Welche anderen Arzneimittel beeinflussen die Wirkung von Ribodoxo-L50?
Doxorubicin ist ein starker strahlensensibilisierender Wirkstoff (?Radiosensitizer?) und die hierdurch ausgelösten Recall-Phänomene können lebensbedrohlich sein. Eine vorangegangene, gleichzeitige oder spätere Bestrahlungstherapie kann die herz- oder leberschädigende Wirkung von Doxorubicin verstärken. Dies gilt auch für eine gleichzeitige Behandlung mit herz- oder leberschädigenden Arzneimitteln. Wenn eine Doxorubicin-Therapie an die Behandlung mit Cyclophosphamid angeschlossen wird, kann dies neben einer Verstärkung der Herzschädigung (Kardiotoxizität) auch zur Verschlimmerung einer mit Blutung einhergehenden Blasenentzündung (hämorrhagische Zystitis) führen.
In Studien wurde beobachtet, dass bei Kombination von Doxorubicin mit Paclitaxel das Risiko für eine Herzschädigung (Kardiotoxizität) zunimmt, wenn die kumulative Dosis von Doxorubicin 360 mg/m2 überschreitet oder die Anwendung von Doxorubicin und Paclitaxel nicht in einem zeitlichen Abstand von mindestens 1 Stunde erfolgt.
Bei einer (Vor-)Behandlung mit Medikamenten, welche die Knochenmarkfunktion beeinflussen (z. B. Zytostatika, Sulfonamide, Chloramphenicol, Phenytoin, Amidopyrin-Derivate, antiretrovirale Arzneimittel) ist die Möglichkeit einer ausgeprägten Störung der Blutbildung (Hämatopoese) zu beachten. Die Dosierung von Doxorubicin ist gegebenenfalls zu modifizieren. Bei Kombination mit anderen Zytostatika (z. B. Cytarabin, Cisplatin, Cyclophosphamid) können die toxischen Wirkungen der Doxorubicin-Therapie verstärkt werden.
Die Kombination von Doxorubicin mit Amphotericin B sollte vermieden werden, da sie zu ausgeprägter Nierenschädigung (Nephrotoxizität) führen kann.
Bei gleichzeitiger Gabe von Doxorubicin und Ritonavir wurde über erhöhte Doxorubicin-Serumspiegel berichtet.
Bei gleichzeitiger Gabe von Cyclosporin und Doxorubicin kann es zu einer wechselseitigen Verringerung der Verstoffwechselung und Ausscheidung (Reduzierung der Metabolisierung und Clearance) beider Substanzen mit dadurch bedingter Erhöhung der Blutspiegel kommen.
Barbiturate können zu einer beschleunigten Ausscheidung von Doxorubicin aus dem Plasma (Plasma-Clearance) führen, die gleichzeitige Gabe mit Phenytoin zu verringerten Phenytoin-Plasmaspiegeln. Doxorubicin kann die orale Bioverfügbarkeit von Digoxin verringern. Während der Therapie mit Doxorubicin sollte daher der Digoxin-Plasmaspiegel regelmäßig überprüft werden.
Doxorubicin bindet an Heparin; es kann zu Ausfällungen (Präzipitationen) und Wirkungsverlust beider Wirkstoffe kommen.
WELCHE NEBENWIRKUNGEN SIND MÖGLICH?
Wie alle Arzneimittel kann Ribodoxo-L50 Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Wenn bei Ihnen irgendeine Nebenwirkung auftritt, ist es wichtig, dass Sie Ihren Arzt darüber informieren.
Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:
| sehr häufig | mehr als 1 von 10 Behandelten |
| häufig | weniger als 1 von 10, aber mehr als 1 von 100 Behandelten |
| gelegentlich | weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1000 Behandelten |
| selten | weniger als 1 von 1000, aber mehr als 1 von 10.000 Behandelten |
| sehr selten | weniger als 1 von 10.000 Behandelten oder unbekannt |
Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems
Die sehr häufig auftretende Knochenmarkschädigung (Myelosuppression) ist eine der dosislimitierenden Nebenwirkungen und ist z. T. gravierend. Sie äußert sich vor allem in einem Abfall der Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Eine Verminderung der Leukozytenzahl (Leukopenie) wurde sehr häufig (bei annähernd 75 % der Patienten mit adäquater Knochenmarkreserve) beobachtet, welche alle 21 Tage mit 60 mg/m2 behandelt wurden. Wenn auch weniger häufig, wurden darüber hinaus ebenfalls eine Verminderung der Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie) und eine Verminderung der roten Blutkörperchen (Anämie) berichtet.
Superinfektionen und Blutungen wurden im Zusammenhang mit dem Auftreten einer Knochenmarkschädigung (Knochenmarksuppression) ebenfalls beobachtet. Die Knochenmarkschädigung (Myelosuppression) erreicht im Allgemeinen 10 bis 14 Tage nach Anwendung von Doxorubicin ihren Höhepunkt und klingt in der Regel bis zum Zeitpunkt zwischen dem 21. und 28. Tag ab. Eine etwaige Verminderung der Blutplättchenzahl oder eine Verminderung der roten Blutkörperchen treten ggfs. im gleichen Zeitraum auf, sind in der Regel aber weniger schwer. Beim Auftreten einer gravierenden Knochenmarkschädigung sollte auf die Anwendung von Doxorubicin verzichtet werden, ggf. ist eine Dosisreduktion oder Verzögerung der Anwendung notwendig.
Es muss sichergestellt werden, dass eine schwere Infektion und/oder Blutungsepisode rasch und wirksam behandelt werden kann. Bestehende Infektionen sollten vor Therapiebeginn behandelt werden.
Bei Patienten, die gleichzeitig mit Doxorubicin und DNA-verändernden Zytostatika (z. B. alkylierende Substanzen, Platinverbindungen) behandelt wurden, wurde sehr selten das Auftreten von Blutkrebs (sekundäre Leukämie zum Teil auch mit präleukämischer Phase) beobachtet. Dies kann auch nach einer kurzen Latenzzeit (1 bis 3 Jahre) auftreten.
Erkrankungen des Immunsystems
Überempfindlichkeitsreaktionen mit Nesselsucht, vorübergehendem Juckreiz, Angioödem der Augenlider und Zunge und Beeinträchtigung der Atemtätigkeit wurden gelegentlich beobachtet.
Herzerkrankungen
Doxorubicin ist herzschädigend (kardiotoxisch). Das Manifestationsrisiko der herzschädigenden Nebenwirkungen ist während und nach einer Bestrahlungstherapie des mittleren Bereichs des Brustraums (mediastinaler Bereich), nach Vorbehandlung mit potenziell herzschädigenden Mitteln (z. B. Anthrazyklinen, Cyclophosphamid) sowie bei älteren Patienten (über 60 Jahre) und bei Bluthochdruckpatienten (manifeste arterielle Hypertonie) erhöht. Besondere Vorsicht ist auch bei Kindern unter 2 Jahren und Patienten mit Herzerkrankungen (kardiologische Vorerkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz) sowie bei der Anwendung im zeitlichen Zusammenhang mit einer Hyperthermiebehandlung geboten.
Bei Überschreiten der maximalen kumulativen Gesamtdosis (Erwachsene: 550 mg/m2 KOF, bei vorhergehender Bestrahlung des Brustkorbs [Thoraxbestrahlung] oder begleitender Alkylans-Therapie 400 mg/m2, Kinder: 400 mg/m2 KOF) steigt die Häufigkeit der durch Anthrazykline hervorgerufenen Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie) auch ohne vorbestehende Risikofaktoren rasch an. Sehr selten wurde das Auftreten einer Herzschädigung jedoch auch bei wesentlich geringerer Gesamtdosis beobachtet. Nach einer Gesamtdosis von 550 mg/m2 KOF besteht für die Behandelten ein Risiko von etwa 5 % für das Auftreten einer schweren Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz).
Die herzschädigenden Nebenwirkungen von Doxorubicin können sich in 2 Erscheinungsformen manifestieren:
- Soforttyp
Die Nebenwirkungen vom Soforttyp treten zumeist innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach Einleiten der Therapie auf, sind dosisunabhängig und durch folgende Symptome gekennzeichnet - vorübergehende Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien, insbesondere Sinustachykardien sowie supraventrikuläre und ventrikuläre Extrasystolen) - und werden durch unspezifische EKG-Veränderungen (ST-Strecken-Veränderungen, Niedervoltage und verlängerte QT-Zeit) charakterisiert. Diese Veränderungen sind im Allgemeinen rückbildungsfähig (reversibel) und ihr Auftreten stellt keine Gegenanzeige (Kontraindikation) bei der erneuten Anwendung von Doxorubicin dar. Es wurden jedoch auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen während oder wenige Stunden nach der Anwendung von Doxorubicin beobachtet, sehr selten auch akutes Linksherzversagen, Herzbeutelentzündung (Perikarditis) oder ein tödliches Perikarditis-Myokarditis-Syndrom berichtet.
- Spättyp
Die Nebenwirkungen vom Spättyp repräsentieren eine dosisabhängige kumulative Organtoxizität, welche im Allgemeinen nicht rückbildungsfähig (irreversibel) und sehr häufig lebensbedrohlich ist. Sie manifestieren sich sehr häufig als eine besondere Form der Herzmuskelerkrankung (kongestive [dilatative] Kardiomyopathie) mit den Zeichen einer Linksherzinsuffizienz innerhalb weniger Monate nach Beendigung der Therapie. Die Herzschädigung kann sich aber auch Jahre nach Beendigung der Therapie erstmals manifestieren und ihre Häufigkeit steigt mit Höhe der kumulativen Gesamtdosis. Dies ist insbesondere bei der Anwendung bei Kindern zu berücksichtigen, welche insgesamt niedrigere Lebensgesamtdosen tolerieren und durch zusätzliche Bestrahlungsbehandlungen, junges Alter bei Therapiebeginn und aggressive Begleittherapien besonders gefährdet sind, eine spät auftretende, lebensbedrohliche Herzerkrankung (kardiale Organtoxizität mit ventrikulärer Dysfunktion, Herzversagen und/oder Arrhythmien) zu entwickeln. Darüber hinaus scheinen Mädchen gegenüber Jungen besonders prädestiniert für das Auftreten später Herzschädigungen nach Doxorubicin-Therapie zu sein.
Vor, während und nach einer Chemotherapie mit Doxorubicin sollte die Herzfunktion mittels EKG, UKG und MUGA-Scan überwacht werden.
Bereits in Abheilung befindliche Strahlenschäden des Herzens können durch die Anwendung von Doxorubicin erneut auftreten.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraumes und Mediastinums
Nach Einbringen von Doxorubicin in die Harnblase (intravesikale Instillation) wurden sehr selten schwere den ganzen Körper betreffende (systemische) Reaktionen einschließlich Anschwellen der Nasenschleimhaut, gesteigerte Atmungsfrequenz (Tachypnoe) und erschwerte Atmung (Dyspnoe) beobachtet. Lungenödembildung nach Bestrahlung (Strahlenpneumonitis) mit tödlichen Komplikationen wurde bei systemischer Kombinationschemotherapie von Doxorubicin mit Methotrexat und Cyclophosphamid in einer Studie beobachtet. Beim Auftreten von Dyspnoe sollte diese zunächst als Hinweis auf eine durch Anthrazykline ausgelöste Herzmuskelschädigung gewertet werden.
Bereits in Abheilung befindliche Strahlenschäden der Lunge können durch die Anwendung von Doxorubicin erneut auftreten.
Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
Das Erbrechen auslösende Potenzial von Doxorubicin ist hoch, relativ schwere Übelkeit und Erbrechen treten sehr häufig (bei ca. 80 % der Patienten) am 1. Tag der Behandlung, aber auch danach auf. Eine dem Erbrechen vorbeugende Therapie (antiemetische Prophylaxe) wird empfohlen. Darüber hinaus können Appetitlosigkeit sowie Entzündungen der Schleimhäute (Schleimhautulzerationen) in Mund und Rachen sowie in der Speiseröhre (Ösophagus) und im Darmtrakt auftreten. Diese können bei schwerer Ausprägung den Eintritt von Infektionen bedingen. Zu Durchfällen (Diarrhoen) kann es als Folge einer Hemmung der Zellteilung (Proliferationshemmung) an der inneren Oberfläche des Darms (Darmepithel) kommen. Sehr selten wurden im Zusammenhang mit der Kombination von Cytarabin über Absterben von Gewebe (Nekrosen) des Dickdarms mit massiven Blutungen und schweren Infektionen berichtet. Nach Strahlentherapie können unter der Anwendung von Doxorubicin Entzündungen der Schleimhaut der Speiseröhre (Ösophagitiden) auftreten, die u. U. zu hochgradigen Speiseröhrenverengungen (Ösophagusstrikturen) führen.
Bereits in Abheilung befindliche Strahlenschäden (Speiseröhre, Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts) können durch die Anwendung von Doxorubicin erneut auftreten.
Hinweis:
Solange Entzündungen, Geschwürbildungen (Ulzerationen) oder Durchfälle bestehen, sollte auf die Anwendung von Doxorubicin verzichtet werden.
Leber- und Gallenerkrankungen
Eine vorübergehende, meist geringfügige Erhöhung von bestimmten Leberwerten im Blut (SGOT, SGPT und/oder Bilirubin) wird sehr häufig beobachtet. Sie tritt meist 10 bis 14 Tage nach Doxorubicin-Applikation auf und ist nach Absetzen im Allgemeinen binnen 1 Woche rückbildungsfähig (reversibel).
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Der regelmäßig auftretende vollständige oder teilweise Haarausfall (totale oder subtotale Alopezie) ist nach Absetzen der Therapie in der Regel reversibel. Weiterhin wurden (z. T. sehr selten) beobachtet: eine verstärkte Verfärbung (Hyperpigmentierung) der Haut an den Gliedmaßen (Extremitäten) und Nägel, Ablösung der Nagelplatte, Bläschenbildung, Rötung, Nesselsucht und Venenentzündung bei Injektion in kleine Venen. Paravasale Injektionen führen regelmäßig zum Absterben des Gewebes (schwerste Gewebsnekrosen; siehe ?Besondere Vorsicht bei der Anwendung?).
Bereits in Abheilung befindliche Strahlenschäden der Haut können durch die Anwendung von Doxorubicin erneut auftreten.
Erkrankungen der Nieren und der Harnwege
Sehr selten wurde das Auftreten eines akuten Nierenversagens beobachtet, irreversible Störungen der Keimzellbildung sind möglich; Doxorubicin wirkt erbgutschädigend (mutagen) und verursacht Fehlbildungen der Nachkommenschaft (teratogen). Innerhalb von 24 Stunden nach Anwendung von Doxorubicin kommt es sehr häufig zu einer bedeutungslosen Rotfärbung des Urins, welche auf den Farbstoff des Anthracyclins zurückzuführen ist. Eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) und damit verbundene Nierenschädigung (konsekutive Harnsäurenephropathie) können als Folge eines massiven Tumorzellzerfalls auftreten.
Augenerkrankungen
Augenbindehautentzündung (Konjunktivitis), verstärkte Sekretion von Tränenflüssigkeit.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Gelenkschmerzen, in einem Einzelfall generalisierte Muskelschwäche.
Tumorerkrankungen, gutartige und bösartige
Als späte Nebenwirkung ist die Entwicklung von Zweitneoplasien nicht auszuschließen.
Allgemeine Erkrankungen und Reaktionen an der Applikationsstelle
Schmerzen an der Injektionsstelle.
Welche Gegenmaßnahmen sind bei Nebenwirkungen zu ergreifen?
Sollten Sie die oben genannten Nebenwirkungen bei sich beobachten, benachrichtigen Sie Ihren Arzt, damit er über den Schweregrad und ggfs. erforderliche weitere Maßnahmen entscheiden kann.
Die heutigen Möglichkeiten der unterstützenden (supportiven) Therapie sind voll auszuschöpfen.