Paroxetin

Paroxetin

Grundlagen

Paroxetin ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Angst-, Panik- und Zwangsstörungen. Er gehört zur Gruppe der Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI). Paroxetin liegt meist als weißes kristallines (kristallbildendes) Pulver vor. Es ist sehr potent und wirkt spezifisch (selektiv) am Serotonin-Transporter SERT im synaptischen Spalt. Wegen der sehr potenten Wirkung können aber auch die Entzugserscheinungen beim plötzlichen Absetzen stärker ausfallen.

Grafik Strukturformel des Wirkstoffs Paroxetin

Medikamente mit Paroxetin

Medikament Wirkstoff(e) Zulassungsinhaber
Paroxetin-neuraxpharm 40 mg Paroxetin neuraxpharm Arzneimittel GmbH
Paroxetin-neuraxpharm 20 mg Paroxetin neuraxpharm Arzneimittel GmbH
Paroxetin-neuraxpharm 10 mg Paroxetin neuraxpharm Arzneimittel GmbH
Paroxetin beta 40 mg Tabletten Paroxetin betapharm Arzneimittel GmbH
Paroxetin beta 30 mg Tabletten Paroxetin betapharm Arzneimittel GmbH

Wirkung

Paroxetin wirkt, indem es den Serotonin-Transporter (SERT) hemmt. Dieser Transporter ist verantwortlich daf√ľr, das Monoamin Serotonin aus dem synaptischen Spalt hinaus zu bef√∂rdern. Durch dessen Hemmung kommt es zu einer erh√∂hten Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt.¬†

Man geht davon aus, dass bei Depressionen ein Mangel an Monoaminen wie Noradrenalin oder Serotonin im synaptischen Spalt vorherrscht. Mit Paroxetin möchte man diesem Mangel entgegenwirken, indem man SERT, welcher Monoamine aus dem synaptischen Spalt heraus pumpt, hemmt. Da Paroxetin ein CYP2D6 Inhibitor ist, kommt es vermehrt zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. 

Paroxetin wird √ľber die Leber, √ľber die Enzyme CYP2D6 und CYP3A4. Die Paroxetin-Bioverf√ľgbarkeit, also zu wie viel Prozent der Wirkstoff im Blut verf√ľgbar ist, liegt bei 30-60%. ¬†Die Halbwertszeit, also die Zeit, die der K√∂rper ben√∂tigt, um die H√§lfte des Wirkstoffes auszuscheiden, liegt bei ca. 21 Stunden.¬†

Die maximale Plasmakonzentration (Cmax), also die maximale Konzentration des Wirkstoffes im Blutplasma (fl√ľssiger zellfreier Anteil des Blutes), wird nach 2-8 Stunden erreicht. Paroxetin muss erst einige Zeit eingenommen werden, bis es seine vollst√§ndige Wirkung entfaltet. Man nennt das auch die Steady-State Konzentration. Diese wird nach 7-14 Tagen erreicht. Paroxetin wird √ľber den Urin durch die Nieren oder √ľber F√§kalien ausgeschieden.

Dosierung

Nehmen Sie Paroxetin immer genau wie in der Packungsbeilage beschrieben bzw. genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.

Die √ľbliche empfohlene Startdosis betr√§gt 7,5 mg - 25 mg t√§glich, je nach Krankheitsbild oder Tablettenart (normal oder retard).

Die empfohlene Erhaltungsdosis liegt bei 10 mg - 50 mg täglich, je nach Krankheitsbild und Tablettenart.

Die maximale Dosis liegt bei 25 mg - 75 mg täglich, je nach Krankheitsbild und Tablettenart. 

Wichtig ist, dass Antidepressiva (auch Paroxetin) ihre optimale Wirkung meist erst nach einigen Wochen vollständig entfalten, wodurch es zum verzögerten Wirkungseintritt kommen kann. 

Ebenfalls wichtig ist, dass Antidepressiva (auch Paroxetin) nie pl√∂tzlich abgesetzt werden d√ľrfen, sondern immer ausgeschlichen werden m√ľssen. Ausschleichen bedeutet, dass die Dosis allm√§hlich langsam reduziert wird, bis man die Einnahme ganz weglassen kann. Wie stark die Dosis reduziert wird, sagt Ihnen Ihr Arzt.¬†

Nebenwirkungen

Es kann zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

Sehr häufig:

Häufig:

Gelegentlich:

  • Blutungen oder Bluterg√ľsse
  • Schwierigkeiten beim Urinieren
  • Blutdruckabfall¬†
  • erh√∂hte Herzfrequenz
  • eingeschr√§nkte Beweglichkeit
  • erweiterte Pupillen
  • Hautausschl√§ge
  • Juckreiz
  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • Ver√§nderungen des Blutzuckerspiegels

Selten:

  • Krampfanf√§lle
  • Unruhe (Akathisie)
  • M√ľdigkeit
  • abnorme Milchabsonderung aus der Brustdr√ľse bei M√§nnern und Frauen
  • langsamer Herzschlag
  • Ver√§nderung der Blutleberwerte
  • Panikattacken
  • Manie
  • Fremdheitsgef√ľhl gegen√ľber sich selber
  • Angstgef√ľhle
  • Zw√§nge
  • Gelenks- und/oder Muskelschmerzen
  • Erh√∂hung des Prolaktinspiegels im Blut
  • Menstruationsst√∂rungen

Sehr selten:

  • allergische Reaktionen
  • Serotoninsyndrom
  • neuroleptisches Syndrom
  • Gr√ľner Star
  • Blasenbildung auf der Haut
  • Lebererkrankungen
  • Syndrom inad√§quater ADH Sekretion (SIADH)
  • Fl√ľssigkeitsansammlungen¬†
  • Empfindlichkeit gegen√ľber Sonnenlicht
  • schmerzhafte Dauererektion des Penis
  • erniedrigte Blutpl√§ttchenanzahl

Häufigkeit nicht bekannt:

  • Selbstmordgedanken
  • Selbstverletzungsgedanken
  • Aggressionsprobleme
  • Z√§hneknirschen
  • Ohrenger√§usche (Tinnitus)
  • Dickdarmentz√ľndungen
  • schwere vaginale Blutungen kurz nach der Geburt

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Einnahme von folgenden Arzneimitteln können Wechselwirkungen auftreten:

Gegenanzeigen

Paroxetin darf in folgenden Fällen NICHT eingenommen werden:

  • bei Einnahme von Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmer inklusive Moclobemid und Methylthioniumchlorid), auch wenn die letzte Einnahme k√ľrzer als 2 Wochen her ist
  • bei Einnahme von Thioridazin oder Pimozid
  • bei Allergie gegen Paroxetin

Altersbeschränkung

Paroxetin sollte unter 18 Jahren NICHT angewendet werden.

Schwangerschaft & Stillzeit

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sollte Paroxetin nur dann eingenommen werden, wenn ein Wechsel auf andere Antidepressiva zu kompliziert ist und sich als nachteilig f√ľr die Patientin herausstellt.

Im 1. Schwangerschaftsdrittel¬†kann ein Fehlbildungsrisiko nicht ausgeschlossen werden. Zudem ist das Risiko f√ľr Herzfehlbildungen nach Paroxetin im 1. Schwangerschaftsdrittel erh√∂ht.¬†

Im 2.&3. Schwangerschaftsdrittel kann es beim Baby nach der Geburt zur serotonergen Toxizit√§t kommen. Symptome hierf√ľr sind Zittern, Trinkst√∂rungen, √úbererregbarkeit, Atemnot, Unterzucker und auff√§lliges Schlafverhalten. Diese Symptome beginnen meist in den ersten Lebenstagen und k√∂nnen bis zu einem Monat dauern.¬†

Als Alternative in der Schwangerschaft kann Sertralin oder Citalopram angewendet werden. 

Sollte es trotzdem zur Einnahme in der Schwangerschaft gekommen sein, sollte die Geburt in einer Klinik mit Neonatologie angestrebt werden. 

Stillzeit

In der Stillzeit¬†kann Paroxetin eingenommen werden, da es nicht bzw. nur in Mengen, die unter der Nachweisgrenze liegen, in die Muttermilch √ľbergeht. Paroxetin ist in der Stillzeit das Mittel der Wahl.¬†

Chemische & physikalische Eigenschaften

ATC Code N06AB05
Summenformel C19H20FNO3
Molare Masse (g¬∑mol‚ąí1) 329,365
Dichte (g¬∑cm‚ąí3) 1,2
Schmelzpunkt (¬įC) 130
Siedepunkt (¬įC) 451,7
PKS Wert 9,9
CAS-Nummer 61869-08-7
PUB-Nummer 43815
Drugbank ID DB00715

Redaktionelle Grundsätze

Alle f√ľr den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von gepr√ľften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universit√§ten). Dabei legen wir gro√üen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Thomas Hofko

Thomas Hofko
Autor

Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor f√ľr pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders f√ľr die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer

Mag. pharm. Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

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Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir k√∂nnen f√ľr die Korrektheit der Daten keine Haftung √ľbernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. F√ľr Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden