Restless-Legs Syndrom

Restless-Legs Syndrom
Internationale Klassifikation (ICD) G25.-
Symptome Bewegungsdrang in den Beinen, Kribbeln, Elektrisieren, Ziehen, Stechen, Brennen, Ameisenlaufen, Druckgefühl, Krämpfe, Heiß- oder Kaltgefühl, unwillkürliche Beinbewegungen, Schmerzen
Mögliche Ursachen genetische Veranlagung, Störung im Eisenstoffwechsel, Störungen im Dopaminstoffwechsel, Mangel an Nährstoffen, Medikamente
Wirkstoffe Levodopa , Pramipexol , Ropinirol , Rotigotin , Oxycodon , Naloxon , Codein , Gabapentin , Clonazepam , Carbamazepin , Valproinsäure , Clonidin

Grundlagen

Das Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS, wird zu den schlafbezogenen Bewegungsstörungen klassifiziert.
Typisch ist ein nachts oder in Ruhesituationen auftretender unbeherrschbarer Bewegungsdrang der Beine, welcher häufig mit Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen verbunden ist und zumeist durch Bewegung oder körperlicher Aktivität nachlässt. Die beeinträchtigenden Symptome sind oftmals Ursachen enormer Schlafstörungen und verminderter Schlafqualität.

In den westlichen Industrieländern geht man von einer altersabhängigen 5-10%igen Prävalenz der Bevölkerung aus und zählt somit wie die Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Die genauen Ursachen sind bislang nicht ausreichend geklärt, es wird aber von einer Störung des Eisenstoffwechsels und Veränderungen mehrerer Neurotransmittersysteme (v.a. Dopaminstoffwechsel) im Gehirn ausgegangen. Außerdem wird angenommen, dass in vielen Fällen eine genetische Veranlagung vorliegt.

Bei einem unbekannten Ursprung der Symptome spricht man von einer primären Form, bei der sekundären Form entsteht das RLS in Folge anderer Erkrankungen. Laut der 2022 erschienenen Leitlinie zum Restless-Legs Syndrom entsteht das Krankheitsbild durch miteinander interagierende genetische, sozioökonomische und Umweltfaktoren sowie Komorbiditäten (Begleiterkrankungen). Die Bezeichnung des „sekundären RLS“ soll demnach nicht mehr verwendet werden.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde eine Form der Ruhelosigkeit mit Bewegungsdrang beschrieben. Die Bezeichnung „Restless Legs Syndrom“ ist seit 1945 in Gebrauch und bedeutet wörtlich übersetzt „Syndrom der unruhigen Beine“.

Abbildung von unruhigen Beinen

AndreyPopov / iStock

Symptome

Die am häufigsten vorkommenden Symptome sind:

  • Bewegungsdrang und Unruhe der Gliedmaßen (hauptsächlich der Beine)
  • Missempfindungen wie kribbeln, elektrisieren, ziehen, stechen, brennen, Ameisenlaufen, Druckgefühl, Krämpfe, Heiß- oder Kaltgefühl
  • Unwillkürliche Beinbewegungen
  • Schmerzen

Die Symptomatik zeigt sich typischerweise nachts bzw. in den Phasen körperlicher Ruhe und beim Liegen. Üblicherweise führt das Nachgeben des Bewegungsdranges zu einer sofortigen Linderung der Missempfindungen.

Bild von einem schmerzenden Bein AndreyPopov / iStock

Folgen der Symptome:

  • Verminderte Schlafqualität
  • Massive Schlafstörungen
  • (Tages-)Müdigkeit
  • Chronische Erschöpfung
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwindel, Migräne
  • Depressionen

Diagnose

Das RLS wird in erster Linie anhand der typischen Symptomatik diagnostiziert. Um die Diagnose abzusichern müssen alle fünf Kriterien erfüllt werden:

  1. Bewegungsdrang in den Beinen der meist von Schmerzen oder Missempfindungen begleitet wird
  2. Der Bewegungsdrang in den Beinen und die begleitenden Schmerzen oder Missempfindungen verschlimmern sich bei körperlicher Ruhe oder im Liegen/Sitzen
  3. Der Bewegungsdrang in den Beinen und die begleitenden Schmerzen oder Missempfindungen bessern sich durch körperliche Bewegung
  4. Der Bewegungsdrang in den Beinen und die begleitenden Schmerzen oder Missempfindungen treten ausschließlich abends oder nachts auf oder verschlimmern sich mit der Tageszeit
  5. Die Symptome sind nicht durch andere medizinische Diagnosen oder Behandlungen erklärbar

Zusatzkriterien zur Diagnose, die nicht zwingend erfüllt werden müssen, sind:

  • Ansprechen (bzw. Besserung der Symptomatik) auf dopaminerge Medikamente (z.B. Gabe von L-Dopa, auch L-Dopa-Test genannt)
  • Positive Familienanamnese
  • Periodische Beinbewegungen beim Schlafen in einem Schlaflabor
  • Schlafstörungen und daraus resultierende Folgen

Bevor eine endgültige Diagnose gestellt wird, sollten auch Eisenmangelerkrankungen oder eine Niereninsuffizienz ausgeschlossen werden. Eine Bestimmung der Eisenwerte und des Blutbilds sollte immer durchgeführt werden; vom Zeitpunkt der Diagnose bis zum Therapiebeginn und bei jeder Verschlechterung der Symptomatik.
Die Polysomnographie (Untersuchung im Schlaflabor) ist zur Diagnostik nicht dringend notwendig, kann jedoch oftmals hilfreich sein.

Anhand der Schwereskala der International Restless Legs Study Group (IRLSSG) wird die RLS-Symptomatik nach dem Schweregrad eingestuft. Die Einschätzung erfolgt mittels einer Abfragung zu den Symptomen und einer Bewertung mit 40 Punkten. Umso mehr Punkte erzielt werden, umso schwerer ist die Symptomatik.

Therapie

Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms orientiert sich am individuellen Leidensdruck des Patienten. Bei Begleiterkrankungen kann die Therapie dieser die RLS-Beschwerden lindern oder gänzlich beseitigen.
Bei einem unbekannten Ursprung der Krankheit ist nur eine symptomatische Behandlung möglich.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze:

  • Änderungen der Lebensgewohnheiten
  • Gute Schlafhygiene einhalten
  • Ausgewogene Ernährung und Vermeidung von Alkohol und Kaffee
  • Moderate körperliche Aktivität

Akute Linderung:

  • Massagen
  • Kühlende Gele
  • Bäder
  • Gedankliche Ablenkung (lesen, basteln, spielen oder andere Hobbys)

Medikamentöse Behandlung:

Die Einnahme von Medikamenten zur Linderung der RLS-Symptomatik muss mit einem Arzt abgesprochen werden und sollte auf die individuellen Symptome des Patienten angepasst werden.

Eine Behandlung mit dopaminergen Medikamenten kann zu einer sogenannten Augmentation führen. Darunter versteht man die Verstärkung der Symptome durch die Medikation. Bei einer Augmentation durch L-Dopa wird die Therapie auf Dopaminagonisten umgestellt. Wird im Anschluss auch bei dieser Medikation eine Augmentation festgestellt, werden Opioide eingesetzt.

Prognose

Für die Form des RLS, bei welcher eine Grundursache feststellbar ist, ist die Prognose gut, da die Symptomatik bei erfolgreicher Behandlung der Ursache gelindert und sogar gänzlich nachlassen kann.
Da das Syndrom selbst nicht heilbar ist, können bei unbekannter Ursache nur die Symptome durch unterschiedliche Therapieansätze behandelt werden.

Vorbeugen

Bei genetischer Veranlagung ist die direkte Vorbeugung des Restless-Legs-Syndroms kaum bzw. nicht möglich. Bei einem diagnostizierten Eisenmangel kann eine Substitution die Symptome verhindern. Eine Lebensweise bestehend aus ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und moderater körperlicher Aktivität kann sich präventiv auf die RLS-Symptome auswirken.

Redaktionelle Grundsätze

Alle für den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprüften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universitäten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.

Olivia Malvani

Olivia Malvani
Autor

Als Studentin der Ernährungswissenschaften verfasst sie Magazinartikel zu aktuellen medizinisch-pharmazeutischen Themen und verbindet diese mit ihrem persönlichen Interesse für präventive Ernährung und Gesundheitsförderung.

Mag. pharm Stefanie Lehenauer

Mag. pharm Stefanie Lehenauer
Lektor

Stefanie Lehenauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.

Dein persönlicher Arzneimittel-Assistent

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf Jahr/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Medikamio GmbH & Co KG und sein/ihr Internet-Angebot: medikamio.com/ This website is certified by Health On the Net Foundation. Click to verify.
Medikamente

Durchsuche hier unsere umfangreiche Datenbank zu Medikamenten von A-Z, mit Wirkung und Inhaltsstoffen.

Wirkstoffe

Alle Wirkstoffe mit ihrer Anwendung, chemischen Zusammensetzung und Arzneien, in denen sie enthalten sind.

Krankheiten

Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten für häufige Krankheiten und Verletzungen.

Die dargestellten Inhalte ersetzen nicht die originale Beipackzettel des Arzneimittels, insbesondere im Bezug auf Dosierung und Wirkung der einzelnen Produkte. Wir können für die Korrektheit der Daten keine Haftung übernehmen, da die Daten zum Teil automatisch konvertiert wurden. Für Diagnosen und bei anderen gesundheitlichen Fragen ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Weitere Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden