Ein- und Durchschlafstörungen

Ein- und Durchschlafstörungen
Internationale Klassifikation (ICD) F51.-
Symptome Tagesm√ľdigkeit, Konzentrationsst√∂rungen, verminderte Leistungsf√§higkeit/Belastbarkeit, verminderte Schlafqualit√§t
Mögliche Ursachen Stress, familiäre Probleme, Schmerzen, Harndrang, Koffein-, Alkohol-, Drogen-, Medikamenteneinnahme, helle oder unbequeme Schlafumgebung
Wirkstoffe Zolpidem

Grundlagen

Schlafstörungen gehören mit einer Häufigkeit von 6 bis 10 % der Bevölkerung zu den verbreitetsten Gesundheitsproblemen. Während vereinzelte schlaflose Nächte bei fast allen Menschen auftreten, sollten bei länger andauernden Schlafproblemen die Ursachen abgeklärt werden.

Frau, die an Schlaflosikeit leidet Tero Vesalainen / iStock

Die notwendige Schlafdauer ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und nimmt in der Regel mit dem Alter ab. Während ein Schulkind etwa neun Stunden Schlaf benötigt, sind es beim Erwachsenen im Schnitt nur noch sieben Stunden und bei älteren Menschen nur mehr sechs Stunden. Dabei handelt es sich jedoch um Durchschnittswerte, die individuell stark abweichen können.

In der Fachsprache wird die Schlaflosigkeit ‚ÄěInsomnie‚Äú und der Schlafmangel ‚ÄěHyposomnie‚Äú bezeichnet. Andere Schlafst√∂rungen, wie etwa Albtr√§ume, Schlafwandeln oder n√§chtliche Atemst√∂rungen (Schlafapnoe) fallen nicht unter diesen Begriff. Es gibt zus√§tzlich Erkrankungen, die mit einem krankhaft vermehrten Schlaf einhergehen (z.B. Narkolepsie), die ebenfalls als Schlafst√∂rung bezeichnet werden.

Ursachen

Primäre Schlafstörungen

Prim√§re Schlafst√∂rungen haben keine spezifischen Ursachen, sondern werden durch psychische Belastungsfaktoren, wie etwa Stress oder Sorgen beispielsweise im Beruf oder durch famili√§re Probleme, ausgel√∂st. Des Weiteren kann die Schlafqualit√§t und -dauer durch ung√ľnstige Schlafbedingungen (z.B. eine laute, helle oder unbequeme Schlafumgebung) behindert werden. Oft f√ľhrt ein einfacher Ausl√∂ser zu einer weiteren Verst√§rkung der Schlafst√∂rung, in dem weiteres Gr√ľbeln, Nachdenken √ľber die negativen Folgen der Schlaflosigkeit und Anspannung ein Einschlafen weiter verhindert.

Sekundäre Schlafstörungen

Sekundäre Schlafstörungen werden durch körperliche oder psychiatrische Ursachen ausgelöst. Auch die Einnahme von bestimmten Substanzen kann einen Einfluss haben: Neben Koffein, Alkohol und Drogen können auch Medikamente die Schlafqualität stören.

Mögliche körperliche Ursachen einer sekundären Schlafstörung sind:

Symptome

Im Vordergrund steht die unzureichende Dauer oder Qualit√§t des n√§chtlichen Schlafes. Diese Schwierigkeiten k√∂nnen unterschiedliche Formen annehmen. W√§hrend manche Personen sehr lange zum Einschlafen brauchen (Einschlafst√∂rung), wachen andere wom√∂glich zu fr√ľh auf und k√∂nnen nicht mehr weiterschlafen (Durchschlafst√∂rung). Die Folge sind Tagesm√ľdigkeit, Konzentrationsst√∂rungen und verminderte Leistungsf√§higkeit oder Belastbarkeit am darauffolgenden Tag. Die Leistungseinschr√§nkung am Folgetag und der allgemeine Leidensdruck sind die Hauptparameter f√ľr die Beurteilung der Schwere einer Schlafst√∂rung.

Diagnose

Grundlegende Diagnostik

Grundlage f√ľr die Diagnose ist die Erhebung der Beschwerden. Ab einer Dauer von einem Monat und einer H√§ufigkeit von mindestens drei N√§chten pro Woche gelten die Symptome als Ausdruck einer Schlafst√∂rung. Dabei kann es hilfreich sein, noch vor einem Besuch beim Arzt ein Schlaftagebuch zu f√ľhren. In diesem sollten folgende Informationen notiert werden:

  • Erholsamkeit des Schlafes
  • Koffeinkonsum
  • Alkoholkonsum
  • Medikamenteneinnahme
  • stressige Ereignisse am selben Tag
  • Schmerzen

In der Arztpraxis k√∂nnen daraufhin die Schwere der Schlafst√∂rung und m√∂gliche Ursachen mithilfe eines Gespr√§chs (Anamnese) eingesch√§tzt werden. Zus√§tzlich kann eine k√∂rperliche Untersuchung erfolgen. Dies ist meist ausreichend f√ľr die Diagnose eine Schlafst√∂rung.

Zusätzliche Untersuchungen

In einzelnen Fällen oder bei Verdacht auf eine zugrundeliegende Ursache der Schlafstörung können zusätzliche Untersuchungen hilfreich sein.

Laboruntersuchung

Durch eine Blutabnahme und Labordiagnostik k√∂nnen k√∂rperliche Ursachen eine Schlafst√∂rung wie beispielsweise eine Schilddr√ľsen√ľberfunktion festgestellt werden.

Aktigraphie

Eine einfach Methode zur Bestimmung der k√∂rperlichen Aktivit√§t unter Tags und der Schlafqualit√§t nachts sind Aktigraphen oder Aktometer. Diese technischen Ger√§te k√∂nnen mithilfe von Sensoren K√∂rperbewegungen √ľber einen l√§ngeren Zeitraum aufzeichnen. Ein Beispiel hierf√ľr sind moderne Smartwatches oder Sportuhren die meist integrierte Programme zur Messung der Schlafqualit√§t beinhalten.

Schlaflabor

In manchen F√§llen kann eine √úberwachung (Polysomnographie) in einem Schlaflabor weitere wichtige Informationen √ľber das Schlafverhalten liefern. Dabei kommen folgende Untersuchungen zum Einsatz:

  • Elektroenzephalographie (EEG):¬†hierf√ľr werden Elektroden auf die Kopfhaut geklebt oder mittels einer speziellen ‚ÄúHaube‚ÄĚ getragen. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, kann jedoch etwas kribbeln oder die Haut reizen. Die Hirnaktivit√§t wird in Form von Wellen angezeigt, welche Aufschl√ľsse √ľber die Tiefe des Schlafes geben k√∂nnen.
  • Messung der Herzfrequenz: zur Diagnose von Herzrhythmusst√∂rungen oder Stressreaktionen (z.B. w√§hrend n√§chtlichen Atempausen)
  • Messung der Atemfrequenz:¬†zum Nachweis n√§chtlicher Atempausen (Schlafapnoe). Diese beeintr√§chtigen die n√§chtliche Erholsamkeit und werden durch die Verengung der Atemwege durch anatomische Besonderheiten oder √úbergewicht verursacht.
  • Messung der Sauerstoffs√§ttigung (Pulsoxymetrie): Dabei wird mithilfe von Licht der Finger durchleuchtet und die Absorption gemessen. Auch diese Untersuchung ist schmerzlos und dient dem Nachweis n√§chtlicher Atemst√∂rungen und S√§ttigungsabf√§llen.
  • Beinbewegungen: das sogenannte Restless-Legs-Syndrom √§u√üert sich durch einen unbeherrschbaren Bewegungsdrang der Beine und ist eine h√§ufige Ursache f√ľr Schlafst√∂rungen.
Monitor bei Untersuchung im Schlaflabor

gorodenkoff / iStock

Therapie

Eine effiziente Schlafhygiene ist der erste Schritt in der Behandlung einer Schlafst√∂rung und kann in vielen F√§llen eine Verbesserung der Beschwerden erreichen. Die Schlafumgebung sollte ruhig, dunkel und gem√ľtlich sein. Au√üerdem sollte die Zeit im Bett auf die Schlafenszeit begrenzt und etwa Fernsehen, Lesen oder andere T√§tigkeiten im Bett vermieden werden. Morgens soll das Bett nach dem Erwachen bald verlassen und ein langes Liegenbleiben vermieden werden. Abends sollte man nur zu Bett gehen, wenn man bereits m√ľde ist. K√∂rperliche Aktivit√§t und Sport untertags k√∂nnen den Schlaf verbessern, jedoch sollten abends k√∂rperlich anstrengende oder geistig fordernde T√§tigkeiten vermieden werden. Eine entspannende Gestaltung des Abends, wie etwa Lesen, ein warmes Bad nehmen oder einen hei√üen Kr√§utertee trinken, kann schlaff√∂rdernd wirken und f√ľr Entspannung sorgen. Der Konsum von Alkohol, Koffein und schwerverdaulichen Speisen sollten allgemein, aber insbesondere abends vermieden werden. Kontraproduktiv ist Mittagsschlaf tags√ľber.

Sollte eine verbesserte Schlafhygiene nicht ausreichend sein, können weitere Therapiemöglichkeiten folgen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie kann ein weiteres wertvolles Hilfsmittel darstellen. Die Therapie wird in Einzel-, Gruppen- oder Online-Sitzungen angeboten. Dabei wird mit Hilfe eines Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin neben Entspannungstechniken auch erlernt, wie negative Denkmuster durchbrochen werden k√∂nnen. Zu den eingesetzten Entspannungsmethoden geh√∂ren etwa Visualisierungen, progressive Muskelentspannung und Atem√ľbungen.

Manche Behandlungen sind zwar nicht wissenschaftlich belegt, werden jedoch von vielen Patienten zusätzlich zu den obengenannten Therapieansätzen eingesetzt. Darunter fallen beispielsweise Akupunktur, Aromatherapie, Homöopathie, Lichttherapie, Musiktherapie und Yoga.

Medikamentöse Therapieoptionen

Kurzfristig k√∂nnen auch schlaff√∂rdernde Mittel eingesetzt werden. Voraussetzung hierf√ľr ist die vollst√§ndige Diagnostik, inklusive Ausschluss behandelbarer Grunderkrankungen und der erfolglose Therapieversuch mit nicht-medikament√∂sen Behandlungsm√∂glichkeiten wie Schlafhygiene und Psychotherapie. Es stehen eine Reihe von Substanzgruppen zur Therapie zu Verf√ľgung.

Auf folgende Probleme sollte bei der Anwendung von frei verkäuflichen und verschreibungspflichtigen Schlafmitteln geachtet und im Zweifelsfall eine Fachperson konsultiert werden:

  • Gew√∂hnungseffekt:¬†Einschlafen ohne das Medikament nicht mehr m√∂glich
  • Entzugserscheinungen:¬†Unruhe und Angstzust√§nde bei pl√∂tzlichem Absetzen des Medikaments
  • Wirkungsverlust: Fortbestehen der Schlafst√∂rung trotz Einnahme der Substanz
  • Lebensbedrohliche √úberdosierung oder √úberempfindlichkeit: √§u√üert sich durch Verwirrtheit, Ausfall der Atmung und Blauf√§rbung der Fingerspitzen und Lippen
  • Tagesm√ľdigkeit: Am Tag nach der Einnahme k√∂nnen die Konzentration und Reaktionsf√§higkeit beeintr√§chtigt sein. Vorsicht bei der Bedienung von Fahrzeugen und anderen Maschinen ist geboten!
  • Wechselwirkung:¬†Insbesondere Alkohol, starke Schmerzmittel (Opioide), Antihistaminika und Antidepressiva k√∂nnen gef√§hrliche Wechselwirkungen mit Benzodiazepinen haben.

Pflanzliche Extrakte aus Passionsblume, Melisse, Hopfen oder Baldrian werden von manchen Patienten zur Schlaff√∂rderung eingesetzt und sind in vielen F√§llen bereits ausreichend f√ľr eine suffiziente Therapie. Die Evidenzlage f√ľr eine Wirksamkeit ist schwach, weshalb keine allgemeine Empfehlung ausgesprochen werden kann.

Schlafmittel auf Melatonin-Basis sind rezeptfrei erh√§ltlich und wirken auf das Gehirn wie das k√∂rpereigene Schlafhormon Melatonin, wodurch ein leichter schlafansto√üender Effekt erzielt werden kann. Dies ist vor Allem bei kurzfristigen Schlafst√∂rungen durch Jetlag oder Schichtarbeit hilfreich. Melatonin ist mitverantwortlich f√ľr den nat√ľrlichen Schlaf-Wach-Zyklus und wird bei Dunkelheit im Gehirn ausgesch√ľttet. Die √§u√üere Zufuhr des Hormons ist unbedenklich, jedoch ist die langfristige Wirksamkeit nicht nachgewiesen. Da es h√§ufig nicht als Medikament, sondern als Nahrungserg√§nzungsmittel verkauft wird, obliegt es nicht den strengen rechtlich festgeschriebenen Qualit√§tsstandards f√ľr Arzneimittel. Dennoch handelt sich es um eine Substanz mit m√∂glichen unerw√ľnschten Wirkungen, weshalb die √§rztliche Beratung vor und w√§hrend der Verwendung empfohlen wird.

Auch beruhigende Antihistaminika sind rezeptfrei erhältlich, sollten jedoch nicht dauerhaft und nicht von älteren Menschen verwendet werden. Ihr Einsatz beschränkt sich auf vereinzelte unruhige Nächte.

Die Gruppe der sogenannten Benzodiazepine beinhaltet eine Reihe von Substanzen, die sich zur kurzzeitigen Behandlung einer Schlafst√∂rung eignen. Sie unterscheiden sich in Dosierung und Wirkdauer. Auch wenn sie stark schlaff√∂rdernd wirken, f√ľhren sie aufgrund einer langen Wirkdauer h√§ufig zu einer M√ľdigkeit am n√§chsten Tag (Hangover). Eine wichtige negative Eigenschaft der Benzodiazepine ist die schnelle Entwicklung einer Abh√§ngigkeit und Toleranz. Dies bedeutet, dass ein Einschlafen ohne Einnahme des Medikamentes nicht mehr m√∂glich ist und eine stetig h√∂here Dosis zum Einschlafen genommen werden muss. Daher raten Expertinnen und Experten von einer dauerhaften Behandlung mit Benzodiazepinen ab.

Weitere verschreibungspflichtigen Schlafmittel sind die ‚ÄěZ-Substanzen‚Äú (bspw. Zolpidem, Zopiclon), welche benzodiazepin√§hnlich sind. Diese sind ebenfalls f√ľr die kurzzeitige Therapie geeignet und weisen ebenfalls ein Risiko f√ľr Abh√§ngigkeit auf.

Prognose

Psychisch bedingte Schlafstörungen sind häufig chronisch. Die besten Ergebnisse können mit einer kognitiven Verhaltenstherapie erreicht werden. Falls eine körperliche Ursache wie Schmerzen oder eine chronische Erkrankung der Auslöser ist, kann durch Behandlung der Grunderkrankung in den meisten Fällen zumindest eine Besserung erreicht werden. 

Unbehandelte Schlaflosigkeit setzt dem K√∂rper gro√üen Stress aus und kann zu Beschwerden wie depressiven Verstimmungen und Bluthochdruck f√ľhren. Durch Letzteres steigt auch das Risiko f√ľr Herzinfarkte und Schlaganf√§lle.

Vorbeugen

Es gibt keine speziellen M√∂glichkeiten Ein- und Durchschlafst√∂rungen gezielt zu verhindern. Die Einhaltung eine Schlafhygiene kann oft helfen. Durch Fr√ľherkennung der Symptome kann aber rasch interveniert und somit die Beschwerden und Risiken der Schlaflosigkeit minimiert werden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Olivia Malvani, BSc

Olivia Malvani, BSc
Autor

Als Studentin der Ern√§hrungswissenschaften verfasst sie Magazinartikel zu aktuellen medizinisch-pharmazeutischen Themen und verbindet diese mit ihrem pers√∂nlichen Interesse f√ľr pr√§ventive Ern√§hrung und Gesundheitsf√∂rderung.

Dr. med. univ. Bernhard Peuker, MSc

Dr. med. univ. Bernhard Peuker, MSc
Lektor

Bernhard Peuker ist Lektor sowie Medical Advisor bei Medikamio und arbeitet als Arzt in Wien. Bei der Arbeit lässt er sein klinisches Wissen, praktischen Erfahrungen und wissenschaftliche Leidenschaft einfließen.

Anzeige

Anzeige

Ihr persönlicher Arzneimittel-Assistent

afgis-Qualit√§tslogo mit Ablauf Jahr/Monat: Mit einem Klick auf das Logo √∂ffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen √ľber medikamio GmbH & Co KG und sein/ihr Internet-Angebot: medikamio.com/ This website is certified by Health On the Net Foundation. Click to verify.
Medikamente

Durchsuche hier unsere umfangreiche Datenbank zu Medikamenten von A-Z, mit Wirkung und Inhaltsstoffen.

Wirkstoffe

Alle Wirkstoffe mit ihrer Anwendung, chemischen Zusammensetzung und Arzneien, in denen sie enthalten sind.

Krankheiten

Ursachen, Symptome und Behandlungsm√∂glichkeiten f√ľr h√§ufige Krankheiten und Verletzungen.

Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir k√∂nnen f√ľr die Korrektheit der Daten keine Haftung √ľbernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. F√ľr Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden