Kaliumiodid

Kaliumiodid

Grundlagen

Kaliumiodid ist ein Wirkstoff mit schilddrĂŒsenschĂŒtzenden und schleimlösenden Eigenschaften. Es wird in oraler Tablettenform wĂ€hrend eines nuklearen Strahlungsnotfalls verabreicht, um die Aufnahme von radioaktivem Iod zu verhindern. Dadurch wird die SchilddrĂŒse vor krebserregender Strahlung geschĂŒtzt. In einigen europĂ€ischen LĂ€ndern werden Kaliumiodidtabletten beispielsweise in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bevorratet (Österreich), kostenlos in der Apotheke erhalten (Deutschland) oder an Gemeinden im Umkreis kerntechnischer Anlagen verteilt (Schweiz). Zumeist wird die Bevölkerung per Rundfunk zur Einnahme aufgefordert.‹

Als Zusatz zu anderen SchilddrĂŒsenfunktion-hemmenden Medikamenten kann Kaliumiodid auch bei der Behandlung einer SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion eingesetzt werden, z.B. prĂ€operativ zur Auslösung der SchilddrĂŒsenrĂŒckbildung.

Wirkung

Pharmakodynamik

Kaliumiodid blockiert die Bildung und Freisetzung von SchilddrĂŒsenhormonen und reduziert dadurch die Sichtbarkeit der BlutgefĂ€ĂŸe am Körper. Das SchilddrĂŒsengewebe verfestigt sich, die SchilddrĂŒsenzellen verkleinern sich, das proteingebundene inaktivierte Thyroxin (SchilddrĂŒsenhormon) sammelt sich wieder an und der Gehalt an gebundenem Iod nimmt zu.
Zum Schutz wĂ€hrend einer Strahlenexposition wird durch Kaliumiodid die Aufnahme radioaktiver Iodisotope durch die SchilddrĂŒse gehemmt und das Risiko von strahleninduzierte SchilddrĂŒsentumoren minimiert.
Eine Verabreichung weniger Stunden nach Eintreffen der radioaktiven Luftmassen senkt die Effizienz des Wirkstoffes bereits um 15% bzw. 50 %. Aufgrund dessen ist es besonders wichtig, in solchen FĂ€llen die Kaliumiodid-Tabletten rasch einzunehmen.

Pharmakokinetik

Oral eingenommenes Kaliumiodid wird im DĂŒnndarm praktisch zur GĂ€nze resorbiert. Vor der Aufnahme werden Iod und Iodat im Darm zu Iodid reduziert. Das zurĂŒckgehaltene Iodid wird in der SchilddrĂŒse, in den SpeicheldrĂŒsen, BrustdrĂŒsen und im Magen gespeichert. Das im Blut zirkulierende Iodid wird binnen eines Tages nahezu vollstĂ€ndig ĂŒber die Nieren ausgeschieden, kann aber auch in TrĂ€nen, Schweiß und Milch vorgefunden werden. 

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Einnahme von Lithium fördert die VergrĂ¶ĂŸerung der SchilddrĂŒse (Kropfenstehung) und die Entwicklung einer SchilddrĂŒsenunterfunktion. WĂ€hrend der Einnahme von kaliumsparenden diuretischen (harntreibenden) Medikamenten kann es zu erhöhten Kaliumkonzentrationen im Blut kommen. Die Wirkungen von Arzneimitteln zur Behandlung einer SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion (Methimazol, Propylthiouracil) können durch Kaliumiodid abgeschwĂ€cht werden.

Kontraindikationen

Da einige Personen ausgesprochen empfindlich auf Jod reagieren, sollte Kaliumjodid bei der anfĂ€nglichen Verabreichung mit Vorsicht angewendet werden. Ein Risiko fĂŒr jodinduzierte Nebenwirkungen haben Patienten mit hypokomplementĂ€mischer Vaskulitis (chronische GefĂ€ĂŸentzĂŒndung), einer SchilddrĂŒsenschwellung oder einer autoimmunen SchilddrĂŒsenerkrankung.
WĂ€hrend der Schwangerschaft kann die Einnahme von Kaliumiodid Probleme der SchilddrĂŒse bei Mutter und Kind bewirken, wobei die Schutzwirkung vor radioaktiver Strahlung (im Fall einer Exposition) das Risiko einer SchĂ€digung der SchilddrĂŒse ĂŒberwiegt.
Bei Patienten mit Tuberkulose sollte Kaliumiodid nur mit Ă€ußerster Vorsicht angewendet werden, genauso wie bei einer Autoimmunerkrankung der SchilddrĂŒse, da Iod stimulierend auf die AutoimmunitĂ€t der SchilddrĂŒse wirkt.

ToxizitÀt

Nebenwirkungen

Das Risiko der Nebenwirkungen erhöht sich mit dem steigenden Lebensalter.
Zu den unerwĂŒnschten Nebenwirkungen gehören:

  • Verdauungsbeschwerden
  • Metallischer Geschmack
  • BindehautentzĂŒndung
  • Schwellung der SpeicheldrĂŒsen
  • Kopfschmerzen
  • Husten
  • Bronchitis
  • Lungenödem
  • Herzklopfen
  • Ruhelosigkeit

In seltenen FĂ€llen kommt es zu einer SchilddrĂŒsenĂŒber- oder unterfunktion sowie zu Überempfindlichkeitsreaktionen.

Toxikologische Daten

LD50 (Ratten, intravenös): 285 mg/kg

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code R05CA02, S01XA04, V03AB21
Summenformel KI
Molare Masse (g·mol−1) 166,0028
Aggregatzustand fest
Dichte (g·cm−3) 3,13
Schmelzpunkt (°C) 681
Siedepunkt (°C) 1323
PKS Wert 3,09
CAS-Nummer 7681-11-0
PUB-Nummer 4875
Drugbank ID DB06715

Redaktionelle GrundsÀtze

Alle fĂŒr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprĂŒften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter UniversitĂ€ten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Markus FalkenstÀtter, BSc

Markus FalkenstÀtter, BSc
Autor

Markus FalkenstÀtter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der UniversitÀt Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der UniversitÀt Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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