Akute Gastritis (Magenschleimhautentzündung)

Akute Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
Internationale Klassifikation (ICD) K29.-
Symptome epigastrischer Schmerz, gastrointestinale Blutung, Vergiftungserscheinungen, Fieber, Kreislaufschwäche, Schmerzen, Übelkeit, häufiges Aufstoßen, Sodbrennen, Appetitlosigkeit
Mögliche Ursachen Alkohol, Nikotin, magenreizende Genussmittel, Schmerzmittel, Stress, Läufer-Magen, Helicobacter pylori

Grundlagen

Gastritis, oder auch Magenschleimhautentzündung genannt, ist eine entzündungsbedingte Schädigung der Magenschleimhaut (lat. Tunica mucosa gastrica), wobei es je nach Variation zu oberflächliche bis tiefere Änderungen im Drüsengewebe kommen kann. Je nach Krankheitsverlauf unterscheidet man prinzipiell zwischen akuter und chronischer Gastritis.

Die Magenschleimhaut ist eine Schutzschicht, die den Magen von innen auskleidet. Durch diese wird die Magenwand vor den Verdauungssäften geschützt. Durch Verletzungen der Schleimhaut, auch Erosionen genannt, können die Säfte des Magens die Zellen der Magenwand zerstören. Die betroffene Person verspürt dabei meistens Magen-Darm-Beschwerden. Eine Gastritis kann auch über einen längeren Zeitraum unbemerkt bleiben.

Ca. 20% der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens unter einer akuten Gastritis, wobei das Risiko mit dem Alter steigt.

Ursachen

Die Auslöser einer Magenschleimhautentzündung können vielfältig sein. Schädigende Stoffe oder auch andere Faktoren, die einen Überschuss an Magensäure hervorrufen, können dabei die Ursachen bilden:

  • Übermäßiger Konsum von Alkohol und/oder Nikotin
  • Übermäßiger, gehäufter Konsum von magenreizenden Genussmitteln wie Kaffee oder scharfe Gewürze
  • Übermäßiger, überdosierter Konsum von bestimmen Medikamenten wie Schmerzmittel oder Entzündungshemmer
  • Psychischer und physischer Stress
  • Bakterieninduzierte Lebensmittelvergiftung z.B. durch Staphylokokken oder Salmonellen 
  • Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien
  • Reizungen der Magenschleimhaut durch Fremdkörper wie eine Magensonde
  • Säuren oder Laugen
  • Operative Eingriffe
  • Kreislaufversagen, Gehirnerkrankungen, Verbrennungen
  • „Läufer-Magen“: eine durch Laufen, Ernährung und Hormone bedingte Übersäuerung des Magens

Für die bakterieninduzierten Magenschleimhautentzündung sind hauptsächlich deren Stoffwechselprodukte für die Zerstörung der Magenschleimhaut verantwortlich. In diesen Fällen ist die Gastritis meist ansteckend und kann sich zB. bei gemeinsamer Toilettennutzung ausbreiten, da die Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Symptome

Die Hauptsymptome sowohl für eine akute als auch chronische Magenschleimhautentzündung charakteristisch. Die Symptome bei akuter Gastritis treten rasch ein, wohingegen sich diese bei einer chronischen Form über einen längeren Zeitrahmen ausbilden. Die Entzündung der Magenschleimhaut ist durch unterschiedliche, vielfältige Beschwerden gekennzeichnet und läuft in vielen Fällen sowohl mit starken Schmerzen als auch schmerzfrei ab.

  • Schmerzen im Oberbauch (epigastrischer Schmerz)
  • unangenehmes Völlegefühl
  • aufgeblähter Bauch
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • häufiges Aufstoßen
  • Blähungen
  • Sodbrennen
  • Mundgeruch

Komplikationen

Im Rahmen einer schweren (erosiven) Gastritis kann auch Blut im Erbrochenen vorkommen. Die Symptome gleichen hierbei einer oberen gastrointestinalen Blutung, einem potenziell gefährlichen Krankheitsbild, weswegen immer eine Abklärung durch einen Facharzt erfolgen muss.

Diagnose

  1. Anamnese
    Bei Magenproblemen wird im Normalfall zuerst der Hausarzt besucht. Bei Notwendigkeit erfolgt eine Weiterleitung zu einem Gastroenterologen. Die Verdachtsdiagnose der akuten Gastritis kann mithilfe einer Anamnese (Erfragung zur Krankheitsgeschichte) gestellt werden.
  2. Körperliche Untersuchung
    In weiterer Folge wird meistens die Bauchregion abgehört. Dabei achtet der Arzt auf Darmgeräusche und Puls der größeren Blutgefäße. Mit Abklopfen des Bauches können Ansammlungen von Luft bzw. Flüssigkeiten registriert werden. Durch das Abtasten der Region, inklusive Leber und Milz können auch Verhärtungen festgestellt werden.
  3. Endoskopie
    Um eine akute Gastritis eindeutig nachzuweisen, kann eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Dazu wird ein Schlauch mit einer Kamera über den Mund in den Magen eingeführt.
    Bei einer akuten Gastritis zeigt sich eine rote und aufgeschwollene Schleimhaut. Im rahmen einer Biopsie können zudem mit einer kleinen Zange Gewebeproben entnommen werden, um auch die eindeutige Ursache der Gastritis herausfinden zu können. Durch diese Proben kann dann ausgeschlossen werden, dass es sich um ein gefährlicheres Krankheitsbild, wie Magenkrebs oder Magengeschwüre, handelt.
  4. Atemtest oder Blut-/Stuhluntersuchung
    Um eine Infektion mit dem Helicobacter pylori zu diagnostizieren, können die Erreger mit speziellen Tests nachgewiesen werden.

Therapie

Leichtere Formen akuter Gastritis heilen in den meisten Fällen spontan von alleine spontan ab. Auch der Einsatz von Medikamenten kann weitere Verletzungen der Magenschleimhaut vorbeugen und die Heilung fördern. Schwerere Gastritis muss mit spezifischeren Methoden behandelt werden.

Spontane Abheilung unterstützen

Es gibt einige Wege, wie die Abheilung unterstützt werden kann. So sollten auf jeden Fall alle eingenommenen Medikamente und auch rezeptfreie Mittel dahingehend überprüft werden, ob sie die Magenschleimhaut schädigen.

Als erste Maßnahme kann alles, was die Magenschleimhaut reizt, in dem Zeitraum der akuten Gastritis weggelassen werden. Der Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Nikotin könnte dabei den Heilungsprozess erheblich verbessern.

Eine magenschonende Kost oder eine ein- bis zweitägige Nahrungskarenz können ebenfalls dabei helfen die Gastritis schneller wieder abklingen zu lassen, ebenso wie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Begleitsymptome symptomatisch behandeln Wenn neben den Magenschmerzen auch Übelkeit und Erbrechen auftreten, ist sinnvoll, diese so gut wie möglich zu unterbinden. Dafür stehen so genannte Antiemetika (z.B. Meclopramid, Domperidon) zur Verfügung, die den Brechreiz drosseln.
Rezeptfreie Säurehemmer Säure-Hemmer drosseln die Ansäuerung im Magen indem sie die Magensäure neutralisieren, wodurch die Symptome gelindert werden können. Sogenannte Antazida (z.B. Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid, Calciumcarbonat) sind zumeist in der Apotheke frei erhältlich.
Eradikation der Bakterien
Wurde die akute Gastritis durch Bakterien ausgelöst, wie zum Beispiel durch den Helicobacter pylori, sollte eine sogenannte Eradikation, meist mit Antibiotika, durchgeführt werden. Dabei werden alle Bakterien im Magen vorrübergehend zerstört.
H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer Schweren Fälle akuter Gastritis können auch mit H2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer (z.B.: Esomeprazol, Pantoprazol) behandelt werden. Beide sorgen dafür, dass im Magen weniger Säure gebildet wird, welche die verletzte Magenschleimhaut reizt und eine Abheilung verhindert. Diese Medikamente dürfen nur nach genauer Abklärung durch einen Arzt eingenommen werden.


Prognose

Leichte Fälle akuter Gastritis heilen in der Regel auch ohne medikamentöse Therapie innerhalb weniger Tage spontan aus. Schwerere Fälle sind zwar zumeist auf Medikamente angewiesen, sind aber grundsätzlich ebenfalls gut behandelbar.

Etwas anders ist es bei akuter Gastritis, die durch Helicobacter pylori ausgelöst wird. Hier kann sich häufig eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut entwickeln. Deswegen darf mit einer akuten Gastritis nicht leichtfertig umgegangen werden - es ist immer eine ärztliche Abklärung notwendig. Nur so kann durch eine Eradikation die Chronifizierung (d.h. Übergang von vorübergehender zu chronischer Erkrankung) verhindert werden.

Die genaue Beobachtung ist auf jeden Fall indiziert. In einigen Fällen kann sich aus der Gastritis auch ein Magengeschwür bilden. Auch das Auftreten von lebensgefährlichen Magenblutungen ist nicht ausgeschlossen.

Vorbeugen

Die Prophylaxe ist vor allem dahingehed wichtig, wenn in der Vergangenheit bereits eine akute Gastritis durchgemacht wurde. Es kann angenommen werden, dass die Magenschleimhaut generell dazu neigt, sich zu entzünden.

  • Auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten
    Dazu gehört, dass der Fettanteil reduziert wird und genügend Ballaststoffe aufgenommen werden. Auf üppiges Würzen, Zitrusfrüchte, Kaffee, Alkohol und Nikotin sollte so gut es geht verzichtet werden. Beim Einnehmen von Mahlzeiten sollte darauf geachtet werden, diese langsam und entspannt zu verzehren.
  • Magenschädigende Medikamente meiden
    Überdosierungen von Medikamenten, die die Schleimhaut reizen, sollten vermieden werden. Dazu gehören ein Großteil der entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamente, wie z.B. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Naproxen.
  • Für genügend Entspannung und Erholung sorgen
    Stress und Belastungen wirken sich ebenfalls auf die Gesundheit des Magens aus. Es sollten Möglichkeiten und Zeiten für Entspannung und Erholung gefunden werden. Auch Sport kann dabei helfen, für Ausgeglichenheit zu sorgen.

Bei intensivmedizinisch behandelten Hochrisikopatienten kann eine Prophylaxe mittels säurehemmender Medikamente die Inzidenz akuter Stressgastritis reduzieren. Zum Einsatz kommen hierbei intravenös injizierte H2-Blocker, Protonenpumpeninhibitoren oder die Magensäure neutralisierende Wirkstoffe.

Redaktionelle Grundsätze

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Olivia Malvani

Olivia Malvani
Autor

Als Studentin der Ernährungswissenschaften verfasst sie Magazinartikel zu aktuellen medizinisch-pharmazeutischen Themen und verbindet diese mit ihrem persönlichen Interesse für präventive Ernährung und Gesundheitsförderung.

Mag. pharm Stefanie Lehenauer

Mag. pharm Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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