Adipositas (Fettleibigkeit)

Adipositas (Fettleibigkeit)
Internationale Klassifikation (ICD) E66.-
Symptome Gewichtszunahme, krankhafte Fettansammlung, Eingeschr√§nkte k√∂rperliche Leistungsf√§higkeit, Hyperhidrosis, Sodbrennen, Schlafapnoe, erh√∂htes Risiko f√ľr Folgeerkrankungen
Mögliche Ursachen genetische Disposition, psychosoziale Faktoren, Körperliche Inaktivität, zu hohe Energiezufuhr, Medikamenteneinnahme, Stoffwechselerkrankungen, Schlafmangel
Mögliche Risikofaktoren Körperliche Inaktivität, zu hohe Energiezufuhr, psychische Störungen, psychischer Stress, einschneidende Veränderungen im Leben
Mögliche Therapien Ernährungstherapie, Verhaltensmodifikation, Bewegungstherapie, operativer Eingriff, Medikamente
Wirkstoffe Orlistat , Liraglutid , Bupropion , Naltrexon , Semaglutid
(iStock / Liudmila Chernetska)

Grundlagen

Unter Adipositas oder Fettleibigkeit versteht man eine chronische, behandelbare Erkrankung mit einer √ľber das Normalma√ü hinausgehende K√∂rperfettvermehrung. Das Wort leitet sich dabei aus dem Lateinischen ‚Äěadeps‚ÄĚ (Fett) ab. Die Erkrankung beeintr√§chtigt zahlreiche K√∂rperfunktionen und erh√∂ht das Krankheits- sowie das Sterberisiko. F√ľr die Gewichtsklassifikation wird h√§ufig der K√∂rperma√üindex (Body-Mass-Index) herangezogen. Der K√∂rperma√üindex (BMI) wird aus dem Quotienten von Gewicht und K√∂rpergr√∂√üe zum Quadrat (kg/m2) gebildet. Ab einem BMI von 30 kg/m2 spricht man von Adipositas. Eine sogenannte extreme Adipositas liegt ab einem BMI von 40 kg/m2 vor.

Grundlagen

Der Body-Mass-Index

Da die exakte Messung des K√∂rperfetts oft schwierig ist, wird h√§ufig der BMI zur Adipositaseinteilung herangezogen. Der BMI liefert jedoch keine Aussage √ľber den K√∂rperfettanteil einer Person.

Kategorie

BMI

Risiko f√ľr Begleiterkrankungen

 Untergewicht

 < 18,5 

 niedrig

 Normalgewicht

 18,5 - 24,9

 durchschnittlich

 Übergewicht

¬†‚Č• 25

 

 Präadipositas

 25 - 29,9

 etwas erhöht

 Adipositas Grad I

 30 - 34,9

 erhöht

 Adipositas Grad II

 35 - 39,9

 hoch

 Adipositas Grad III

¬†‚Č• 40

 sehr hoch

Häufigkeit

In √Ėsterreich sind derzeit etwa ein Drittel (34,5 %) der Personen √ľbergewichtig und 16,6 % der Einwohner von Adipositas betroffen. In Deutschland sind die Zahlen etwas h√∂her. Hier sind zirka die H√§lfte der Bev√∂lkerung von √úbergewicht betroffen und etwa ein Viertel der Erwachsenen adip√∂s (24 %). Die H√§ufigkeit von Fettleibigkeit nimmt generell mit steigendem Alter zu, wobei zwei Drittel der Betroffenen eine Adipositas erst im Erwachsenenalter entwickeln. In den letzten Jahren konnte jedoch eine Zunahme von Fettleibigkeit bei jungen Erwachsenen und auch Frauen im geb√§rf√§higen Alter beobachtet werden. Bei Personen mit hohem sozio√∂konomischem Status tritt Adipositas insgesamt weniger h√§ufig auf.

Ursachen

Bei Fettleibigkeit bekommt der K√∂rper einen Energie√ľberschuss in Form von Lebensmitteln, wobei gleichzeitig zu wenig Energie in Form von Bewegung verbraucht wird. Dieser √úberschuss besteht meist √ľber einen l√§ngeren Zeitraum und wird in den Fettzellen des K√∂rpers gespeichert. Bei der Entwicklung der Erkrankung spielen Gene, Hormone, Lebensstil, psychologische Faktoren und auch die Umwelt eine Rolle. Die Zunahme der H√§ufigkeit von Fettleibigkeit wird derzeit vor allem auf dick-machende Umweltfaktoren zur√ľckgef√ľhrt. Diese sind von √úberern√§hrung, einem Mangel an Bewegung sowie dem Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln gepr√§gt.

Folgende Ursachen kommen f√ľr eine Adipositas infrage:

  • genetische Ursachen

  • famili√§re Disposition

  • hohe Lebensmittelverf√ľgbarkeit

  • Schlafmangel

  • Stress

  • Depression

  • niedriger sozialer Status

  • Essst√∂rungen (z. B. Binge-Eating-St√∂rung)

  • Stoffwechselst√∂rungen (z. B. Schilddr√ľsenunterfunktion, Cushing-Syndrom)

  • Medikamente (z. B. Antidepressiva, Neuroleptika, Beta-Blocker)

  • andere Ursachen (z. B. Immobilisation, Schwangerschaft, Rauchstopp)

Die westliche Ernährung

Die moderne Ern√§hrung in den Industrienationen weist, im Vergleich zur Ern√§hrung unserer Vorfahren, eine etwa 2- bis 3-fach erh√∂hte Energiedichte auf. Dies ist das Ergebnis einer h√∂heren Dichte an ‚ÄěFastfood-Produkten‚ÄĚ und hochverarbeiteten Lebensmitteln mit viel Fett und Zucker. Der Anteil an Ballaststoffen ist bei diesen Produkten dagegen meist gering. Da das S√§ttigungsgef√ľhl auch von der Dehnung des Magens abh√§ngt, wird bei einem Verzehr von solchen energiedichten Lebensmitteln das S√§ttigungsgef√ľhl erst sp√§ter ausgel√∂st. Dieser Umstand beg√ľnstigt eine erh√∂hte Kalorienzufuhr. In den letzten Jahren haben zudem die mittleren Portionsgr√∂√üen bei Fastfood-Produkten zugenommen, wodurch Menschen oft eine gr√∂√üere Menge von Nahrung konsumieren. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nehmen heutzutage auch √∂fter zuckerreiche Soft- oder Energy-Drinks zu sich, die das Risiko von Fettleibigkeit bei regelm√§√üigem Verzehr stark erh√∂hen k√∂nnen.

Auch feste beziehungsweise geregelte Essenszeiten beugen einer Fettleibigkeit vor. Viele Menschen heutzutage essen jedoch bei Gelegenheit oder auch spontan (sogenanntes Snacking), wodurch eine Kontrolle der Energiezufuhr erschwert wird. Oftmals wird beim spontanen Essen auch eher zu Fastfood- oder sogenannten ‚ÄěConvenience"-Produkten gegriffen.

Der Einfluss des täglichen Lebens

Viele Faktoren des t√§glichen Lebens beeinflussen das Auftreten von Adipositas. Beispielsweise k√∂nnen Schreibtischjobs und lange Anfahrtswege zur Arbeit den Zugang zu k√∂rperlicher Aktivit√§t erschweren. Zudem gibt es in st√§dtischen Gebieten oft wenige M√∂glichkeiten zum Laufen, Radfahren oder auch f√ľr andere Sportarten. Auch die Erziehung, das Bildungsniveau und die Wohnverh√§ltnisse haben einen Einfluss auf das Risiko f√ľr Adipositas. Generell tritt bei Menschen mit akademischer Bildung und hohem Haushaltseinkommen Fettleibigkeit seltener auf als bei Personen mit geringem sozio√∂konomischem Status.

Symptome

Die Symptome der Adipositas sind vielf√§ltig und h√§ngen unter anderem vom Alter der Betroffenen, den Begleiterkrankungen sowie vom Schweregrad der Fettleibigkeit ab. Typische Leiden sind etwa eine belastungsabh√§ngige Atemnot (Dyspnoe), h√§ufige R√ľckenschmerzen oder ein Krampfaderleiden (Varikosis).

(iStock / towfiqu ahamed)

Komplikationen der Adipositas

Fettleibigkeit gilt als wichtiger Risikofaktor f√ľr eine Vielzahl von Erkrankungen. Adipositas ist laut der WHO weltweit f√ľr etwa 44 % aller Diabetesf√§lle und f√ľr rund 23 % aller F√§lle von koronarer Herzkrankheit verantwortlich. Zudem wird gesch√§tzt, dass Fettleibigkeit urs√§chlich f√ľr etwa 7 - 41 % aller Krebserkrankungen ist. Adipositas-assoziierte Erkrankungen verursachen in Deutschland alleine j√§hrliche Gesamtkosten von etwa 10 - 20 Milliarden Euro.

Krankheiten f√ľr die Adipositas einen wesentlichen Risikofaktor darstellt:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (z. B. Kniearthrose)

  • Gallensteine (Cholezystolithiasis)

  • Fettleber (Steatosis hepatis)

  • Gicht (Hyperurik√§mie)

  • Erh√∂hte Blutfettwerte (Hyperlipid√§mie)

  • Bluthochdruck (Hypertonie)

  • Herzschw√§che (Herzinsuffizienz)

  • Neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Demenz)

Das Risiko f√ľr Begleiterkrankungen nach der WHO:

Risiko > 3-fach erhöht

Risiko etwa 2 ‚Äď 3-fach erh√∂ht

Risiko 1 ‚Äď 2-fach erh√∂ht

Zuckerkrankheit (Typ 2 Diabetes)

Koronare Herzkrankheit

Krebserkrankungen

 Gallensteinerkrankung

 Bluthochdruck

 Polyzystisches Ovar-Syndrom

 Erh√∂hte Blutfettwerte

Kniegelenks-Arthrose

 H√ľftgelenks-Arthrose

 Insulinresistenz

 Gicht

 R√ľckenschmerzen

 Fettleber

 Reflux√∂sophagitis

 Unfruchtbarkeit

 Schlaf-Apnoe-Syndrom

 

 Fetopathie

Problematisches Bauchfett

Das viszerale Fett im Bauchraum ist nicht einfach nur vorhanden, sondern kann wie ein eigenst√§ndiges Organ betrachtet werden. Es ist stoffwechselaktiv und produziert Hormone sowie andere Substanzen, die Entz√ľndungen im gesamten K√∂rper f√∂rdern. Zudem schw√§chen diese Hormone das Immunsystem. Der K√∂rper k√§mpft also st√§ndig gegen eine chronische Entz√ľndung an, die unter anderem das Auftreten von Bluthochdruck, Diabetes und Herzkrankheiten f√∂rdert. Beispielsweise sind Adipokine Signalmolek√ľle, die vermehrt im menschlichen Fettgewebe produziert werden und an der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 oder Arteriosklerose beteiligt sind. 

Ab einem BMI von ‚Č• 25 kg/m2 sollte bei Betroffenen daher stets der Taillenumfang gemessen werden. Hiermit l√§sst sich das viszerale Fett beurteilen. Taillenumf√§nge von ‚Č• 88 cm bei Frauen und ‚Č• 102 cm bei M√§nnern sprechen f√ľr eine bauchbetonte Adipositas mit einem deutlich erh√∂hten Risiko f√ľr das Auftreten von Adipositas-assoziierten Erkrankungen. 

Stigmatisierung und Diskriminierung

Fettleibigkeit hat eine Vielzahl von psychosozialen Auswirkungen. Insbesondere in den letzten Jahren kommt es zu einer vermehrten Thematisierung der mit der Erkrankung oftmals einhergehenden Stigmatisierung und Diskriminierung. In der westlichen Welt wird √úbergewicht meist negativ bewertet, wobei auch f√ľr Deutschland eine Abwertung von adip√∂sen Menschen in Untersuchungen gezeigt werden konnte. Viele Menschen gehen von der Annahme aus, dass Personen aufgrund von Faulheit, mangelnder Disziplin und Willensschw√§che eine Fettleibigkeit entwickeln. Dieses Vorurteil sollte hinterfragt werden, da aus derzeitiger medizinischer Sicht viele Faktoren und auch k√∂rperliche Erkrankungen das Auftreten einer Adipositas beg√ľnstigen k√∂nnen.

Diagnose

Bei einer Adipositasabklärung sind folgende Diagnoseschritte notwendig beziehungsweise empfehlenswert:

Anamnese

Beginn und Entwicklung des √úbergewichts

Mögliche Einflussfaktoren

Motivation des Betroffenen zur Behandlung

Familienanamnese

Ernährungsanamnese

Erfassung der Bewegungsaktivität

Körperliche Untersuchung

Größe, Gewicht, BMI

Umfang der Taille

Blutdruck mit eventueller Langzeit-Blutdruckmessung

Bestimmung des Ruheenergieverbrauches

Labordiagnostik

Blutbild, Elektrolyte, Kreatinin, Transaminasen

Lipidstatus

Blutzucker, eventuell HbA1c-Wert

Oraler Glukosebelastungstest

TSH basal (bei Erstuntersuchung) 

Bildgebende Verfahren

EKG

Herzultraschall

Oberbauchultraschall

Insbesondere sollte der behandelnde Arzt auch die Ernährung beziehungsweise die Bewegungsaktivität des Patienten abfragen. Dies geschieht meist mit einem freien Protokoll, Fragebögen oder einem Schrittzähler. Differenzialdiagnostisch kommen bei einer Adipositas Bulimie oder auch ein Binge-Eating-Syndrom infrage. 

Behandelnde √Ąrzte sollten bei der Anamnese stets auch nach weiteren metabolischen Risikofaktoren wie erh√∂hten Blutfettwerten (Hyperlipid√§mie), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Bluthochdruck (Hypertonie) fragen.¬†

Sekundäre Adipositas

Bei etwa 1 - 5 % der Adipositas-Betroffenen tritt das Übergewicht im Zuge einer sekundären Fettleibigkeit auf. Diese sollten vor einer Adipositasbehandlung ausgeschlossen werden.

Zu den möglichen Grunderkrankungen, die eine Adipositas auslösen können, zählen:

  • hormonelle Ver√§nderungen

  • Unterfunktion der Schilddr√ľse (Hypothyreose)

  • Morbus Cushing

  • gutartige Tumore der Bauchspeicheldr√ľse mit Insulin-Aussch√ľttung

  • zentralnerv√∂se Ver√§nderungen

  • Neubildungen oder Sch√§digung des Hypothalamus

Neben Erkrankungen können auch Medikamente an der Entstehung von Fettleibigkeit beteiligt sein. Darunter fallen vor allem Antidepressiva (z. B. Mirtazapin), Neuroleptika (z. B. Clozapin, Olanzapin), Hypnotika, Antiepileptika (z. B. Gabapentin, Valproinsäure), Steroide, Antihistaminika (z. B. Ranitidin), orale Antidiabetika und Insulin.

Therapie

Heutzutage gibt es ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten, um Fettleibigkeit zu behandeln, Folgeerkrankungen vorzubeugen und die Lebensqualität insgesamt zu verbessern. 

Die wichtigsten Ziele einer Adipositastherapie sind:

  • Verhinderung von Folgeerkrankungen

  • Erhaltung der metabolischen Gesundheit

  • Behandlung bestehender Grunderkrankungen

  • Entstigmatisierung

  • F√∂rderung des K√∂rperbewusstseins

  • F√∂rderung des Selbstbewusstseins

Behandlungsziele bei einer Adipositastherapie sind immer individuell und sollten stets in Abstimmung mit den Betroffenen getroffen werden. Bei Fettleibigkeit ohne Begleiterkrankungen wird meist eine Gewichtssenkung von 5 - 10 % mit anschließender Gewichtsstabilisierung angestrebt. Die Höhe des angestrebten Gewichtsverlusts ist aber auch von den Begleiterkrankungen der Betroffenen abhängig. Beispielsweise wird bei Patienten mit einer bestehenden Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) eine Gewichtsreduktion von etwa 5 - 15 % empfohlen. Die subjektive Verbesserung der Lebensqualität hat bei der Behandlung von Adipositas-Patienten immer einen hohen Stellenwert.

Als Standardtherapie der Adipositas wird derzeit eine Kombination aus m√§√üig hypokalorischer Kost, Bewegung und Verhaltensmodifikation empfohlen. Wird mit diesen Ma√ünahmen in 3 - 6 Monaten keine 5 bis 10 % Gewichtsreduktion erreicht, sollte eine Therapieintensivierung ‚Äď z. B. mit einer stark restriktiven Kalorienzufuhr in Form von niedrig-kalorischer Kost ‚Äď in Erw√§gung gezogen werden.

BMI und Taillenumfang als Therapieindikation

Der BMI reicht als Kriterium zur Indikation einer Adipositasbehandlung alleine nicht aus und muss oft um den Taillenumfang erweitert werden. Der Taillenumfang eignet sich dabei als Ma√ü f√ľr das Fettverteilungsmuster. Taillenumf√§nge von ‚Č• 88 cm bei Frauen und ‚Č• 102 cm bei M√§nnern sind mit einem deutlich erh√∂htem Risiko (relatives Risiko 2-4) f√ľr metabolische und kardiovaskul√§re Krankheiten assoziiert.

Gesunde Kost (iStock /vaaseenaa)

Ernährungstherapie

Ziel der Ern√§hrungstherapie ist eine negative Energiebilanz. Patienten sollten durch die kalorienreduzierte Kost trotzdem ein S√§ttigungsgef√ľhl erfahren, um die Therapieform auch langfristig ins t√§gliche Leben etablieren zu k√∂nnen. Fettarme Lebensmittel sowie pflanzliche Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffanteil sind hier zu bevorzugen. Die Zusammensetzung der Makron√§hrstoffe (Fett, Eiwei√ü, Kohlenhydrate) ist dabei nicht ausschlaggebend.

Durch eine geschickte Nahrungsauswahl ‚Äď energie√§rmere Lebensmittel, Obst und Gem√ľse ‚Äď l√§sst sich meist eine Energieeinsparung von 500 bis 800 kcal pro Tag erreichen. Dabei kann die Nahrungsmenge oft erhalten bleiben, wodurch Betroffene weiterhin ein gutes S√§ttigungsgef√ľhl haben.

Eine weitere simple Ma√ünahme ist die Begrenzung der Fettzufuhr. Hier sollten anstatt 80 - 130 g pro Tag, 60 g Fett pro Tag zugef√ľhrt werden. Dieses Konzept ist relativ einfach umsetzbar, da sich Betroffene nur auf die Zufuhr eines Makron√§hrstoffes konzentrieren m√ľssen. Oft f√ľhrt diese Ma√ünahme einen Gewichtsverlust von 3 bis 5 kg herbei und sie eignet sich insbesondere zur Gewichtsstabilisierung sowie zur Adipositas-Prim√§rprophylaxe.

Verhaltensmodifikation

Methoden der Lern- und Verhaltenspsychologie eignen sich zur Ein√ľbung eines gesunden Essverhaltens und Lebensstils. Beispielsweise k√∂nnen so Trigger f√ľr die Nahrungsaufnahme analysiert und erkannt werden. Ung√ľnstige Verhaltensmuster in Bezug auf die Nahrungsaufnahme k√∂nnen mit professioneller psychologischer Hilfe auch oft ver√§ndert werden. Es empfiehlt sich, die Nahrungsaufnahme von externen Faktoren abzukoppeln und Regeln f√ľr Mahlzeiten sowie f√ľr den Lebensmitteleinkauf festzulegen. Auch Gruppeninterventionen eignen sich zur √Ąnderung des Essverhaltens und sind oft erfolgreicher als Einzelsitzungen.

Bewegungstherapie

Bewegung hat neben einem höheren Energieverbrauch auch andere positive Auswirkungen auf den Organismus. Jeder Adipositas-Betroffene sollte daher zu einer Steigerung der regelmäßigen Bewegungsaktivität ermutigt werden. Sport beziehungsweise körperliche Aktivität hat auch den Vorteil, dass die Muskelmasse während einer Diät erhalten bleibt, wodurch sich auch die Langzeitergebnisse einer Gewichtsabnahme verbessern.

Durch Bewegung kann der Kalorienverbrauch des K√∂rpers gesteigert werden. Zudem sinkt der Appetit durch Sport und auch die Stressregulation funktioniert besser. F√ľr viele Menschen sind diverse Sportarten ein stabilisierendes soziales Ereignis, wobei Sport insbesondere einen positiven Effekt auf das Herz-Kreis-Lauf-System hat, welches durch Fettleibigkeit oftmals in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Idealfall sollte man mindestens drei- bis f√ľnfmal pro Woche 30 Minuten Sport betreiben. Dabei sollte man auch auf erreichbare Ziele achten, denn es ist besser, regelm√§√üig weniger zu trainieren, als unregelm√§√üige Intensivtraining abzuhalten.

Die Art des Sports ist zweitrangig, wobei Ausdauersportarten meist g√ľnstiger sind als Kraftssportarten. Da Adipositas-Patienten oftmals untrainiert sind, sollte regelm√§√üiger Sport erst nach einer √§rztlichen Untersuchung durchgef√ľhrt werden. Die Belastungsintensit√§t kann danach schrittweise gesteigert werden, wobei eine √úberbelastung aufgrund des gesteigerten Verletzungsrisikos bei Adipositas unbedingt vermieden werden sollte.

Medikamentöse Maßnahmen

Medikamente sind immer als Unterst√ľtzung zu einer Lebensstilver√§nderung zu sehen und sollten immer mit dieser kombiniert werden.

Mögliche Wirkstoffe zur Behandlung einer Fettleibigkeit sind:

Wirkstoff

Wirkmechanismus

Häufige Nebenwirkungen

 Orlistat

Lipasehemmer (hemmt die Fettresorption im Darm)

 Bl√§hungen, Flatulenzen, Fettst√ľhle

 Liraglutid, Semaglutid

 GLP-1-Rezeptor-Agonisten (hemmen den Appetit und verlangsamen die Magenentleerung)

 √úbelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung

 Naltrexon/Bupropion

 Opioidantagonist/Norpinephrin-Dopamin-Reuptake-Hemmer ( Aussch√ľttung anorexigener Hormone, Hemmung des Belohnungszentrums)

 √úbelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Obstipation, Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, Bluthochdruck, Mundtrockenheit, M√ľdigkeit

Adipositaschirurgie

Bei Adipositaschirurgischen-Eingriffen m√ľssen Betroffene immer sorgf√§ltig √ľber die Risiken und Folgen eine Eingriffes aufgekl√§rt werden, da das Operationsrisiko bei bestehender Fettleibigkeit stark erh√∂ht ist.

Die Indikation zur Operation ist meist erst ab einem BMI von √ľber 40 gegeben. Bei einem BMI von √ľber 35 kann eine Operation in Betracht gezogen werden, wenn Begleiterkrankungen eine rasche Gewichtsreduktion notwendig machen oder alle anderen Therapieversuche gescheitert sind.

Grundsätzlich wird bei diesen chirurgischen Eingriffen versucht, das Magenvolumen zur reduzieren. Hierdurch kommt es zu einer limitierten Nahrungszufuhr, die wiederum eine Gewichtsreduktion mit sich bringt.

Zu den verschiedenen Verfahren gehören unter anderem:

  • Gastric Banding (Magenband): Ein Silikonband wird um den Magen gelegt und daraufhin je nach Bedarf mit Fl√ľssigkeit gef√ľllt. Dadurch wird der Eingang zum Magen verkleinert und es k√∂nnen nur kleine Nahrungsmengen aufgenommen werden.
  • Vertikale Gastroplastik: Durch Klammern√§hte wird ein Teil des Magens abgetrennt und durch ein Silikonband gesichert.
  • Magenballon: In den Magen wird ein Ballon eingesetzt, der je nach Bedarf mit mehr oder weniger Fl√ľssigkeit gef√ľllt wird. Diese Methode wird heute nur selten angewandt.

F√ľr eine dauerhafte Senkung des K√∂rpergewichtes sollten jedoch auch die Essgewohnheiten ver√§ndert und optimiert werden. Zudem ben√∂tigen Betroffene nach einer Operation meist weiterhin eine intensive internistische, ern√§hrungsmedizinische und psychologische Betreuung. Mikron√§hrstoffe wie Vitamine und Spurenelemente m√ľssen nach einem Adipositaschirurgischen-Eingriff oft erg√§nzt werden.

Prognose

F√ľr viele Betroffene mit starkem √úbergewicht ist das Abnehmen ohne professionelle Hilfe fast unm√∂glich. Der K√∂rper registriert eine deutliche Gewichtsabnahme und tendiert daraufhin zum Ausgangsgewicht zur√ľck (sogenannter Jojo-Effekt). Dies beruht auf evolutionsbiologischen Mechanismen. In der fr√ľhen Menschheitsgeschichte war eine starke Gewichtsabnahme lebensbedrohlich und wesentlich gef√§hrlicher als eine Gewichtszunahme beziehungsweise auch als √úbergewicht.

Adip√∂se Menschen haben eine geringere Lebenserwartung als normalgewichtige Personen. Je j√ľnger die Betroffenen sind, desto gr√∂√üer ist der Zusammenhang zwischen BMI und dem Sterblichkeitsrisiko. Ein BMI von 30 bis 35 kg/m¬≤ verk√ľrzt das Leben im Durchschnitt um etwa zwei bis vier Jahre. Ein BMI von 40 bis 45 kg/m¬≤ mindert die Lebenserwartung von Menschen sogar um acht bis zehn Jahre. Diese verk√ľrzte Lebenserwartung wird dabei durch Adipositas-assoziierte Folgeerkrankungen verursacht. Im h√∂heren Alter nimmt die Korrelation zwischen BMI und Sterblichkeitsrisiko dagegen deutlich ab.

Meist kann eine dauerhafte Gewichtsreduktion nur durch langfristige Behandlungskonzepte mit √§rztlicher Unterst√ľtzung erreicht werden. Dabei ist es empfehlenswert, sich nicht auf ein gewisses Wunschgewicht zu fixieren, sondern durch eine dauerhafte √Ąnderung des Lebensstils insgesamt ein ges√ľnderes Leben zu f√ľhren. Dies hilft dabei, das √úbergewicht langsam, aber dauerhaft und auch gesund abzubauen. Hierbei ist auch eine hohe Eigenmotivation von Patienten n√ľtzlich und erh√∂ht die Erfolgsrate einer Adipositastherapie stark.

Eine Di√§t sollte also nicht prim√§r zielorientiert sein, sondern als eine lebenslange und ausgewogene Ern√§hrungsumstellung gesehen werden. Es ist empfehlenswert, sie dahingehend zu optimieren, dass sie gesund ist und einem zugleich auch schmeckt. Denn nur dann ist sie dauerhaft durchf√ľhrbar. Diese ges√ľndere Ern√§hrung sollte im Optimalfall mit regelm√§√üiger k√∂rperlicher Bet√§tigung kombiniert werden.

Vorbeugen

Schon kleine Phasen erhöhter körperlicher Aktivität während des Tages können zur Vorbeugung von Übergewicht beitragen.

Um Gewicht abzunehmen beziehungsweise das eigene Gewicht zu halten, sollte auf eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung geachtet werden. Vor allem Lebensmittel mit geringer Energiedichte sind dazu geeignet. Diese haben weniger Kalorien, da sie reich an Wasser und Ballaststoffen sind. Zwischenmahlzeiten, Fastfood und zuckerhaltige beziehungsweise alkoholische Getränke sollten soweit möglich vermieden werden.

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Dr. med. univ. Moritz Wieser

Dr. med. univ. Moritz Wieser
Autor

Moritz Wieser hat das Studium der Humanmedizin in Wien absolviert und studiert derzeit Zahnmedizin. Er verfasst vorrangig Artikel zu den h√§ufigsten Krankheiten. Besonders interessiert er sich f√ľr die Themenbereiche Augenheilkunde, Innere Medizin und Zahnmedizin.

Thomas Hofko

Thomas Hofko
Lektor

Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor f√ľr pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders f√ľr die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

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