Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)

Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)
Internationale Klassifikation (ICD) L65.-
Symptome Haarverlust, Schädigung der Haarwurzelzellen
M√∂gliche Ursachen Medikamenteneinnahme, Infektionskrankheiten, Funktionsst√∂rung der Schilddr√ľse, Schwermetalle, Ver√§nderter Hormonhaushalt, Kopfhauterkrankungen, Stress, Mangelern√§hrung, Strahlentherapie
Mögliche Risikofaktoren Chemotherapie, Medikamenteneinnahme

Grundlagen

Die Besonderheit beim diffusen Haarausfall (fachsprachlich Alopecia diffusa) besteht darin, dass der Verlust der Kopfbehaarung nicht auf eine bestimmte Kopfstelle beschr√§nkt ist, sondern die gesamte Kopfbehaarung d√ľnner wird. Die Ursache hierf√ľr kann in der Einnahme von Medikamenten (beispielsweise Zytostatika, Heparin), Infektionskrankheiten (beispielsweise Influenza oder Scharlach) oder Crash-Di√§ten liegen. Der diffuse Haarausfall tritt zumeist nur vor√ľbergehend auf ‚Äď durch Behandlung der ausl√∂senden Faktoren kann die urspr√ľngliche Kopfbehaarung in bestimmten F√§llen wiederhergestellt werden.

Dabei ist ein diffuser Haarausfall eine der möglichen Ausprägungen von Alopezie (d.h. Zustand der Haarlosigkeit). 

Der menschliche Haarzyklus

Allgemein durchlaufen unsere Haare einen bestimmten Zyklus in mehreren Phasen.

Anagenphase

Katagenphase

Telogenphase

In der Wachstumsphase (d.h. Anagenphase) werden neue Haarwurzeln gebildet und die Haare wachsen. Diese Phase dauert beim Menschen ungefähr zwei bis sechs Jahre, wobei sich rund 85-90% der Haare auf der Kopfhaut in dieser Phase befinden. In der Überhangsphase (d.h. Katagenphase) wird die Zellproduktion eingestellt und das Haar löst sich von einem Teil der Haarwurzel. Etwa 1% der Haare befinden sich in dieser Phase. In der darauffolgenden Endphase/Ruhephase (d.h. Telogenphase) erneuert sich die Haarwurzel. In diesen 2 bis 4 Monaten können Haare einfacher ausfallen, da sie nicht mehr fest mit der Haarwurzel verbunden sind. Etwa 15% der Kopfhaut befindet sich in dieser Phase.


Falls dieser Zyklus nicht mehr im Gleichgewicht ist, kann es zu diffusem Haarausfall kommen. Wenn zus√§tzlich mehr als rund 100 Haare pro Tag ausfallen, ist von Effluvium der Haare die Rede (d.h. unerw√ľnschter erh√∂hter Haarausfall). Eine Alopezie (d.h. Zustand der Haarlosigkeit) liegt vor, wenn mehr als 60% der menschlichen Behaarung an einer bestimmten Stelle bzw. einem bestimmten Bereich nicht mehr vorhanden sind.¬†

Ursachen

Dem diffusen Haarausfall liegt eine Schädigung der Haarwurzeln zugrunde. Diese Schädigung kann durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden:

  • Einnahme bestimmter Medikamente (beispielsweise bei einer Chemotherapie)
  • Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Influenza oder Typhus
  • Funktionsst√∂rungen der Schilddr√ľse
  • Vergiftungen mit Schwermetallen wie Thallium oder Arsen
  • Ver√§nderter Hormonhaushalt w√§hrend der Schwangerschaft, nach der Geburt, durch das Absetzen der Anti-Baby-Pille oder in der Menopause (den Wechseljahren)
  • Erkrankungen der Kopfhaut wie zum Beispiel eine Schuppenflechte
  • Stress
  • Mangelern√§hrung (kann auch durch Fastenkuren oder Crash-Di√§ten sowie Resorptionsst√∂rungen des Darms ausgel√∂st werden)
  • Strahlentherapie im Rahmen von Krebsbehandlungen

Ab einer Dosis von 3,8 Gy (d.h. Gray - Maßeinheit ionisierter Strahlung) kann es schon zu einem Haarverlust kommen. Dabei kann sich das Wachstum der Haare nach einigen Monaten erneut einstellen. Ab mehr als 8 Gy kann es zu einem dauernden Haarverlust kommen. 

Zudem kann der diffuse Haarausfall auch eine nat√ľrliche Alterserscheinung darstellen.

Symptome

Beim diffusen Haarausfall f√ľhrt die Sch√§digung der Haarwurzeln zu einem √ľber den gesamten Kopf verteilten Haarverlust. Dadurch entstehen lichte Stellen und die neugebildeten Haare wachsen verlangsamt und schw√§cher.

Auslöser

Das Ausma√ü des Haarverlusts h√§ngt stark von der Art der ausl√∂senden Faktoren ab. Stark sch√§digende Substanzen (wie beispielsweise Chemotherapeutika im Rahmen einer Krebstherapie) f√ľhren zu einer derart massiven Sch√§digung der Haarwurzelzellen, dass die Haare schon innerhalb eines Monats ausfallen.¬†

Haarausfall bei Gewichtsabnahme

Im Falle einer erh√∂hten Gewichtsabnahme von 10-15kg K√∂rpergewicht im Zeitraum von wenigen Monaten l√§sst sich √∂fter ein tempor√§rer diffuser Haarausfall beobachten. Diese f√§ngt in der Regel versp√§tet an und kann die Ruhephase der Kopfhaut verl√§ngern. Bei leicht sch√§digenden Einfl√ľssen wie N√§hrstoffmangel macht sich der Haarverlust erst nach zirka drei Monaten bemerkbar. Nach dieser Phase k√∂nnen sich die Haare auch ohne Behandlung wieder verdichten.

Wird die Ursache des Haarausfalls behoben, h√§lt der Haarverlust dennoch zumeist f√ľr einige Wochen an.

Unterschiede in den Wachstumsphasen

Je nach Wachstumsphase der Haare unterscheiden sich die Zeitpunkte des Haarausfalls. Haare in der Wachstumsphase können schon wenige Tage nach einem schädigenden Geschehen ausfallen. Falls sich durch Ungleichgewicht mehr Haare in der Ruhephase befinden, können die Haarfollikel erst auch nach mehreren Monaten ausfallen.

Auch wenn bei diffusem Haarausfall vermehrt Haare auf der Kopfhaut (merkbar mehr als 100 Haare am Tag) ausfallen k√∂nnen, kommt es jedoch nur in seltensten F√§llen, wie bei einer Chemotherapie, zu totalem Verlust dieser (d.h. Glatzenbildung). Falls merklich mehr Haare als √ľblich ausfallen, ist ein Arztbesuch in jedem Fall ratsam, da dieser die Form des Haarausfalls diagnostizieren kann und dementsprechende Therapiemittel empfehlen kann.¬†

Diagnose

Um die Ursache des Haarausfalls abzukl√§ren, wird bei der k√∂rperlichen Untersuchung die Kopfhaut durch den Arzt inspiziert. Zus√§tzlich k√∂nnen mittels einer Blutuntersuchung Stoffwechselst√∂rungen oder N√§hrstoffm√§ngel festgestellt werden. Folgende vier Laborwerte sind grundlegend f√ľr eine sichere Diagnosestellung:

  • H√§moglobin-Wert: Dadurch kann festgestellt werden, ob eine An√§mie (Blutarmut) vorliegt.
  • Ferritin-Wert: Da Eisenmangel die Ursache des Haarausfalls sein kann, wird der Ferritin-Wert des Blutes bestimmt. Eisenmangel kann auch die Ursache einer An√§mie darstellen.
  • TSH-Wert:¬†Mittels des TSH-Wertes (Thyroidea-stimulierendes-Hormon) kann die Schilddr√ľsenfunktion √ľberpr√ľft werden.
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit: Die Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie andere Entz√ľndungsparameter im Blut k√∂nnen einen Hinweis auf eine chronisch-entz√ľndliche Erkrankung liefern.

Zus√§tzlich wird in manchen F√§llen ein Trichogramm angefertigt. Dabei werden mittels einer Klemme zirka 20 bis 50 Haare epiliert (ausgezupft), welche anschlie√üend unter dem Mikroskop untersucht werden. Durch die Beurteilung der Haarwurzeln k√∂nnen R√ľckschl√ľsse auf das Wachstumsverhalten der Kopfbehaarung gezogen werden, wodurch sich das Ausma√ü des Haarausfalls absch√§tzen l√§sst.

Therapie

Die Behandlung des diffusen Haarausfalls unterteilt sich in eine spezifische sowie eine symptomatische Therapie:

Spezifische Therapie

Bei der spezifischen Therapie steht die Beseitigung der Ursachen des Haarausfalls im Mittelpunkt. Falls der Haarausfall durch eine Schilddr√ľsenerkrankung ausgel√∂st wird, wird diese Erkrankung therapiert. L√∂sen bestimmte Medikamente den Haarverlust aus, wird durch den Arzt √ľberpr√ľft, ob auf andere Pr√§parate zur√ľckgegriffen werden kann. Ist der Haarausfall die Folge einer Mangelern√§hrung, kann mittels einer Umstellung der Ern√§hrungsgewohnheiten sowie mithilfe von Nahrungserg√§nzungsmitteln eine Besserung erzielt werden.

Symptomatische Therapie

Hierbei kommen h√§ufig orale Pr√§parate, welche das Haarwachstum anregen, zum Einsatz. Es handelt sich dabei beispielsweise um Nahrungserg√§nzungsmittel, die eine Kombination von wichtigen N√§hrstoffen speziell f√ľr die Haarwurzeln beinhalten.

Zus√§tzlich k√∂nnen bestimmte Wirkstoffe, welche die Durchblutung der Kopfhaut f√∂rdern, lokal angewendet werden, wodurch zus√§tzlich das Haarwachstum stimuliert wird. Die Verwendung spezieller Haarpflegeprodukte (beispielsweise f√ľr d√ľnnes Haar) kann ebenfalls das Haar st√§rken.

Prognose

In den meisten F√§llen ist die Prognose des diffusen Haarausfalls gut. Wird die Ursache des Haarausfalls behoben, stellt sich nach einiger Zeit die urspr√ľngliche Kopfbehaarung zumeist wieder her.

Falls der diffuse Haarausfall die Folge einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie in der Kopfregion war, sind die neugebildeten Haare h√§ufig d√ľnner und heller als die fr√ľhere Kopfbehaarung. Dies hat seinen Grund darin, dass durch die Krebsbehandlung die Haarwurzelzellen (besonders die Matrix- und Pigmentzellen in der Wachstumszone der Haare) stark gesch√§digt wurden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Danilo Glisic

Danilo Glisic
Autor

Als Biologie- und Mathematikstudent verfasst er leidenschaftlich Magazinartikel zu aktuellen medizinischen Themen. Aufgrund seiner Affinität zu Zahlen, Daten und Fakten, liegt sein Fokus dabei auf der Beschreibung von relevanten klinischen Studienergebnissen.

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