Aciclovir

Aciclovir

Grundlagen

Aciclovir ist ein Virostatikum das zur Therapie und zur Prophylaxe von Infektionen mit Herpex-simplex- und Varizella-zoster-Viren eingesetzt wird. Ersteres kann Lippen, Augen und den Genitalbereich befallen oder sogar eine EntzĂŒndung des Gehirns verursachen. Varizellen können Windpocken oder GĂŒrtelrose mit Augenbefall und starken Schmerzen auslösen.

Medikamente mit Aciclovir

Medikament Wirkstoff(e) Zulassungsinhaber
Zovirax Lippenherpescreme Aciclovir GlaxoSmithKline Consumer Healthcare GmbH & Co. KG
Virupos Aciclovir Ursapharm Arzneimittel GmbH
Dynexan Herpescreme Aciclovir Chemische Fabrik Kreussler & Co Gesellschaft mit beschrÀnkter Haftung
AciVision 30mg/g Augensalbe Aciclovir Omnivision GmbH
Aciclovir-ratiopharm Lippenherpescreme Aciclovir Ratiopharm GmbH

Wirkung

Pharmakodynamik

Das Medikament wird erst in virusinfizierten Zellen in die aktive Form umgewandelt. Durch Ähnlichkeit mit dem Nukleotid Guanin wird der Metabolit in die Virus-DNA eingebaut, fĂŒhrt zu einem Abbruch der Kette und hemmt so die DNA-Synthese. ZusĂ€tzlich wird die virale DNA-Polymerase am Virostatikum gebunden und kann auch keine anderen DNA-StrĂ€nge mehr aufbauen. 

Pharmakokinetik

Bei oraler Einnahme betrĂ€gt die BioverfĂŒgbarkeit nur 25 %, weshalb es meist intravenös appliziert wird. Alternativ kann auf das verwandte Valaciclovir mit besserer Resorption ausgewichen werden. Bei Lippenherpes kann auch eine lokale Anwendung durch eine Salbe erfolgen. Die Halbwertszeit betrĂ€gt etwa 2,5 Stunden, wobei das Medikament hauptsĂ€chlich ĂŒber die Nieren ausgeschieden wird. 

Wechselwirkungen

Das bei der Gicht eingesetzte Probenecid kann durch verringerte Ausscheidung die Halbwertszeit von Aciclovir erhöhen. In Kombination mit dem HIV-Medikament Zidovudin wurden NervenschÀdigung und Lethargie beschrieben. 

ToxizitÀt

Nebenwirkungen

Neben hĂ€ufigen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit treten gelegentlich Juckreiz, Haarausfall, MĂŒdigkeit oder Fieber auf. Eine schwere Nebenwirkung stellen Nierenfunktionsstörungen dar, weshalb stets die Nierenfunktion ĂŒberwacht und auf eine ausreichende Urinausscheidung geachtet werden sollte. Sehr selten kommt es beispielsweise Halluzinationen, Psychosen oder Gelbsucht und LeberentzĂŒndungen. 

Bei lokaler Anwendung treten hÀufig Juckreiz oder Hautschuppung der behandelten Stelle auf. 

Toxikologische Daten

Im Mausversuch zeigte das Virostatikum bei oraler Gabe eine sehr hohe mittlere letale Dosis von ĂŒber 10.000 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Es kann sogar in der Schwangerschaft zur Therapie von Windpocken angewendet werden.

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code D06BB03, J05AB01, S01AD03
Summenformel C8H11N5O3
Molare Masse (g·mol−1) 225,21
Aggregatzustand fest
Dichte (g·cm−3) 1,8
Schmelzpunkt (°C) 256,5
Siedepunkt (°C) 595
PKS Wert 11,98;3,02
CAS-Nummer 59277-89-3
PUB-Nummer 2022
Drugbank ID DB00787

Redaktionelle GrundsÀtze

Alle fĂŒr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprĂŒften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter UniversitĂ€ten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Markus FalkenstÀtter, BSc

Markus FalkenstÀtter, BSc
Autor

Markus FalkenstÀtter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der UniversitÀt Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der UniversitÀt Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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