Harnwegsinfektionen und Blasenentzündung (Zystitis)

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Internationale Klassifikation (ICD) N30.9
Symptome Schmerzen beim Wasserlassen, erschwerte Harnblasenentleerung, häufiges Wasserlassen, Harnblasenkrämpfe, Blutbeimengungen im Urin, nächtlicher Harndrang, Schmerzen über dem Schambein, Beimengungen von Eiter im Urin
Mögliche Ursachen Darmbakterien, E. coli, Harnabflussstörungen, Hohes Alter, Stoffwechselerkrankungen, Medizinische Eingriffe im Bereich der Harnwege, Geschwächtes Immunsystem, Hypothermie (Unterkühlung)
Mögliche Risikofaktoren Prostatahyperplasie (vergrößerte Prostata), frühere Harnwegsinfektionen, sehr intensiver Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft, Mangel an Östrogenen

Grundlagen

Unter einer Harnwegsinfektion versteht man eine Entzündung im Bereich der ableitenden Harnwege. Diese wird in den meisten Fällen durch Bakterien, besonders Darmbakterien, ausgelöst. Die ableitenden Harnwege umfassen den Harnleiter (welcher die Verbindung zwischen Nierenbecken und Harnblase darstellt), die Harnblase sowie die Harnröhre (welche von der Harnblase zu den Genitalien führt).

Es werden zwei Formen von Harnwegsinfektionen unterschieden:

  • Untere Harnwegsinfektion: Dabei handelt es sich um eine Entzündung im Bereich der Harnröhre oder der Harnblase. Fachsprachlich wird die Harnblasenentzündung als Zystitis, die Harnröhrenentzündung als Urethritis bezeichnet.
  • Obere Harnwegsinfektion: Hierbei sind auch der Harnleiter und das Nierenbecken von der Entzündung betroffen. Die Nierenbeckenentzündung wird fachsprachlich als Pyelonephritis bezeichnet.

Frauen sind weitaus häufiger als Männer von Harnwegsinfektionen betroffen. Die Ursache liegt darin, dass bei der Frau die Harnröhre kürzer ist, wodurch Bakterien leichter in die Harnblase eindringen können. Schätzungen zufolge leiden etwa fünf bis zehn Prozent aller Frauen an einer chronischen Harnwegsinfektion (dabei kommt es zum wiederholten Auftreten von Harnwegsinfektionen). Auch ältere Männer leiden häufig an Harnwegsinfektionen, falls der Harnabfluss durch eine vergrößerte Prostata gestört wird.

Zusätzlich existieren noch weitere, seltenere Formen der Harnwegsinfekte:

  • Strahlenzystitis: Bei dieser Form wird die Harnblasenentzündung durch eine Bestrahlung (beispielsweise eine Strahlentherapie bei Krebs) ausgelöst.
  • Interstitielle Zystitis: Dabei handelt es sich um eine chronische Blasenentzündung, die nicht durch eine Infektion mit Erregern ausgelöst wird. Die interstitielle Zystitis verursacht einen starken Harndrang sowie starke Schmerzen.

Ursachen

In dem meisten Fällen werden akute Harnwegsinfektionen sowie Blasenentzündungen durch aufsteigende Darmbakterien verursacht, die über die Öffnung der Harnröhre in die ableitenden Harnwege gelangen. Das Bakterium Escherichia coli (kurz: E. coli) löst etwa 80 Prozent aller Harnwegsinfekte aus. Gelingt es Keimen, in die ableitenden Harnwege zu gelangen, können sich diese dort gut vermehren und dadurch Entzündungen auslösen.

Für Frauen stellen frühere Harnwegsinfektionen und Geschlechtsverkehr die größten Risikofaktoren dar. Durch häufigen Geschlechtsverkehr wird die Harnröhre gereizt, was den Bakterien das Eindringen in die Harnwege erleichtert. Bei sexuell sehr aktiven Frauen wird die Harnwegsinfektion auch umgangssprachlich als „Honeymoon-Zystitis“ („Hochzeitsreise-Blasenentzündung“) bezeichnet. Zusätzlich steigt auch während einer Schwangerschaft das Erkrankungsrisiko, da sich durch die veränderten Hormonspiegel die Harnwege erweitern, was Infektionen begünstigt. Auch ein Mangel an Östrogenen, welcher besonders häufig nach den Wechseljahren auftritt, fördert das Keimwachstum.

Für Männer stellt eine Prostatahyperplasie (vergrößerte Prostata) das größte Risiko für Harnwegsinfekte dar.

Zusätzlich gibt es noch weitere Ursachen für Harnwegsinfekte, die bei Frauen und Männern etwa gleich häufig auftreten:

  • Harnabflussstörungen infolge von Harnsteinen, Harnröhrenstrikturen (Harnröhrenverengungen) oder Geschwülsten
  • Hohes Alter
  • Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, Gicht)
  • Medizinische Eingriffe im Bereich der Harnwege wie zum Beispiel das Legen eines Harnkatheters oder Blasenspiegelungen
  • Geschwächtes Immunsystem bei Neugeborenen, Kleinkindern und infolge chronischer Erkrankungen oder durch Medikamente (beispielsweise Kortison)
  • Sehr intensiver Geschlechtsverkehr oder besondere Sexualpraktiken (wie Analverkehr ohne Verwendung eines Kondoms) können zur Verschleppung von Keimen führen
  • Hypothermie (Unterkühlung)

In vielen Fällen sind Harnwegsinfekte auch die Folge von falsch ausgeübten Hygienemaßnahmen. Mädchen und Frauen sollten immer darauf achten, dass sie sich von der Scheide zum After hin abtrocknen. Beim Abtrocknen in die Gegenrichtung könnte es zur Verschleppung von Darmbakterien in die Harnröhre kommen.

Nur in sehr seltenen Fällen gelangen die Krankheitserreger über das Blut oder das Lymphsystem in die Harnwege. Falls die Infektion auf diesem Weg erfolgt, handelt es sich zumeist um das Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulose), Staphylokokken oder Candida albicans (Hefepilze).

Symptome

Bei einer Zystitis (Harnblasenentzündung) kommt es zumeist zum Auftreten folgender Beschwerden:

  • Dysurie: erschwerte gewollte Harnblasenentleerung
  • Algurie: Schmerzen beim Wasserlassen
  • Pollakisurie: häufiges Wasserlassen, wobei jedes Mal nur geringe Mengen Urin ausgeschieden werden – die Gesamtmenge des Harns ist nicht erhöht
  • Blasentenesmen: Harnblasenkrämpfe
  • Hämaturie: Blutbeimengungen im Urin – diese können mit freiem Auge sichtbar (Makrohämaturie) oder unsichtbar (Mikrohämaturie) sein
  • Nykturie: nächtlicher Harndrang (mindestens zweimal) 
  • Pyurie: mit freiem Auge sichtbare Beimengungen von Eiter im Urin
  • Schmerzen im Bereich über dem Schambein

Gelangen die Keime von der Harnblase über die Harnleiter zu den Nieren, kann dies zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) führen. Die Nierenbeckenentzündung macht sich durch hohes Fieber, ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl und starke Schmerzen im Bereich der Nieren bemerkbar.

Diagnose

Durch die Beschreibung des Krankheitsbildes bei der Anamnese (ärztliches Gespräch) lässt sich durch den Arzt oft schon eine Vermutung in Richtung Harnwegsinfektion stellen. Zur endgültigen Diagnose wird eine Harnuntersuchung durchgeführt. Dabei wird der Urin auf das Vorhandensein von Bakterien, Nitrit (nur bei Bakterienbefall der Harnwege im Urin nachweisbar), Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Erythrozyten (rote Blutkörperchen) hin untersucht.

Bei der Harnuntersuchung wird der sogenannte Mittelstrahlurin untersucht – das bedeutet, dass der erste Harnstrahl in die Toilette verworfen wird und erst dann der Harn für die Untersuchung in einem sterilen Behälter gesammelt wird. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass das Ergebnis der Harnuntersuchung nicht durch Bakterien verfälscht wird, die sich außen an der Harnröhre befinden.

Zunächst wird der Urin mittels Urin-Teststreifen untersucht. Mithilfe von diesen lassen sich beispielsweise Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit nachweisen. In manchen Fällen wird zusätzlich das Urinsediment mikroskopisch untersucht.

Handelt es sich um einen komplizierten Harnwegsinfekt oder tritt die Erkrankung mehrfach auf, wird manchmal eine Urinkultur angelegt. Auf diese Weise ist eine exakte Bestimmung des Erregers sowie ein Test auf etwaige Antibiotika-Resistenzen möglich.

Um die Diagnose vollständig zu sichern, werden oftmals verschiedene bildgebende Verfahren angewendet. Mittels einer Ultraschall-Untersuchung ist eine Beurteilung der Harnblase und der Nieren möglich – so lässt sich beispielsweise eine Nierenbeckenentzündung von einem Harnwegsinfekt abgrenzen. Auch Blasensteine können festgestellt werden. Bei hartnäckigen Harnwegsinfekten kann eine Zystoskopie (Harnblasenspiegelung) durchgeführt werden, um einen Tumor sicher ausschließen zu können. Mithilfe einer Röntgenuntersuchung können verengte ableitende Harnwege diagnostiziert werden.

Vor allem bei jungen Menschen mit häufig auftretenden Harnwegsinfekten wird manchmal eine gezielte Untersuchung auf verschiedene Geschlechtskrankheiten oder Infektionen mit Pilzen und Trichomonaden durchgeführt.

Therapie

Generell sollten alle Harnabflussstörungen (beispielsweise durch eine Fehlbildung der Harnwege oder eine vergrößerte Prostata) behandelt und behoben werden, da ansonsten das Risiko, erneut an einem Harnwegsinfekt zu erkranken, sehr hoch ist.

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen werden mit Antibiotika behandelt. Dabei werden häufig Wirkstoffe wie zum Beispiel Trimethoprim-Sulfamethoxazol oder Fosfomycin eingesetzt. Zusätzlich können Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zur Linderung der Beschwerden eingenommen werden.

Falls Fieber auftritt oder bei oberen Harnwegsinfekten (Nierenbeckenentzündung) werden ebenfalls Antibiotika eingesetzt. Dabei werden zu Beginn der Therapie häufig Breitband-Antibiotika verabreicht – nach der Austestung von Bakterienkulturen auf etwaige Antibiotika-Resistenzen wird anschließend die Therapie mit dem passenden Präparat fortgeführt.

Vor allem für Frauen, die häufig unter wiederkehrenden Harnwegsinfektionen leiden, kann nach Absprache mit dem Urologen eine dauerhafte, präventive Einnahme eines speziellen Antibiotikums sinnvoll sein. Auch die Ansäuerung des Harns mit bestimmten Medikamenten (zum Beispiel mit L-Methionin) kann helfen, die Häufigkeit der Harnwegsinfekte zu reduzieren, da das Wachstum der Bakterien durch das saure Harnmilieu gehemmt wird.

Prognose

Wird die Harnwegsinfektion richtig behandelt, heilt die Erkrankung zumeist innerhalb weniger Tage aus. Besonders Frauen besitzen ein höheres Risiko, nach überstandener Infektion erneut an Harnwegsinfektionen zu erkranken – auch die wiederkehrenden Infektionen sind in den meisten Fällen gut therapierbar.

Liegen zusätzlich Harnabflussstörungen (zum Beispiel eine vergrößerte Prostata) oder anatomische Fehlbildungen der Harnleiter vor, besteht ein erhöhtes Risiko, dass eine untere Harnwegsinfektion aufsteigt und dadurch eine Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) auslöst. Um dieser Komplikation vorzubeugen, ist es empfehlenswert, diese Risikofaktoren durch den Arzt behandeln und beheben zu lassen.

Falls eine Harnwegsinfektion nicht entsprechend behandelt wird, kann es zur Ausbreitung der Infektion kommen. Gelangen die Erreger dabei über den Blutkreislauf in den Körper, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Urosepsis) führen.

Vorbeugen

Folgende Maßnahmen können hilfreich sein, einer Harnwegsinfektion vorzubeugen:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Um Harnwegsinfektionen vorzubeugen, sollten täglich mindestens 1 Liter Flüssigkeit getrunken werden. Dadurch werden die ableitenden Harnwege gut gespült. Empfehlenswert sind Wasser und ungesüßte Tees. Als Ergänzung dazu können auch spezielle Blasen- und Nierentees getrunken werden. Diese enthalten verschiedene Pflanzenextrakte wie beispielsweise Birke, Brennnessel, Wacholder oder Schachtelhalm. Dadurch werden die Nieren zu einer verstärkten Harnproduktion angeregt.
  • Die Füße und den Unterleib warm halten – nasse Kleidung und Badesachen sollten sofort ausgezogen werden
  • Bei der Intimhygiene auf die Verwendung von Seife zu verzichten
  • Bärentraubenblättertee: Dieser enthält den Wirkstoff Hydrochinon, welcher desinfizierend auf den Harn wirkt. Dadurch kann das Risiko für Harnwegsinfekte gesenkt werden. Es sollten vier bis fünf Tassen des Tees pro Tag eingenommen werden – besonders wichtig ist eine Tasse Tee kurz vorm Einschlafen, sodass sich der desinfizierende Wirkstoff über Nacht in der Blase anreichern kann. Durch das Hinzugeben einer Messerspitze Natron kann die Wirkung verstärkt werden.
  • Preiselbeeren: Diese sind reich an Tanninen (Gerbstoffen), welche es Bakterien erschweren, sich an der Innenwand der Harnblase und der Harnwege anzuheften. Bei einer akuten Harnwegsinfektion wird daher empfohlen, zirka 200 ml Preiselbeersaft verdünnt mit Wasser über den Tag verteilt zu trinken.
  • Möglichst keine Zitrussäfte sowie keinen Kaffee und Alkohol

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