Chronische Gastritis

Chronische Gastritis
Internationale Klassifikation (ICD) K29.5
Symptome Verdauungsstörungen, Blutarmut, Gastrinome, Blähungen, Durchfall, Völlegefühl, Schmerzen unter dem Zwerchfell
Mögliche Ursachen Viren, Bakterien und Pilze, Allergien, Morbus Crohn, Alkohol oder Medikamente, Rückfluss von Gallenflüssigkeit, Autoimmunerkrankungen, Helicobacter pylori
Mögliche Risikofaktoren Stress, Läufer-Magen, magenreizende Genussmittel, Schmerzmittel, mechanische Reizungen, Lebensmittelvergiftungen, übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum, große Mengen Kaffee, falsche Ernährung

Grundlagen

Beschreibung

„Gastritis“ leitet sich aus dem griechischen ab und beschreibt eine Entzündung der Magenschleimhaut. Diese befindet sich an der Mageninnenseite und bildet eine Schutzschicht gegen die aggressiven Verdauungssäfte. Durch eine chronische Entzündung der Schleimhaut kann der Schutzfilm stellenweise zerstört werden. Die Magenwand-Zellen sind dann schutzlos der Magensäure ausgeliefert.

A-, B- & C- Gastritis

Die chronische Magenschleimhautentzündung wird grundsätzlich in drei Typen eingeteilt, welche sich durch verschiedene Ursachen unterscheiden.

Typ A beschreibt eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass der Körper sich selbst, in diesem Fall die Schleimhaut des Magens, angreift.

Typ B wird durch Bakterien (meistens Helicobacter pylori) verursacht.

Typ C entsteht durch einen Reflux (Rücklauf) von Gallenflüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm oder bestimmte Medikamente.

Es gibt außerdem einige (seltene) Sonderformen von chronischer Gastritis, z.B. Crohn-Gastritis durch Morbus Crohn.

Generell kann Gastritis auch spontan auftreten. Es handelt sich dann um eine akute Gastritis, welche durch exzessiven Alkoholkonsum, Nikotin, Medikamente oder zu viel Stress ausgelöst werden kann.

Auch Erosionen (oberflächliche Defekte der Magenschleimhaut bei intakter Magenwand) in akuter oder chronischer Form sind möglich. Sie sind das Symptom verschiedener Schädigungen oder Krankheiten, die genaue Ursache bleibt aber meist unentdeckt.

Abhängig von der Ursache, kann eine chronische Gastritis normalerweise komplikationslos ausheilen. Möglicherweise kann sich aber aus der Entzündung ein Ulcus Ventriculi (Magengeschwür) entwickeln. Dadurch kann es im Magen zu Blutungen, Durchbruch oder Krebs kommen.

Ursachen

Typ A – Autoimmun-Gastritis

Bei Autoimmunerkrankungen werden vom Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Zellen produziert. In diesem Fall werden Belegzellen des Magens und/oder der sog. Intrinsic-Faktor angegriffen.

Bei Belegzellen handelt es sich um Zellen in der Magenschleimhaut. Sie sind für die Produktion von Salzsäure (Bestandteil vom Magensaft, HCl) und den Intrinsic-Faktor (Protein für die Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm) verantwortlich.

Das Sterben von Zellen und Gewebe wird Atrophie genannt. Meistens geht sie vom Mageneingang (Cardia) aus und erreicht über den Magenkörper (Corpus) den Magengrund (Fundus).

Bei der Entstehung einer Typ A Gastritis können neben einem irritierten Immunsystem auch Helicobacter-pylori-Bakterien beteiligt sein, die sonst eher mit Typ B in Verbindung stehen.

Mit 3-6 % aller Fälle handelt es sich bei der autoimmunen Gastritis um die seltenste Form, die auch mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs einhergeht. Sie kann vererbt werden und betrifft beinahe ausschließlich Nordeuropäer bzw. Skandinavier.

Typ B – Helicobacter-Gastritis

Bakterien (meistens Helicobacter Pylori) verursachen die Typ B Gastritis. Die Magenkeime können von Mensch zu Mensch, vermutlich durch Körpersekrete (Speichel, Stuhl, Erbrochenes) übertragen werden.

Diese Form der Magenschleimhautentzündung beschränkt sich häufig auf einen Abschnitt in der Nähe des Magenausgangs (Antrumgastritis). Weitaus seltener betrifft sie den Magenkörper (Corpus).

Die bakterielle Gastritis macht rund 80-90% die häufigste Art von chronischer Gastritis aus. Die Zahl der Betroffenen nimmt parallel zum Alter zu, unter 20 Lebensjahren finden sich kaum erkrankte.

Es besteht ein Zusammenhang mit bösartigen Magenerkrankungen (z.B. Karzinom) und erhöhtes Risiko für Magen- bzw. Zwölffingerdarmgeschwüre.

Typ C – Chemisch-toxische Gastritis

Eine chemische oder auch reaktive Gastritis macht ca. 10% aller Fälle aus und findet sich oft im Bereich des Magenausgangs (Antrum). Zu deren Entstehung können sowohl ein Rückfluss von Gallenflüssigkeit (aus dem Zwölffingerdarm), als auch chemische Reizungen durch Alkohol oder Medikamente beitragen. Durch sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika wird die Magenschleimhaut weniger gut durchblutet, was zu oberflächlichen Erosionen und unter Umständen auch zu einer Schleimhautentzündung führen kann.

Sonderformen

  • Crohn-Gastritis: Morbus Crohn kann auf den Magen übergreifen
  • Lymphozytäre Gastritis: vermutlich eine Autoimmunerkrankung
  • Eosinophile Gastritis: zum Teil verursacht durch Allergien wie z.B. Weizen, Kuhmilch oder Soja
  • Viren, Bakterien und Pilze: z.B. Milzbranderreger, Herpes-Simplex-Virus

Symptome

Die chronische Entzündung der Magenschleimhaut verursacht häufig keine oder nur uncharakteristische Beschwerden.

Im Fall einer Gastritis vom Typ A herrscht durch die geschädigten Belegzellen ein Mangel an Salzsäure und Intrinsic-Factor (Protein zur Aufnahme von Vitamin B12) vor.

Nahrungskeime können ohne genügend Magensäure nicht mehr abgetötet werden. Sie siedeln sich im Verdauungstrakt an und führen zu Blähungen, Durchfall, Völlegefühl oder Schmerzen unter dem Zwerchfell. Aufgrund des Säuremangels können um den Magen außerdem Gastrinome entstehen. Es handelt sich dabei um Tumoren, die Gastrin produzieren, was die Ausschüttung von Salzsäure anregen soll.

Durch den Mangel an Intrinsic-Factor und folgendem Mangel an Vitamin B12, kann es zu einer perniziösen Anämie (Blutarmut) kommen.

Gastritis Typ B und C verursachen keine spezifischen Symptome. Lediglich die akute Infektion mit Helicobacter pylori kann zu Verdauungsstörungen und Blähungen führen. 

Jede chronische Gastritis birgt außerdem das Risiko einer intestinalen Metaplasie. Geschädigte Schleimhautzellen werden dabei durch Zellen ersetzt, die sonst nur im Darm vorkommen. Oft handelt es sich dabei um Dünndarmzellen, weitaus seltener um solche des Dickdarms. Die Wahrscheinlichkeit eines Magenkarzinoms erhöht sich dadurch.

Diagnose

Chronische Gastritis wird wegen der unspezifischen Symptomatik oft lange Zeit nicht bemerkt und eher zufällig bei Untersuchungen diagnostiziert.

Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung des Magens, wird eine Gastroskopie (Magenspiegelung) mit Biopsie (Gewebeentnahme) durchgeführt.

Gewebeproben werden anschließend im Labor auf Veränderungen oder Helicobacter pylori untersucht. Der Keim kann ebenfalls via Atemtest, Stuhl- oder Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

Eine perniziöse Anämie (Blutarmut durch Vitamin B12 Mangel) wie z.B. bei der A-Gastritis kann im Blutbild erkenntlich werden.

Therapie

Gastritis Typ A

Bei der autoimmunen Art einer Gastritis existiert noch keine Möglichkeit die Ursache zu behandeln. Eine eventuelle perniziöse Anämie, lässt sich häufig durch Vitamin B-12 Injektionen therapieren oder sogar verhindern. Sollte die angeschlagene Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori besiedelt sein, kann die Infektion mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden (Eradikationstherapie).

Da ein erhöhtes Risiko für Magenkarzinome besteht, sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen (Magenspiegelung mit Biopsie) stattfinden.

Gastritis Typ B

Die häufigste Therapie der Helicobacter-Gastritis ist eine Eradikationstherapie. Es wird angestrebt, den Magenkeim vollständig abzutöten.

Meist kommt eine Dreifachtherapie (Tripel-Therapie) zum Einsatz. Diese setzt sich aus einem sog. Protonenpumpenhemmer (kurz PPI, z.B. Pantoprazol, Omeprazol) und zwei Antibiotika zusammen.

Abhängig von den gewählten Antibiotika gibt es zwei Therapiepläne:

  • Italienische Therapie: PPI + Clatrihromycin + Metronidazol
  • Französische Therapie: PPI + Clarithromycin + Amoxicillin

Experten raten eher zur italienischen Variante, da die Verträglichkeit gegenüber Amoxicillin besser ist. Die französische Therapie sollte dann gewählt werden, wenn eine erhöhte Resistenz gegenüber Metronidazol besteht.

Die Einnahme der Medikamente über zumindest 7 Tage ist bei beiden Behandlungen unerlässlich. Ab 4 Wochen nach erfolgter Therapie kann der verantwortliche Arzt feststellen, ob Helicobacter pylori tatsächlich abgetötet wurde. Dazu bieten sich Atemtest, Gastroskopie oder eine Stuhluntersuchung an. Wenn die Therapie nicht erfolgreich war, kann eine andere Kombination an Wirkstoffen angewendet werden.

Alternativen sind Sequenz- und Quadrupel-Therapie:

Die Sequenztherapie erstreckt sich über 10 Tage. In den ersten 5 wird ein PPI und Amoxicillin verabreicht. Die darauffolgenden 5 Tage PPI mit Clarithromycin oder Metronidazol.

Die Quadrupeltherapie ist sehr effektiv, bringt aber oft Nebenwirkungen mit sich. Dabei wird ein PPI mit einem Wismuthsalz, Metronidazol und Tetrazyklinen kombiniert. Erprobte Wismuthpräparate sind mittlerweile schwer erhältlich, weswegen diese Therapie nur noch zum Einsatz kommt, sofern andere Therapien nicht anschlagen oder nicht möglich sind.

Gastritis Typ C

Bei dieser Art ist es häufig ausreichend, Substanzen zu meiden, welche die Schleimhaut reizen können. Dazu zählen u.a. nichtsteroidale Antirheumatika (lösen sog. NSAR-Gastritis aus), welche abgesetzt werden sollten. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht, können PPIs verschrieben werden, welche die Produktion von Magensäure hemmen.

Ist die Ursache ein Gallenrückfluss, muss dessen Auslöser behandelt werden.

Was Sie selbst tun können

Alle Empfehlungen, die für eine akute Gastritis gelten, können auch bei chronischem Leiden die Beschwerden lindern. Das sind z.B. Schonkost, Wärmflasche, Verzichten auf Kaffee und ähnliches.

Prognose

Wie die Prognose aussieht, hängt vom Typ der Gastritis ab:

  • Die autoimmune Gastritis (Typ A) kann nicht geheilt werden, ist dafür aber arm an Beschwerden. Erkrankte sind ihr gesamtes Leben lang auf die Gabe von Vitamin B12 angewiesen. Kontrolluntersuchungen sind sehr wichtig, da ein erhöhtes Magenkrebs-Risiko besteht.
  • Bei der B-Gastritis werden zum Abtöten des Magenkeims Helicobacter pylori PPI mit zweierlei Antibiotika kombiniert. Die Erfolgsrate liegt bei 90 %, Rückfälle sind die Ausnahme. Auch hier werden Kontrolluntersuchungen empfohlen, da das Risiko für Magenkarzinome erhöht ist.
  • Die Gastritis vom Typ C hat ebenfalls sehr gute Heilungschancen. Sobald die Ursache beseitigt wurde, heilt die Schleimhautentzündung im Normalfall rasch und komplikationslos aus.

Vorbeugen

Ein Patentrezept existiert nicht. Wer sich generell bewusst und gesund ernährt, schützt seine Magenschleimhaut. Fettreiche, ballaststoffarme und stark gewürzte Speisen sollten gemieden werden.

Sehr heiße bzw. kalte Getränke, Zitrusfrüchte, Kaffee, Alkohol und Tabak führen ebenfalls zu einer Schädigung der Magenschleimhaut.

Ratsam ist, Mahlzeiten generell langsam und in entspannter Atmosphäre zu verzehren. Mehrere kleine Mahlzeiten sind für den Magen verträglicher.

Medikamente, die die Schleimhaut reizen, sollten nur in Ausnahmefällen genommen werden. Das sind vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (Schmerzstiller und Entzündungshemmer) mit den Inhaltsstoffen Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen und Naxopren.

Stress und psychische Belastung sind ebenfalls schädigend für Magen und allgemeine Gesundheit. Verschaffen Sie sich genügend Entspannung durch Entspannungstechniken (z.B. Yoga, Autogenes Training). Auch Sport ist für den Stressabbau sehr geeignet. Positiver Nebeneffekt ist außerdem eine störungsfeie Verdauung.

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