisation). Durch diesen Effekt wird die Zelle vor einer √úbererregung gesch√ľtzt. Tetrazepam ist GABA-abh√§ngig, das hei√üt, dass Tetrazepam nur dann wirken kann, wenn gerade GABA an denselben Rezeptor bindet, sie m√ľssen also gleichzeitig an den Rezeptor binden. Vorteil ist, dass dadurch das Risiko einer Atemdepression, also eines Atemstillstandes durch Muskell√§hmung, verglichen mit fr√ľher verwendeten Arzneistoffen gesenkt ist. Tetrazepam f√ľhrt relativ schnell zu einer Gew√∂hnung, wodurch es zu einer Abh√§ngigkeit kommen kann. ¬†

Tetrazepam wird √ľber den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und liegt nach Einnahme mittels Tablette zu 83-87% an Plasmaproteine gebunden vor. Die maximale Plasmakonzentration wird nach 1,5-2 Stunden erreicht. Tetrazepam wird in der Leber abgebaut und beinahe ausschlie√ülich √ľber die Niere ausgeschieden. Ein Steady-State Zustand wird nach ca. 3 Tagen erreicht, das hei√üt, dass sich die vollst√§ndige Wirkung erst nach einer konstanten Einnahme des Medikaments von 3 Tagen einstellt.

Dosierung

Nehmen Sie Tetrazepam immer genau wie in der Packungsbeilage beschrieben bzw. genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.

Generell wird die Dosis am Anfang schrittweise gesteigert, um die optimale Wirkung erreichen zu k√∂nnen. Die √ľbliche Dosis bei Erwachsenen betr√§gt 50 mg pro Tag. Wird die erw√ľnschte Wirkung nicht erreicht, so kann die Dosierung langsam auf bis zu 400 mg pro Tag (bei schweren Krampfzust√§nden) erh√∂ht werden.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen können auftreten:

Häufig: 

  • Sprech- und Bewegungsst√∂rungen
  • √úbelkeit und Erbrechen

Gelegentlich: 

  • allergische Hautreaktionen

Selten: 

  • Durchfall oder Verstopfung

Sehr selten:

  • Starker Speichelfluss
  • Mundtrockenheit
  • vermehrter Durst
  • St√∂rungen beim Harnlassen
  • St√∂rungen der Regelblutung
  • verminderter Sexualtrieb

Des Weiteren kann es zu: 

  • Erinnerungsl√ľcken
  • beeintr√§chtigtem Reaktionsverm√∂gen
  • Schwindel
  • M√ľdigkeit
  • Muskelerschlaffung
  • niedrigem Blutdruck
  • Leberzellsch√§digung
  • Gallenstauung
  • √úberempfindlichkeitsreaktionen
  • schweren Hautreaktionen (DRESS-Syndrom, Stevens-Johnson Syndrom, oder toxischer epidermalen Nekrolyse)¬†
  • Emotionslosigkeit
  • reduzierter Aufmerksamkeit
  • Kopfschmerzen
  • Doppeltsehen
  • Wahnvorstellungen
  • Wutanf√§llen¬†
  • seelischen St√∂rungen
  • und unangemessenem Verhalten kommen.

Bei älteren Patienten kann es zusätzlich zu einer erhöhten Sturzgefahr kommen. Bei Kindern und älteren Menschen können aggressives Verhalten, Erregungszustände, Halluzinationen, Ein- und Durchschlafstörungen auftreten. Durch eine Tetrazepam-Therapie kann eine bereits bestehende Depression erneut auftreten. 

Bei Tetrazepam besteht die Gefahr eine Abh√§ngigkeit zu entwickeln. Je h√∂her die Dosis oder die Dauer der Behandlung, desto h√∂her das Risiko einer Abh√§ngigkeit. Das gilt bereits f√ľr therapeutische Anwendungen. Sp√§testens nach vier Wochen sollte √ľberpr√ľft werden, ob die Therapie mit Tetrazepam noch notwendig ist.

Wechselwirkungen

Mit folgenden Arzneimitteln können Wechselwirkungen auftreten:

  • mit anderen Arzneimitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine, da das Risiko von Entzugserscheinungen erh√∂ht sein kann.
  • mit alkoholhaltigen Arzneimitteln, weil dadurch die M√ľdigkeit verst√§rkt werden kann.

Mit folgenden Arzneimitteln können Wirkungen und Nebenwirkungen verstärkt werden:

  • morphinhaltigen Arzneimitteln
  • Medikamenten aus der Gruppe der Barbiturate
  • H1-sedierenden Antihistaminika
  • Schlafmitteln, krampfl√∂senden Mitteln, Narkosemitteln und angstl√∂senden Mitteln, welche nicht aus der Gruppe der Benzodiazepine stammen
  • Neuroleptika
  • bestimmten Arzneimitteln zur Blutdrucksenkung¬†
  • Arzneimittel zur Muskelentspannung
  • Arzneimittel mit den Wirkstoffen Cisaprid, Cimetidin oder Omeprazol
  • Medikamente mit dem Wirkstoff Clozapin, da diese das Risiko f√ľr einen Kollaps mit Atem- und/oder Kreislaufstillstand hervorrufen k√∂nnen.¬†

Mit folgenden Arzneimitteln können möglicherweise Wechselwirkungen auftreten:

  • Blutdrucksenker
  • Betablocker (zur Behandlung von Bluthochdruck und bestimmten Herzkrankheiten)
  • herzst√§rkende Arzneimittel (Herzglykoside)
  • Blutgerinnungsmittel
  • Arzneimittel zur Blutzucker Behandlung
  • H2-Rezeptorblocker (bei Allergien oder √úbelkeit)
  • empf√§ngnisverh√ľtende Arzneimittel (‚Äúdie Pille‚ÄĚ)

Die gemeinsame Einnahme von Tetrazepam mit Alkohol¬†kann zu verst√§rkter M√ľdigkeit f√ľhren, sowie das Risiko f√ľr eine Abh√§ngigkeit von Tetrazepam erh√∂hen.

Gegenanzeigen

Tetrazepam soll nicht eingenommen werden:

  • bei Allergie gegen Tetrazepam
  • bei schweren Atembeschwerden
  • bei Formen von Muskelschw√§che
  • bei schwerer Leberfunktionsst√∂rung

Vorsicht besteht bei: 

  • Nervenerkrankungen mit Gangunsicherheit, Gleichgewichts- oder Sprechst√∂rungen
  • Vergiftung mit Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln
  • Arzneimitteln zur Behandlung geistig-seelischer St√∂rungen (Antidepressiva)
  • eingeschr√§nkter Leberfunktion
  • eingeschr√§nkter Nierenfunktion

Altersbeschränkung

Freigegeben ab dem 2. Lebensjahr. Wird bei Kindern und Jugendlichen nur angewendet, wenn es absolut erforderlich ist.

Schwangerschaft & Stillzeit

In der Schwangerschaft sollte Tetrazepam nur sehr vorsichtig und nach strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Aspekts verabreicht werden. Es ist zu beachten, dass nur sehr wenige Erfahrungsberichte vorliegen. 

In der Stillzeit sollte Tetrazepam nicht angewendet werden, da es in die Muttermilch √ľbertritt. Bei einer Einnahme von mehr als 2 Tagen sollte abgestillt werden.

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code M03BX07
Summenformel C16H17ClN2O
Molare Masse (g¬∑mol‚ąí1) 288,772
Aggregatzustand fest
Schmelzpunkt (¬įC) 144
CAS-Nummer 10379-14-3
PUB-Nummer 25215
Drugbank ID DB13324

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Thomas Hofko

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Autor

Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor f√ľr pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders f√ľr die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

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Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir k√∂nnen f√ľr die Korrektheit der Daten keine Haftung √ľbernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. F√ľr Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden